„Ich bin Lacey Flint. […] Lacey, das ist weich und hübsch wie Spitze, und Flint, das ist kantig und hart wie Feuerstein.“ (S.9)

Oh, ja und ich liebe ihre Geschichten. Da darf sie gerne die ersten Worte in diesem neuen Serienband sprechen und ihren Namen wie ein Mantra vor sich daherreden. Schließlich muss sich es auch jedes Mal wieder bewusst werden, wer sie eigentlich ist oder überhaupt war.
Wer die vorherigen Bände kennt, weiß wie es um die junge Frau steht. Welche Leiden sie durchstehen musste und das betrifft nicht nur ihre polizeiliche Arbeit, sondern vor allem ihre privaten Sorgen, die Stück für Stück an das Tageslicht kommen. Wie ein kleines Steh-auf-Männchen hat sie sich aufgerappelt, alle Mauern hinter sich abgerissen und lebt nun auf einem Hausboot an dem Ufer der unruhigen Themse.
Ihren Beruf hat sie ebenfalls gewechselt. Sie ist nun für die Flusspolizei tätig. Ein Kompromiss, der perfekt zu ihr passt. Schließlich liebt sie die Polizeiarbeit und das Wasser. Und in jenem Wasser der Themse geht sie heimlich regelmäßig schwimmen. Eine Tatsache, die nicht sehr legal und ungefährlich ist.

Auf einer ihren täglichen Runden entdeckt sie plötzlich ein seltsames Leinenpaket. Eine Frau ist darin eingewickelt und bereits fast komplett verwest. Doch wo kommt die Leiche her? Eben war sie doch noch nicht da gewesen! Verwirrt beobachtet Lacey ihre Umgebung. Da sie aber sichtbar festgebunden ist, damit sie nicht von der Strömung erfasst wird, muss sie wohl gerade erst sichtbar an die Oberfläche gekommen sein. Wer würde sonst so makaber sein und sie hier her schleppen, während sie ihre Runden dreht?
In der medizinischen Fakultät wird rasch festgestellt, dass die Wasserleiche schon länger im Fluss gelegen haben muss, eine Identifikation ist kaum mehr möglich. Man will nach diesem Vorfall schon das Kapitel schließen, als plötzlich weitere vermummte Leichen auftauchen – im wahrsten Sinne des Wortes. Als Lacey dann auch noch seltsame Geschenke bekommt, ist es mit ihrer inneren Ruhe vorbei und die Suche nach ihrem Stalker beginnt.

Wenn man die ersten Seiten von „Schwarze Strömung“ liest, ahnt man noch nicht, welche Ausmaße die Geschichte noch annehmen wird. Aber das ist bei fast jedem Buch von Sharon Bolton so. Sie ist immer für eine Überraschung gut. In diesem Fall spricht sie sogar ein sehr ernstes Thema an, was durchaus auch in der realen Welt praktiziert wird und nicht gerade ohne ist.
Auf dem Weg zur Wahrheit lässt sie nicht nur ihre Hauptfigur zu Wort kommen, sondern auch gerne ihren Gegenpol: Dana Tulloch. Die beiden Frauen sind wie Hund und Katze und können sich nicht sonderlich ausstehen. Dennoch müssen sie sich hier zusammenraufen und die Wurzel des Übels gemeinsam ziehen, sonst werden sie zu keinem Ergebnis kommen. Giftige Bemerkungen sind entsprechend nicht weit entfernt. Doch halten sich in Grenzen. Die Autorin überspannt den Bogen hier nicht, schließlich weiß man von der Uneinigkeit der beiden Parteiein und muss sie nicht in jedem Buch fett aufs Butterbrot geschmiert bekommen.

Dabei werden wieder viele private Probleme und Entwicklungen aller relevanten Charakter angesprochen, die einem die Figuren noch näher bringen und natürlich einen Einfluss auf den Lauf der Dinge haben. So begegnet Lacey einigen Personen, die ihr sehr am Herzen liegen und Dana trifft eine wichtige Entscheidung, die ihr Leben verändern wird. Man entwickelt sich also weiter und dreht sich nicht im Kreis, was ein dickes Plus ist. Das Lesetempo ist dabei wie immer, sehr flüssig und zügig. Denn man will ja wissen, wie es weiter geht und saugt sich mit den Augen förmlich am Text fest. Alles in allem geht es in Band vier etwas ruhiger zu, als in den Vorgängern. Die harten Schockmomente bleiben aus, dennoch ist das Thema sehr brisant und zugleich informativ.
Und das Rätselraten kommt ebenso nicht zu kurz. Bis zum Schluss ist man am überlegen, wer der Täter ist. Zwar kann man den Täterkreis irgendwann einengen, dennoch pendelt man zwischen zwei Optionen hin und her und kommt wirklich erst auf den letzten Seiten auf die endgültige Lösung. Fast zeitglich mit Lacey zusammen.

Letztendlich hat mich auch diesen Buch von Sharon Bolton vollends überzeugen können. Es kann ja nicht in jedem Band so krachen, bis dass die Schwarte bricht. Hier geht man eher auf Tiefgang mit den Charakteren, verinnerlicht ihre Marotten und die Eigenschaften, die sie ausmachen. Die Grenze zum Übertriebenen wird dabei nie überschritten. Wer die Beziehung von Flint und Joesbury kennt, wird wissen was ich meine.
Wer die Reihe hingegen noch nicht kennt, dem empfehle ich JETZT damit anzufangen und bitte nicht (!) mittendrin. Hier spoilert man sich einfach viel zu sehr. Denn jedes Buch baut auf dem Vorbänden auf.

stroemung-sketch


Genre: Thriller / VÖ: Mai 2015 / Verlag: Manhattan / Serie: Band 4 #Lacey Flint / Region: London