Kenny hat nur noch sechs Wochen zu leben. Vor seinem Tod möchte erst ich bei Menschen entschuldigen, die er einst im Stich gelassen hat.

So auch bei seiner alten Freudin Callie. Doch diese ist vor einigen Jahren spurlos verschwunden. Kenny ist sicher, dass Callies Ehemann etwas damit zu tun hat – und er wird alles tun, um die Wahrheit ans Licht zu bringen… [Dumont]

Meine Meinung:

Das Ende vor Augen und dennoch denkt die sterbende Person nicht an sich selbst, sondern an ihr Umfeld. Ein lobender Gedanke. Kenny ist Künstler. Er liebt sein Hobby und hat so schon vielen eine Freude bereitet. Dennoch gibt es vier Personen, mit denen er noch etwas klären möchte. Die ersten beiden Namen sind rasch abgehakt. Doch bei „Callie“ kommt er nicht weiter. Er recherchiert – unter anderem mit Hilfe seiner alten Polizistenfreundin Pat – und stolpert über einige Ungereimtheiten.
Vor allem der Ehemann von Callie ist ihm nicht ganz geheuer und so stattet er ihm einen Besuch ab, der nicht ganz ohne Folgen bleibt. Es kommt zu einer folgenschweren Kettenreaktion.
Aber was hat der sterbende Kenny schon zu verlieren?
Genau das merkt man auch. Und egal, was für Dummheiten er anstellt, man kann sich irgendwie nie gegen ihn stellen, er will doch nur die Wahrheit erfahren und in Ruhe sterben können.

Positiv:

+ Die dauerhafte Spannung, welche mal mehr und mal weniger stark anschwillt.
+ Kenny und Pat. Dieses Duo ist einfach nur stimmig. Trotz der traurigen Grundstimmung, des großen Altersunterschiedes und der unterschiedlichen Lebensumstände wirken die beiden wie ein altes Ehepaar.
+ Die Idee, eine to-do-liste zu erstellen und diese noch „fix“ in seinen letzten 6 Wochen zu erledigen. Mitfiebern ist hier vorprogrammiert.
+ Es gibt einige blutige und brutale Szenen, dennoch sind sie nie so schlimm, dass man wegschauen möchte.
+ Die Gefühle – vor allem die Verzweiflung – sind deutlich zu spüren und geben den Ereignissen noch einmal den besonderen Touch, den das Buch ja ohnehin schon hat.
+ In der Kürze liegt die Würze, passt hier wunderbar. Länger hätte das Buch auf keinen Fall sein dürfen.
+ Der klare Schreibstil, der es auf den Punkt bringt. Immerhin ist das Thema Tod nicht gerade ein Alltagsthema.
+ Trotz seines Egoismus kann man Kenny nicht hassen. Wer will einem sterbenden Menschen schon seinen letzten Willen nicht erfüllen?

Negativ:

–  Die Familie von Jonathan Reese (dem Ehemann von Callie) wirkt irgendwie zurückgeblieben und dumm. Sie legen so seltsame Handlungen an den Tag, als Jonathan verschwindet, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann.

Fazit: 

Das Buch habe ich mal aus einer Wühlbox mitgenommen, wo es mir wegen seines markant roten Covers und dem Hammer ins Auge gestochen ist. Aufgrund seiner geringen Seitenzahl ist es schnell gelesen und auch der kurze Einblick in Kennys Leben ist rasch vorbei. Trotzdem hat es mich direkt in seinen Bann gezogen gehabt. Ein sterbender Mann hat eine letzte Mission und die will er um jeden Preis erledigen! Egal, wie sehr sein Körper streikt. Er muss es umsetzen. Ob er am Ende wirklich die Wahrheit erfährt, darf jeder selbst herausfinden.
Ich selbst habe mir den Autor schon vorgemerkt und werde sicher noch mehr von ihm lesen. Es war nicht die Brutalität oder die traurige Stimmung, die mich überzeugt hat. Es ist viel mehr das Gesamtpaket und der Unterhaltungsfaktor gewesen. Auch wenn einige Handlungen sehr unüberlegt wirkten, wer weiß denn schon immer, wie Menschen in Extremsituationen reagieren?

gefangen-sketch


Genre: Thriller / VÖ: Februar 2013 / Verlag: Dumont / Serie: Einzelband / Region: England