die saat des bösen

Tripolis im Jahre 1969. Die junge Nadia al-Bakri wird ermordet aufgefunden. Es ist die junge Nachbarin der Familie Balistreri. Dieses Ereignis brennt sich in die Erinnerungen von dem jugendlichen Michele tief ein. Hat hat er sie doch gemocht und geschätzt. Doch wie kam es dazu? Was ist passiert, an jenem Tag, als der Gibli wieder einmal wütete und eigentlich jeden dazu zwang in seinen eigenen vier Wänden zu bleiben?
Nur wenige Zeit später muss er erfahren, dass sein Vater an einem Militärputsch seine Hände im Spiel hat und somit Gaddafi zur Macht verhalf. Eine Wendung, die das komplette Leben in Libyen verändert und die italienischen Familien zum Aufbruch zwingt.
Doch wäre das nicht schon schlimm genug, stirbt kurz darauf seine geliebte Mutter durch ihre eigene Hand. Ist das noch Zufall? Zwei Frauen in seinem Umfeld sterben innerhalb kürzester Zeit und die Erwachsenen nehmen alles wie gegeben hin? Diese Frage wird Michele Balistreri noch viele lange Jahre verfolgen, bevor er sie endlich klären kann.

Der Einstieg in das Buch beginnt elf Jahre vorher. Es ist Februar. Es ist warm. Es ist das Festival von Sanremo. Michele ist glücklich.

„Das Leben ist wunderschön und liegt noch vor mir.“ (S.15)

Ein Satz, der dem Leser schon einen Schauer über den Rücken rieseln lässt, weiß er doch WIE sich das Leben des jungen Mannes noch verändern wird. Aber noch genießt er die Unbeschwertheit der Jugend. Zusammen mit seinen Freunden Nico, Ahmed und Karim schließt er sogar eine Blutsbruderschaft ab. Sie bauen Dummheiten, werden zurecht gestutzt, machen neue Erfahrungen und reifen langsam zu erwachsenen Männern heran. Dann passieren jedoch die einschneidenten Ereignisse und die Freundschaft der Vier wird auf eine harte Probe gestellt.

So tief die Verbundenheit zu seinen Freunden ist, so oberflächlich ist die zu seinem Vater. Immer wieder versucht dieser seinen jungen Sohn in die Politik und die Geschäfte einzubinden. Er will ihn ebenso dazu bringen nach Italien zu reisen, dort zur Schule zu gehen, zu studieren. Allerdings weigert sich Michele vehement dagegen.

„Ich mag Geschäfte nicht, Papa. Und Italien mag ich auch nicht. Ich werde nie dort leben.“ (S.175) 

Nach dem Putsch und unter der Regierung von Gaddafi wird er jedoch gezwungen zu fliehen. Ihm bleibt aufgrund der Umstände gar keine andere Wahl.
Mehr schlecht als Recht schlägt er sich in seinem gehassten Land Italien durch. Bis ihn sein Bruder Alberto eine Reißleine zuwirft und ihn zu einem sicheren Job verhilft.

„So bekam ich 1980 meine erste Stelle als Kommisar, und zwar in Vigna Clara, einer der friedlichsten Gegenden Roms.“ (S.359)

Wie man jetzt vielleicht gemerkt hat, nähern wir uns langsam Band 1 „Du bist das Böse an“. Dort begannen die schicksalhaften Ereignisse rund um die Ermordung von Elisa Sordi im Jahre 1982 in Italien. Entsprechend kann man einige gedanklich Parallelen ziehen und erinnert sich an den mürrischen Frauenhelden Michele, dessen Leben nur aus Sex, Pokern, Whisky und Zigaretten besteht. Das hat sich natürlich nicht geändert. Man beschreitet nur einen weiteren wichtigen Pfad in dem Leben des Balistreris. Dieser führt nun zu einem anderen Mordfall und gleichzeitig bittet ihn sein kranker Vorgesetzter Teodori um Hilfe. Als eine Gegenleistung, dafür, dass er die miserablen Ermittlungen rund um Elisa auf sich nahm. Michele soll seine 18jährige Tochter Claudia beobachten. Er hat Sorge, dass sie sich im falschen Kreis bewegt und da er selbst aus Gesundheitgründen nicht der Vater sein kann, der er möchte, soll nun unser arroganter selbsteingenommener Held diese Position übernehmen. Was durchaus zu komischen Situationen führt.

Die Ermittlungen um zwei aktuelle Mordfälle nehmen Michele jedoch bald mehr ein, als die Aufgabe des Aufpassers. Plötzlich werden Verbindungen zu dem Mord mit Nadia in Tripolis sichtbar. Sein Hirn fängt auch zu rauchen und der Jagdinstinkt ist geweckt. Doch auch seine Wut bleibt nicht lange unterdrückt, denn mit der Vergangenheit kommen auch Gesichter zurück, die er lieber nie wieder gesehen hätte. Da er den gleichen Fehler wie bei Elisa nicht einmal begehen möchte und außerdem die volle Wahrheit wissen will, verbeißt er sich regelrecht in den Fall und kommt einer traurigen Gewissheit auf die Spur.

Der Titel „Die Saat des Bösen“ sagt eigentlich schon alles. Man erfährt nun endlich warum Michele Balistreri zu dem geworden ist, was er heute darstellt. Wer oder was ihn so prägnant beeinflusst hat und schon kann man ihn besser verstehen. Er wächst einem noch mehr ans Herz. Denn nun kann man seine Handlungen, seine Neigungen viel besser nachvollziehen und akzeptieren. Roberto Constantini legt in dem zweiten Teil genau die gleiche Leidenschaft hinein, wie in Band 1. Hier wird auch viel historisches wieder mit eingebunden, was das Ganze irgendwie realistischer erscheinen lässt.

Der Aufbau ist fließend von Jahr zu Jahr, mit wenigen kleinen Sprüngen. Nur zu Beginn kommt eine unbekannte Person zu Wort, was mit kursiver Schrift deutlich sichtbar ist. Wer das ist und mit wem diese Passagen zusammenhängen wird schnell klar, wenn man sich in das Buch vertieft.
Ansonsten berichtet Michele uns wieder alles seitenlang aus der Ich-Perspektive und lässt erst in den späteren Abschnitten auch die junge Claudia zu Wort kommen. Diese beiden Stränge verflechten sich immer mehr. Ab einem gewissen Punkt ahnt man die Wahrheit, wenn sie jedoch ans Tageslicht kommt, muss man erst einmal gewaltig schlucken…

Abschließend kann ich diesen Band nur genauso sehr loben, wie den Vorgänger. Man geht in eine Tiefe, die man so nicht erwartet und saugt jedes Wort des dicken Schmökers in sich auf. Besser als zum Vorband fand ich hier sogar, dass man nie den Faden verloren hat, wenn man das Buch mal beiseite legen musste. An die italienischen Namen hat man sich hier schon gewöhnt und somit auch damit nicht ins stolpern.
Ja, ich kann nur empfehlen diese Reihe zu lesen und ich freue mich schon auf den abschließenden dritten Teil!


Genre: Thriller / VÖ: September 2014 / Verlag: C.Bertelsmann / Serie: Band 2 von 3 / Region: Italien, Libyen