vulkantöchter

Sie könnten das perfekte Ehepaar sein. Alexandra und Martin. Sie ist erfolgreiche Maklerin, er ist leidenschaftlicher Fotograph. An finanziellen Mitteln mangelt es also auch nicht. Trotzdem will es nicht so richtig klappen mit den beiden. Sie beschließen Urlaub auf einer Insel in Indonesien zu machen. Es läuft genauso ab, wie vorhergesehen: Alexandra ist alles zu viel, sie ekelt sich vor fast allem und ist viel zu overdressed für das warm-schwüle Klima und den lockeren Lebenstil. Martin hingegen blüht förmlich auf. Das ist genau die Welt, in der er sich mit seiner Fotographen-Seele wohlfühlt und er kann somit – im Gegensatz zu seiner Frau – komplett entspannen. Nun ja, fast komplett entspannen, wären da nicht die ewigen Streitereien mit Alex.

Irgendwann macht er die Bekanntschaft mit der hübschen Kellnerin Sien, welche sich optisch von ihren indonesischen Kolleginnen nicht nur durch ihr Größe sondern auch mit ihrem zarten europäischen touch komplett unterscheidet. Direkt fühlt er sich zu ihr hingezogen und bandelt eine zarte Liebschaft an. Das bleibt natürlich nicht lange unbemerkt und somit kommt es so einem erneuten Streit zwischen Martin und Alex, was dazu führt, dass er kurz darauf mit Sien quasi durchbrennt und spurlos verschwindet.

Schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und sich gefragt, wieso ich SO was lese? Keine Angst, das ist nur die Ausgangsstory. Es geht viel tiefer und handelt bei weitem nicht nur von einem streitsüchtigem Ehepaar und deren Problemen. Man lernt Indonesien näher kennen, erfährt vieles über die Natur und Lebensweisen und bekommt richtig Reiselust dort einmal hinzufliegen um sich alles selbst einmal anzuschauen. Dreh und Angelpunkt ist jedoch eine kleine Insel mit einem Vulkan namens Ravuú.

Um sie ranken sich einige mystische Erzählungen, die ihren Ursprung im Jahr 1870 finden. Damals drohte der unruhige Vulkan auszubrechen, denn die Insel bekam unfreiwilligen Besuch von einem gestrandeten Seemann. Ein Fremder auf ihrem nahrhaften Boden? Das konnte Ravuú nicht erlauben und so forderte sie Opfergaben und das kleine Volk, welches zu ihren Füßen lebte, tat alles um sie besänftigen. Doch nicht alles ist kalkulierbar und so nimmt das Schicksal seinen Lauf und reißt nun in der Gegenwart das deutsche Ehepaar mit hinein.

Die Legenden sind sehr interessant und beruhen auf wahren Erzählungen, die die Autorin auf ihren Reisen auf den indonesischen Inseln gesammelt hat.

Sie geben dem Buch etwas mystisches, was man so anfangs nicht erwartet hat. Parallel zu dem deutschen Ehepaar kommt noch die Reiseleiterin Birgit zu Wort. Ihr wird ebenfalls eine tragende Rolle zugedacht. Auch sie hat ihre dunklen Schatten aus der Vergangenheit, die sich verfolgen und nun erneut einholen. Man schließt sie direkt ins Herz, denn sie spricht oft aus, was man gerade als Leser über die Ereignisse denkt.

Neben diesen Charakteren aus der Gegenwart, gibt es immer wieder Rückblenden in das Jahr 1870 und deren Folgejahre. Dabei wird nie übertrieben und die Legenden um die Insel Pulau Melate, deren Vulkan Ravuú und den dort lebenden Rochenkindern wirken durch aus nachvollziehbar und glaubhaft.Sie sind eine schöne Kontrahente zu der modernen Gegenwart und halten einem vor Augen, dass fließend Wasser und Strom nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist.

Das Buch „Vulkantöchter“ lässt sich sehr flüssig lesen. Es ist übersichtlich gestaltet und dank der Jahreszahlen weiß man immer, wann eine Rückblende ansteht. Trotz der teilweise befremdlich klingenden Namen, die mit der Zeit auftauchen, hat man keine Mühe sie gedanklich auszusprechen und gerät somit auch nicht ins schlingern. Ich habe mit diesem Buch einen kleinen Exkurs raus aus der Thriller- und Krimiwelt gewagt und wurde nicht enttäuscht. Man fühlt sich die ganze Zeit wunderbar unterhalten und hat nie das Bedürfnis, das Buch beiseite legen zu müssen.

Die Figuren wirken durchaus glaubhaft, denn was tut man nicht alles kopflos in gewissen Extremsituationen?
Natürlich war für meinen Geschmack das Genörgel und Gezicke von Alexandra anfangs sehr nervig, aber ihre Figur musst ja irgendwie glaubhaft herübergebracht werden. Man merkt, dass der Roman von einer Autorin verfasst wurde und dennoch hat sie mich mit dem Ende positiv überrascht.

Alles in allem fühlte würde wieder zu einem Buch von Stefanie Burow greifen, wenn ich etwas Seichtes lesen möchte. Hier wird das Hirn eben auf einer anderen Ebene beansprucht und das war eine nette Erholung gewesen.


Genre: Roman / VÖ: Juli 2014 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Einzelband