falsches blut

Der ermittelnde Detektive Ash Rashid in diesem Thriller entspricht in keiner Weise dem so typischen muslimischen Mitbürger, der sich brav an alle Regeln seiner Glaubensgemeinschaft hält. Trinken ist nicht erlaubt? Aber es vertreibt doch die bösen Geister und Erinnerungen! Lügen streng verboten? Aber in Ausnahmesituationen wie dem Krieg ist es doch auch erlaubt! So schlängelt sich Ash auch durch sein Berufsleben und gerät dadurch in eine unangenehme Situation, die nicht nur für ihm, sondern auch für seine Familie gefährlich wird.

In einem aktuellen Mordfall wird die Leiche einer jungen Frau gefunden.

Sie ist für Ash keine Unbekannte, ist es doch seine Nichte Rachel, die offensichtlich im Drogenrausch gestorben ist. Die Ermittlungen sind rasch abgeschlossen. Tod durch übermäßigen Drogenkonsum. Ein eindeutiger Fall. Aber Ash glaubt nicht daran und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Als dann auch noch Rachels Freund tot aufgefunden wird, verstärkt sich seine Vermutung, dass er es hier mit einem großen Fisch zu tun hat, der gerade seine Spuren verwischt.

Hatte ich anfangs noch sehr den Verdacht, es rutscht alles in die Vampir-Klischee-Schiene, so wurde dieser jedoch im Laufe der Zeit (zum Glück) nicht bestätigt. Der Erzahlstil ist recht locker und fließend zu lesen. Man wird nicht übermäßig mit Fachbegriffen bombardiert und wenn, ist alles verständlich erklärt. Die Beziehung von Ash zu seiner Familie ist sehr rührend dargestellt, man spürt das enge Band, was seine Frau und ihn verbindet. Sein Fels in der Brandung quasi. Dennoch wird es nie kitschig.

Im Laufe der Zeit kommen immer mehr Figuren zur Handlung hinzu.

Alles wird immer komplexer. Man fragt sich irgendwann im Stillen, wer denn noch so alles auftaucht. Aber da die Namen nie zu kompliziert sind, kann man sich diese gut behalten und verliert nicht den Überblick in dem Netz der Verstrickungen, was Detektive Ash unerlaubt aufdeckt. Selbst in Momenten, wo man sich fragt „Warum merkt keiner was Ash da macht?“ wird es einem schlüssig vom Autor erklärt und man löscht die gedanklichen Fragezeichen.

Positiv ist auch die Ich-Perspektive, aus der alles erzählt wird. Ich mag diese Erzählform sehr, da sie einen oft den Hauptcharakter viel näher bringt und auch wenn mich diese Buch nicht zu 100% überzeugen konnte, habe ich Ash und seine persönlichen Lebensweisheiten, wie die kommende, sehr ins Herz geschlossen.

„Und mich dafür eine wichtige Lektion gelehrt: Niemand verdient eine zweite Chance. Menschen ändern sich nicht, sondern werden bloß älter.“ [S.120]

Einzig der Lieutenant Bowers konnte mich nicht überzeugen. Er ist der Gegenspieler von Ash und versucht mit allen Mitteln zu verhindern, dass dieser ungenehmigt weiter ermittelt. Bowers wirkt die ganze Zeit mürrisch und wie ein Musterlieutenant, der alles richtig machen will, damit er sein Gesicht wahren kann. Dann kommt einer Wende und er ist plötzlich freundlich und hilfsbereit. Da man nie Anzeichen gefunden hat, dass er alles nur „spielt“ – was die naheliegende Vermutung wäre – kauf ich ihm dieses Verhalten nicht ab.

Ein ruhiger Thriller, der seinen Spannungselemente hat und am Ende auch noch mit einer kleinen Überraschung daherkommt. Der Figurenausbau war mir zeitweise nicht ausgereift genug und auch fehlten mir gelegentlich die Spannungselemente. Dennoch ist das Buch lesenswert und ich würde der Fortsetzung, die schon in Arbeit ist, auf jeden Fall eine Chance geben.


Genre: Thriller / VÖ: Feb. 2014 / Verlag: blanvalet / Serie: Serienauftakt