Zum zweiten Mal darf die Restaurant-Besitzerin Ruth Holländer als Schöffin vor Gericht auftreten und somit tritt sie auch zum zweiten Mal unter die Augen der emsigen Leserschaft. Bereits der erste Fall, hatte einiges in dem Leben von Ruth verändert. Sie hat dort, ihren jetzigen Freund kennen gelernt: Hannes Eisenrauch und großen Gefallen an ihren neuem Gelegenheitsjob gefunden.
Der neue Fall hat es nun natürlich wieder in sich. Ein gemeiner Ehemord wird vermutet. Statt zu pflegen hat der treue Ehemann namens Jürgen seine an Parkinson erkrankte Frau Margit langsam vergiften lassen. Es wurde Rattengift gefunden, was eindeutig als die Todesursache festgestellt wird. Doch Ruth traut dem Braten nicht. Wieso sollte ein langjähriges Ehepaar sich so gegeneinander ausspielen? Das ergibt keine Sinn. Somit begibt sich Ruth auf Spurensuche, sehr zum Leid ihrer Angehörigen, die das überhaupt nicht gerne sehen.

Und schon ist man erneut mittendrin in der kunterbunten Welt von Ruth Holländer. Sie plagen die normalen Probleme des Alltags oder besser gesagt ihrer Kinder und deren „Veränderungen“ und zeitgleich kann sie sich einfach nicht von dem angeblichen Mord losreißen.
Bei ihrer Recherche findet sie heraus, dass ihr Riecher gar nicht so schlecht war. Allerdings ist sie keine Polizistin und nicht befugt ihre neugierige Nase in diese Angelegenheiten zu stecken. Somit stolpert sie gelegentlich über ein paar Steine. Riskiert damit einiges. Aber was macht man nicht alles um sein Gewissen zu beruhigen?

Der Schreibstil ist wieder sehr locker und leicht zu lesen. Ziemlich schnell hat man sich durch die 300 Seiten durchgestöbert und muss auf einen neuen Fall von Ruth nun geduldig warten. Entsprechend ist das Tempo und seine Spannung wunderbar gelungen. Man fiebert mit, hofft endlich die richtige Spur gefunden zu haben, begleitet begierig die Schöffin bei ihren nächtlichen Ausflügen und hofft, dass der Opi nicht so grausam war, wie das Gericht ihm ankreiden will.
Dank kleiner Einspielungen aus der Vergangenheit, ist man ab und an, Ruth einen winzigen Schritt voraus und wartet darauf, dass auch sie das Haar in der Suppe findet. Dabei ist die verzwickte Konstellation geschickt eingefädelt. Man braucht eine Weile, bis man die Wahrheit erkennt und zu einem temporeichen Finale schlittert.

Für einen Krimileser halte ich diese Serie für ein absolutes MUSS. Vielschichtige Figuren, die ihren normalen Alltag zu bewältigen haben, auch wenn sich meiner Meinung nach, Ruth auf dem besten Weg in ein Burnout mit ihrem kleinen Bistro hinarbeitet. Wer den Job kennt, wird mich verstehen. Hinzukommen die privaten Probleme pubertierender Kinder, die sich entwickeln und Mutti nun ihre neuen Liebschaften präsentieren. Der Sohnemann, der sich auch verändern möchte und Unruhe ins Haus bringt. Außerdem ist da noch der Freund, der irgendwie immer noch nicht geschieden ist und so weiter. Diese Kombination mit einem kniffeligen Mordfall macht die Geschichte wunderbar stimmig und man will einfach wissen, wie es weiter geht in dieser lebendigen Welt.

Alles in allem hat mir dieser zweite Band sehr gut gefallen. Sogar einen Ticken besser als den Auftakt. Was vor allem daran lag, dass man nicht so viel Zeit im Gericht verbracht hat und die Auflösung einen ein wenig schockiert hat. Leider ist mir das Ende etwas bitter aufgestoßen. Das war mir dann doch ein wenig zu viel des Guten. Da hätte sicher ein Tropfen weniger Action nicht geschadet. Meinem Gesamteindruck gibt das aber zum Glück keinen Abbruch.
Ich bleibe dabei: Lest diese Serie!

suendenbock-sketch


Genre: Krimi / VÖ: März 2015 / Verlag: Ullstein / Serie: Band 2 / Region: Deutschland