nachts kommt der tod

Es regnet und der Privatdetektive Cal Weaver ist auf dem Heimweg. Er macht kurz Pause und will dann weiterfahren, als es plötzlich an seine Fensterscheibe klopft. Ein junges Mädchen bittet darum mitgenommen zu werden. Zuerst zögert er, als er sie jedoch als Claire – eine Freundin seines verstorbenen Sohnes erkennt – willigt er ein. Hätte er gewusst, welche Kettenreaktion er damit auslöst, hätte er dies wohl nie getan. Denn kurz darauf wird das Mädchen tot aufgefunden. Ermordet und wie ein nasser Sack entsorgt.

Natürlich steht kurz darauf die Polizei vor seiner Tür. Irgendwie scheint es durchgesickert zu sein, dass er den Teenager mitgenommen hat. Doch er hat sie nicht umgebracht. Jemand will ihm das anhängen. Aber warum? Und vor allem: Wer? Eigentlich kämpfen Cal und seine Frau Donna noch mit dem plötzlichen Tod ihres Sohnes Scott. Sie glauben nicht an einen Unfall und überladen sich gleichzeitig mit Schuldgefühlen, dass sie nicht bemerkt haben, wie er in den Drogensumpf geriet. Doch was hat das mit dem aktuellen Mord zu tun? Der Privatermittler begibt sich auf Spurensuche. Er muss seine Unschuld beweisen und gleichzeitig herausfinden wer Scott auf dem Gewissen hatte.

Der Plot klingt sehr interessant und neigt direkt dazu sehr verworren zu werden.

Zum Glück entgeht man diesem Netz der Verstrickung anfangs sehr gut. Man hangelt sich an dem roten Faden entlang und fiebert mit Cal zusammen mit, während er versucht dem Komplott zu entgehen, was scheinbar gegen ihn geführt wird. Das Blöde ist nur, keiner gibt zu gegen ihn zu arbeiten. Der eine weiß nicht was der andere macht. So ist der Polizeichef Augie (gleichzeitig der Schwager von Cal) stets verwundert über die Festnahmen oder Anschuldigungen gegenüber dem Detektiv. Parallel dazu behaupten jedoch die Angestellten Polizisten, sie haben Anweisungen bekommen. Das verwirrt natürlich den Leser und irgendwann weiß man nicht mehr, wem man eigentlich hier noch trauen soll.

Dadurch baut man automatisch eine enge Beziehung zu Cal auf und glaubt ihm. Je mehr die Geschichte voran schreitet umso mehr hofft man, dass es für ihn zu ausgeht und seine Ehe endlich die Ruhe findet, die sie verdient hat. Einzig der Prolog am Anfang verwirrt etwas und lässt das Teufelchen am Gewissen nagen. Was, wenn Cal doch nicht so unschuldig ist wie behauptet? In dieser Hinsicht schafft es der Autor wunderbar den Leser an der Nase herum zu führen. Da sich auch ein Ereignis an das Nächste reiht, ist das Ganze recht temporeich und wird nicht langweilig. Das Hirn arbeitet hierbei auf Hochtouren!

Neben Cal kommt auch noch eine zweite Geschichte aus dem Off zu Wort. Ein Mann wird von seiner Frau umsorgt. Es erscheint auf den ersten Blick eine liebevolle Beziehung zu sein. Schließlich ist der bettlegerisch und kann sich kaum bewegen. Wer möchte da nicht von seinem Ehepartner umsorgt werden? Doch schnell schlägt die Stimmung um. Es fallen Worte und Begriffe, die einem klar machen, dass hier bei weitem nicht alles so ist, wie es scheint.
Wie diese Story mit dem Hauptstrang zusammenhängt kommt nach ungefähr der Hälfte des Buches ans Tageslicht und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zum Showdown kommt.

Das klingt alles sehr spannend und aufregend.

Der Schreibstil ist gut zu lesen. Das Tempo rasant. Die Story komplex. Doch genau hier kommt das „aber“ ins Spiel. Diese Komplexität ist ab einem gewissen Moment zu viel. Es ist als ob Barclay zu viele Ideen in ein Buch packen möchte oder aber zu viele amerikanische Vorstadt Serien geschaut hat. Hier und da runzelt man die Stirn und denkt sich: Ernsthaft? Was kommt jetzt noch?
Das Ende hat mich ebenfalls nicht glücklich gemacht. Zwar weiß man schnell den Täter und die Zusammenführung endet in einer kleinen Hetzjagd. Dennoch packt man wieder ein Erklär- und Auflösungkapitel rein. Das hätte hier eindeutig nicht sein müssen. Man kann sich vielen denken oder zusammenreimen, was diese Zusammenfassung überflüssig macht.

Alles in allem kann man „Nachts kommt der Tod“ ruhigen Gewissens lesen. Man bekommt gute Spannung und schnelles Tempo, sowie tiefe Gefühle und blanken Hass geboten. Einer hat mehr Dreck an Stecken als der Andere und dennoch gibt es am Ende nur einen Übeltäter. Das Ende stimmt einen traurig und zufrieden zugleich. Linwood Barclay kann man also immer wieder zur Hand nehmen, aber mit seinen Aufklärungskapiteln muss man sich wohl oder übel anfreunden, wenn man weiter am Ball bleiben möchte.


Genre: Thriller / VÖ: Juni 2014 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Einzelband