schwarze tränen

Alles fängt in Irland an. Sinead muss hautnah erleben, wie ihr Haus explodiert, ihr Mann Gari darin in Fetzen gerissen wird und sie ihr ungeborenes Kind kurz darauf verliert. Ihr Hab und Gut ist zerstört, verpufft in einer gewaltigen Explosion, die nach ersten Recherchen einem Defekt zuzuordnen sind. Während die junge Frau versucht sich im Krankenhaus zu sammeln und das Geschehene zu verarbeiten, wendet sich das Blatt plötzlich.

Sie gerät unter Verdacht. Sie soll die Schuldige sein. Sie soll für den Tod ihres Mannes verantwortlich sein. Sie soll zur vollen Verantwortung gezogen werden. Damit bleibt ihr nur noch ein logischer Ausweg: Die Flucht. Sie muss jetzt ihre Unschuld beweisen und will sich gleichzeitig an dem Mörder rächen, der ihr alles genommen hat, was sie besaß.

„Du steckst so richtig in der Scheiße, Sinead. Wie willst du deine Unschuld beweisen?“ (S. 154)

Damit beginnt für Sinead und den Leser eine erste Odyssee von Irland über England nach Frankreich. Doch das ist nur eine Zwischenstation. Die Suche geht viel tiefer, als man es anfänglich erwartet hätte. Nachdem die Journalistin in den Trümmern ihres Hauses ein seltsames Glas mit runzligem Inhalt gefunden hatte, machte sie sich auf den Weg zu ihrer Freundin Mia. Eine Doktorin, die ihr schnell klar macht, dass es sich bei dem Inhalt eindeutig um Haut handelt, wahrscheinlich Augenlider und diese sehr alt sind.

Doch bevor sie ins Detail gehen können, muss Sinead fliehen. Ihr Bruder im Gefängnis ist das nächste Ziel. Er soll ihr bei der Flucht helfen. Aber irgendetwas läuft schief und sie findet sich in Paris wieder. Gefunden von Raphael, einem französischem Polizisten, der schnell herausfindet, dass die per internationalem Haftbefehl gesucht wird.

Folglich laufen auch direkt die zwei Handlungsstränge zusammen, die einen von Anfang an begrüßt hatten und man sich stetig fragte, wie und wann diese beiden Handlungen endlich zusammenführen. Man pendelt also nun nur noch zwischen den beiden Charakteren hin und her und nicht zwischen zwei Ländern. Somit haben sich zwei Charaktere gefunden, die sich gemeinsam stützen und zum Ziel kommen wollen.

„Die IRA verlässt man nie…“ (S.227)

Zeitlich ist man im Jahre 1994. Die IRA sind hier genauso ein großes Gesprächsthema, wie der Kommunismus, die Sowjetunion, Usbekistan und die Astronomie. Es werden alle Themen auf ihre eigene Art und Weise beleuchtet, was zeitweise zu recht wissenschaftlichen oder geschichtlichen Dialogen führt und man genau lesen muss um den Faden nicht zu verlieren. Wer sich jedoch für die Themen interessiert – wie ich – wird sich nicht langweilen.

Wie diese Thematiken alle zusammen gehören und wie alles mit diesen seltsamen Augenlidern zusammenpasst, die anscheinend von großem Wert sind, erfährt der Leser Stück für Stück. Was zunächst wie großes Chaos aussieht, fügt sich bald zu einem stimmigem Endbild zusammen. Als dann die Wahrheit mit einem Schlag ans Licht kommt, ist man schockiert und erzürnt zugleich.

„Ich will die Wahrheit herausfinden, und wenn es mich das Leben kostet.“ (S. 382)

Das Buch ist in drei große Teile unterteilt. Kurz gesagt: dem Einstieg, mit steigender Spannung, dem ersten Höhepunkt, mit der folgenden Suche nach den Zusammenhängen und das erlösende Finale, bei dem man nur noch baff das Buch zusammenklappt. Ab und an, wird ein Zeitungsausschnitt als Kapitel eingesetzt, was das Grübeln kurz unterbricht und dem Leser meist eine kleine Zusammenfassung gibt.

Bis auf die „Erklärphasen“ lässt sich das Buch sehr flüssig lesen. Man fiebert eifrig mit und schließt die vom Schicksal gebeutelte Sinead und den leicht depressiven Raphael schnell ins Herz. Beide haben ihre Ecken und Kanten, sind durch das Leben geprägt wurden und wirken in ihrem Verhalten sehr menschlich.

Alles in allem ist das Buch für Thriller-Fans eine absolute Empfehlung.
Leichte Kost ist es nicht und hier und da hätte man die zahlreichen Informationen sicher etwas leserfreundlicher verteilen können, dennoch hielt sich die Spannung stets oben, man will nichts überfliegen, sondern alles wissen und erfahren wie es am Ende ausgeht.


Genre: Thriller / VÖ: April 2014 / Verlag: Limes / Serie: Einzelband