„Ich bin Harold Philipp Arthur Escroyne, der 36. Earl von Sutherly, und es besteht der Verdacht, ich könnte zeugungsunfähig sein.“ (S.9)

Wenn sich eine Figur aus einem Roman so vorstellt, kann man ihn eigentlich nur mögen.
Arthur lebt mit seiner Frau Rosemary in einem alten Schloss mit säuberlich gepflegten Grün- und Pflanzenflächen. Der ganzen Leidenschaft des letzten Earl von Sutherly. Seine Verlobte lernte er durch Zufall kennen und trotz ihrer Arbeit bei der Polizei, sind die beiden ein Herz und eine Seele. Es gibt halt nur das kleine Problem mit den Nachwuchs. Irgendwie will es nicht so richtig klappen. Dabei geben sich die beiden doch so viel – amüsante – Mühe! An einem Aprilmorgen werden dann ihre Liebeleien kurzweilig unterbrochen. Eine Leiche wird gefunden. Es ist die hübsche Gwen. Eine junge Frau, die allseits beliebt war und immer Männer um sich hatte. Wurde ihr das zum Verhängnis?

Denn je mehr Rosemary und ihr Kollege Ralph die Anwohner und Bekannten mit Fragen löchern umso mehr Ungereimtheiten kommen zum Vorschein.

Während die Polizei emsig den Mörder sucht, plagen Arthur ganz andere Sorgen. Ein widerlich gefrässiger Schädling hat es sich auf seinem heißgeliebten Lorbeer breit gemacht. Voller Entsetzen versucht alle gängigen Hausmittelchen einzusetzen und nimmt sich entsprechende Lektüre zur Hand um vielleicht dort ein alternatives Mittel zu finden. Doch nichts hilft und so muss er zur stärkeren Helferlein greifen.
Aber halten die Pflanzen das aus? Werden die jahrelang gezogenen Lorbeerpflanzen wegen so einem fiesen Winzling jetzt sterben müssen? Arthur versucht sein Bestes.

Man merkt schon, dass dieser Krimi nicht auf einer kaltblütigen Schnauze und trockener Ermittlungsarbeit aufbaut. Der quirlige Blaublüter Arthur bringt eine Menge Schwung in die Handlung mit seinen Sorgen. Er berichtet dem Leser aus der Ich-Perspektive seine Gedanken und die kommenden Ereignisse. Sehr witzig sind seine Vergleiche mit Pflanzen. So ist Rosemary seine Schwertlilie und ihr Kollege Ralph eine Petersilie. Eine Verdächtige Person bezeichnet er sogar als Moos. Natürlich erklärt er auch warum und genau das nimmt der Absurdität das Alberne und lässt diese Gegenüberstellungen schon wieder fast als wichtige Indizien erscheinen.
Der Schreibstil ist entsprechend locker flockig und das Buch ist somit rasch gelesen.

Trotz dieser lustigen Dialoge, kommt die Ermittlungsarbeit nicht zu kurz.

Es ist recht kniffelig den aktuellen Fall zu lösen. Vor allem, da anfangs kein konkreter Verdacht mit Beweisen gegen eine bestimmte Person besteht. Es sind immer Vermutungen. Vor allem ein angeblicher Freund der Ermordeten gerät in das Visier der Beamten. Nur leider kennt ihn keiner. Man jagt also ein Phantom und konzentriert sich automatisch wieder auf den restlichen Täterkreis. Denn nicht alle scheinen eine weiße Weste zu haben.
Man hat hier wirklich das Gefühl, sich in einem englischen Krimi zu befinden, wo durch Befragungen versucht wird, der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Hier gibt es keine Splatterszenen oder hitzige Schießerein, sondern ernste Dialoge, die immer wieder durch Einwürfe von Arthur oder Schusselszenen von Ralph unterbrochen werden.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es ist kein Krimi im klassischen Sinne. Das Gesamtpaket aus polizeilichen Ermittlungen, schweißtreibender Gartenarbeit und witzigen Wortgefechten zählt.
Noch erwähnen sollte ich, dass das Buch im Präsens geschrieben ist. Viele haben damit ein „Problem“. Zugegeben, es war anfangs gewöhnungsbedürftig, doch man gewöhnt sich schnell daran und liest das Buch in einem Rutsch durch.
Ich freu mich schon auf die Fortsetzungebände, die jetzt alle nach und nach im Taschenbuchformat auf den Markt kommen werden.

sketch-lorbeer


Genre: Krimi / VÖ: Februar 2015 / Verlag: Piper / Serie: Serienstart / Region: England