mädchen #6

Es ist Kirmes im Camden Park. Alle genießen den Tag, man isst Waffeln, Eltern lassen ihre Kids ausgiebig toben und mittendrin geschieht still und leise ein Mord.Kaum hat ein geschockter Besucher die Leiche gefunden, rückt auch schon die örtliche Polizei an. Da die junge Frau eine Prostituierte war, glaubt man den Fall schnell abschließen zu können: Mord aus Rache.

Doch die hinzugezogene Polizistin Danielle ist da anderer Meinung. Sie kannte die Frau, hatte ihr geholfen vom Strich wegzukommen und dort war sie schon eine Weile nicht mehr gewesen. Warum wurde sie also umgebracht? Und warum fehlt der Frau ein ganzes Büschel Haare? Danielle weiß keinen Rat. Als kurz darauf ein angesehener Mann, einer bekannten Stiftung ermordet wird und ein Zusammenhang zwischen den beiden nachgewiesen werden kann, geht die Suche nach dem Killer erst richtig los.

Für Danielle Cole – kurz Dani oder „Nail“ genannt – ist dies der erste richtige Ermittlungsfall seit einer Weile. Sie wurde nach dem Tod ihres Vaters unter Beobachtung gestellt und zu Schreibtischarbeit „verdonnert“, als hätten sich all die schlechten Eigenschaften ihres Vaters automatisch auf sie übertragen. Doch sie hatte keine Verbindungen zum Drogenkartell, sie war nicht korrupt und nun war es an der Zeit, dies ihrem Chef erneut zu beweisen.

Sie würde wieder mit ihrem alten Kollegen Tifton zusammenarbeiten, etwas was sie noch mehr freute. Doch schnell ziehen dunkle Schatten auf. Der Killer ist überhaupt nicht erfreut, dass Dani ihm so auf den Fersen ist und schickt ihr ein paar deutliche Hinweise, um sie in die Schranken zu weisen. Somit gerät sie nicht nur in Gefahr, sondern ihr droht auch von dem Fall abgezogen zu werden. Etwas, was für sie überhaupt nicht in Frage kommt, koste es was es wolle.

„Mit Geld konnte man alle umstimmen. Reiche Leute genauso wie Arme. Es ging immer nur ums Geld.“ (S.161)

Die Jagd nach dem Mörder entwickelt sich sehr rasant. Direkt zu Beginn geschieht der erste Mord und die Ermittlungen beginnen. Zeitgleich kommt der Frauenmörder selbst zu Wort. Seine Identität wird dabei so geschickt verschleiert, dass man bis kurz vor Ende nicht weiß, wer er ist. Zwar gibt es hin und wieder Andeutungen, man glaubt ihn erkannt zu haben, doch im nächsten Abschnitt wird einem diese Hoffnung direkt wieder genommen. Dieses Katz-Maus-Spiel steigert die Spannung natürlich extrem und flaut auch erst gegen Ende wieder ab.

Parallel zu Dani lernt man Mitch kennen. Er ist ehemaliger Fotograph und kommt soeben für die kommende Fotoausstellung zurück, welche von dem ermordeten Mann geplant worden war.
In seinen besten Zeiten, war er in den Krisengebieten unterwegs und sein Ziel lautete stetig: Die Welt zu verbessern. Auch jetzt noch, als er von dem dramatischen Unglück erfährt. Kurzweilig gerät er selbst ins Visier der Ermittler und lernt somit die unnahbare Dani kennen.

Beide Figuren sind gut ausgebaut. Man kauft der jungen Polizistin ihre Gefühle und Ängste komplett ab. Man versteht, warum sie gerne abwiegelt und niemanden an sich ran lässt. Mitch hat ebenfalls mit den Monstern seiner Vergangenheit zu kämpfen, dennoch wirkt er lockerer und entspannter. Im Laufe der Geschichte geht einem Mitch jedoch ab und an ziemlich auf den Senkel, da er einen recht starken Beschützerinstinkt zu Dani aufbaut. Man könnte manche seiner Phasen schon fast als kitschig und albern bezeichnen. Zum Glück dominieren diese Momente nicht das Buch, sondern geben ihm nur einen bitteren Beigeschmack.

Der Schreibstil ist auch in dem zweiten Buch von Kate Brady wunderbar flüssig.

Man stolpert über keine Fachsimpeleien und kann sich voll und ganz auf die Jagd und die Hintergründe der Morde konzentrieren. Diese ergeben am Ende ein übles Szenario, was man sich so nicht hätte vorstellen können. Vor allem, dass die Person so kranke Züge zeigt und in was sie so alles verstrickt ist. „Der Schein trügt“, passt hier wunderbar rein, um es einmal kurz zu fassen. Vielleicht wirkt der Schluss dann für manche auch etwas zu dramatisch, ich fand ihn passend und gut umgesetzt.

Alles in allem halte ich „Mädchen #6“ für absolut lesenswert!
Wie oben erwähnt, sollte man „Puppengrab“ auch kennen. Es ist kein Muss für diesen Band, da es separate Geschichten sind, dennoch gehören sie irgendwie zusammen, was man an kleinen dezenten Andeutungen gegen Ende merkt. Wären nicht diese kitschigen Momente gewesen, hätte ich dem Buch sogar die volle Punktzahl gegeben.


Genre: Thriller / VÖ: Juni 2014 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Serienauftakt