Als Frieda Klein unerwarteten Besuch von einer alten Schulfreundin erhält, die sie um psychotherapeutische Hilfe für ihre Tochter bittet, ahnt sie nicht, worauf sie sich da einlässt … Die Fünfzehnjährige ist verstockt und magersüchtig. Und bald stößt Frieda auf den Grund: Becky
wurde eines Nachts in ihrem Zimmer von einem Unbekannten vergewaltigt. In Frieda reißt die Geschichte alte Wunden auf. Sie beschließt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen … Ein packender Thriller, bei dem man Frieda durch London begleitet und auf falschen Spuren in ihre Heimatstadt Braxton, wo alle ihr bald mit wachsendem Misstrauen begegnen … [C.Bertelsmann]

Nach gerade mal einem halben Jahr Wartezeit geht es weiter mit der Psychotherapeutin Frieda Klein und ihren Patienten. Nur diesmal wird das Hauptaugenmerkt nicht auf eben jene gelegt, sondern eher auf Frieda selbst. Auslöser ist das Mädchen Becky. Sie hat sich zurückgezogen und ihre Mutter ist der festen Überzeugung, dass dem Mädchen nur ein paar klare Worte helfen können, um aus ihrer pubertären Phase rauszukommen. Doch Frieda muss direkt zu Beginn feststellen, dass das zarte Mädchen ganz andere Sorgen hat. Sie wurde vergewaltigt. Keiner glaubt ihr. Und das ist genau das, was der Täter auch ihr während der Tat ins Ohr geflüstert hat: „Kein Mensch wird dir glauben.“

Ein Schauder durchläuft hier Frieda. Sie kennt diese Worte. Sie glaubt dem Mädchen aufs Wort. Das ist kein Teenager-Aufmerksamkeits-Moment. Sie selbst hat diese Worte vor 23 Jahren auch gehört.
Als Leser ist man an dieser Stelle leicht geschockt. Drei Bände hat man gelesen, bereits einige Hoch und Tiefs erlebt und dann SO was?

Schockiert hat an dieser Stelle einen aber noch mehr Frau Klein selbst. Nach jahrelangem Schweigen bricht sie diese Mauer und erzählt es dem engsten Freundeskreis. Plötzlich. Einfach so. So hätte ich Frieda niemals eingeschätzt und dieser Moment war auch der im Buch, den ich nicht nachvollziehen konnte.
Die Jagd und die Suche danach hingegen, war sie wieder ganz sie selbst. Zurückgezogen, auf sich bedacht und analysierend zieht sie durch die Gegend und will den den Vergewaltigter finden. Dabei stößt sie auf ein Netz von Ungereimheiten und natürlich auf ihre eigene Jugend.

Positiv:

+ Die Ruhe aus den ersten Bänden zieht sich auch hier fort. Ich finde das sehr angenehm, schließlich muss nicht jeder Thriller blutrünstig sein.

  • Es wird sich wieder sehr auf Frieda konzentriert. Man schweift nicht ab, sie bleibt die Hauptfigur.
  • Man trifft viele Personen aus ihrem Umfeld wieder und das Erkennen macht viel Freude.
  • Das Thema Vergewaltigung ist ein sehr ernstes Thema und hier wird mit einer Seite umgegangen, mit der sicher einige junge Frauen und Männer zu kämpfen haben: Je nach Lebensstil glaubt dir keiner.
  • Das Autorenduo führt den Leser wieder auf sehr viele Fährten und erst gegen Ende lassen sie die Wahrheit durchblitzen. Miträtseln ist also erlaubt.
  • Gegen Ende kommt richtig gute Spannung auf. Man fiebert mit und kann viele Ereignisse gut nachvollziehen.
  • Der Schreibstil ist wieder schön flüssig und das Buch übersichtlich aufgebaut.
  • Chloe belebt das Buch von ihrer besten Seite und ist der „kleine“ quirlige Sonnenschein im Buch.
  • Der bissiger Humor kommt zum Glück auch hier nicht zu kurz.

Negativ:

  • Der erste Part zieht sich zeitweise etwas. Mehr Spannung hätte zu Beginn nicht geschadet.
  • Leider kommen ihre Freunde zu wenig zu Wort.

– Es ist bisher das schwächste Buch der Reihe. Zwar ist das Thema spannend, aber vieles kommt zu kurz.

  • Frieda rutscht mir hier zu sehr in die Rolle der Ermittlerin. Vorher war sie immer ein harmonischer Mix aus Therapeutin und Hobby-Detektiv.
  • In ihrem privaten Umfeld geschieht auch ein dramatisches Ereignis, doch irgendwie hatte man immer das Gefühl, das musste jetzt passieren. Es wirkte zu zwanghaft.

+/- Hier ist der Haupthandlungsort nicht London. Was mir einerseits gefallen hat, anderseits aber auch enttäuscht. London ist Friedas Terrain und da gehört sie auch hin. Mir fehlten ihre Beschreibungen der Straßen, die recht kurz kamen.

Zitate:

„Frieda, lass mich mitkommen. Es regnet. Es ist kalt.“
„Ich weiß, und ich bin froh darüber.“ [S.148]

„Für mich ist der Donnerstag ein schlimmer Tag, vielleicht sogar der schlimmste der Woche.“ [S.7]

Fazit:

Ich habe mich sehr gefreut, endlich wieder in die chaotische Welt der ruhigen Frieda Klein eintauchen zu können. Das Buch hat mich auch von der ersten bis zur letzten Seite sehr gut unterhalten. Leider fehlte mir das private Umfeld von Frieda sehr. Es kam viel zu selten zu Wort. Außerdem hatte man das Gefühl, sie passt besser nach London. Was zu ihrer Flucht vor 23 Jahren natürlich passt. Sie hat sich einen Panzer aufgebaut, um eben nicht mehr an jene Zeit denken zu müssen und dann kommt eine alte Schulfreundin zu ihr, schleppt die Tochter mit und reißt somit die Mauern des Verdrängen mit einem Schlag nieder.

Somit war fast klar, dass dieses Buch nun in Braxton, wo sie aufgewachsen ist, spielt und nicht in London. Dennoch war es schade. Ihre Wanderungen durch die Nacht gab es hier zwar auch, aber die Geschichten dazu ähnelten nicht denen, die man in vergangenen Bänden gelesen hatte. Trotz meinem Rumgenörgel hat mir das Buch gefallen und ich hoffe einfach, dass in den kommenden Bänden wieder mehr „action“ geschieht.

In „Dunkler Donnerstag“ lernte man Frieda besser kennen und ahnt, was sie damals alles durchgemacht hat. Man kann sich nun noch besser in ihre Schneckenhaus-Stimmungen hineinversetzen, aber ein ganzes Buch hätte man damit nicht füllen müssen.


Genre: Thriller / VÖ: Oktober 2014 / Verlag: C.Bertelsmann / Handlungsort: London & Braxton / Serie: 4.Band