das mädchen mit den blauen augen

Es ist das Jahr 1980. Einen Tag vor Weihnachten. Familien, Bekannte, Einzelreisende sind mit dem Flugzeug auf den Weg zu ihren Liebsten oder wollen einfach nur Heim. Aber dann geschieht das, was sich kein Fluggast je wünscht. Unwetter zieht auf, die Maschine gerät ins straucheln und zerschellt an einer massiven Felswand der Bergkette Jura. Alle Insassen kommen ums Leben. Wer sollte so was auch überleben?

Doch dann wird ein Säugling gefunden, ihn scheint es aus der Maschine geschleudert zu haben und bis auf eine starke Unterkühlung geht es dem Mädchen den Umständen entsprechend gut. Die Suche nach der Familie wird schnell eingeleitet. Aber es melden sich plötzlich zwei Familien und beide behaupten es sei ihre Enkelin. In einer Zeit, wo es noch keine DNA-Tests gab, kann darüber nur einer entscheiden: Das Gericht.

Achtzehn Jahre später. Emelie ist volljährig. Sie hat die ausführlichen Aufzeichnungen eines Privatdetektivs erhalten, der sich um den Fall kümmern sollte. Denn auch jetzt noch streiten sich die Familien Vitral und Carville um das hübsche Mädchen. Sie hat ihren eigenen Entschluss gefasst und übergibt ihrem Bruder Marc die Dokumente. Direkt danach verschwindet sie und lässt einen verwirrten Marc zurück. Als er anfängt zu lesen, wird ihm klar, wie tief der Hass zwischen den Familien verwurzelt ist und das noch immer nicht alle Fakten geklärt sind.

Die erste Frage die man sich direkt stellt: Aber 1998 gibt es doch schon Gentests.

Oh ja, die gibt es und natürlich wurden die Gene der Familienangehörigen mit den DNA-Strängen des blonden Mädchen verglichen. Aber dieses Ergebnis, wird dem Leser erst recht spät offen gelegt. Bis dahin darf er mit Marc mitgrübeln, bangen und hoffen. Dieses Feeling hat eindeutig etwas von einem Krimi. Denn neben der Jagd nach der Wahrheit, ist man auch auf der Suche nach dem Mörder des Detektivs. Dieser wurde nämlich tot in seiner Wohnung aufgefunden. Neben einem Abschiedbrief. Doch irgendetwas passt nicht in das Selbstmordszenario und diese Ungewissheit verfolgt einen ebenfalls.

Als Hauptredner kommt Marc Vitral zu Wort. Er begibt sich auf die Suche nach Emelie und gleichzeitig der Wahrheit. Zeitgleich liest er die „Aufzeichnungen von Crédule Grand-Duc“ dem Ermittler weiter. Dank der kleinen Überschriften weiß man immer genau, wer wann und wo spricht. Crédule selbst schreibt natürlich in der Ich-Perspektive, aber dennoch ist es nicht wie ein langweiliges Notizbuch verfasst. Eher wie eine Geschichte in der Geschichte.

Je tiefer Marc in die Verstrickungen und Machtspielchen der Familien eindringt, umso gefährlich wird es auch für ihn. Irgendjemand möchte ihn manipulieren oder gar daran hindern die Wahrheit zu erfahren. Man lernt also noch die Familie de Carville kennen, die gehörig ihre Fingerchen im Spiel hat. Unter anderem auch ihre andere Tochter, die mehr als seltsam ist. Auch wenn es dabei manchmal sehr konfus wird, man kauft ihnen ihr Verhalten zu jeder Zeit ab. Wer würde nicht seltsame Dinge tun, um die Wahrheit zu erfahren? Oder man weiß gar schon die Wahrheit und will sie nicht wahr haben!

Es ist verworren, verstrickt und dennoch gibt es eine klare Linie, die zu einem schlüssigen Ende führt

Man kann dabei von einem halben Krimi, eine zarten Liebesgeschichte, gierigen Machtspielchen und einer Tragödie sprechen. Langweilig wird es jedenfalls nie. Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen! Es war meine kleine positive Überraschung letzten Monat gewesen und ich kann es ohne Umschweife empfehlen. Das Cover lässt einen eine historisch angehauchte Liebesgeschichte vermuten, aber darauf sollte man sich keinesfalls stützen. Hier und da war es vielleicht ein wenig too much Drama, aber das tut dem Ganzen definitiv keinen Abbruch.


Genre: Roman / : Juni 2014 / Verlag: Aufbau-Verlag / Serie: Einzelband