Das wichtigste Pferderennen der Saison steht an. Ganz Ascot in entsprechend in Aufruhr. Man schmückt sich heraus. Kramt die schönsten Kleider und Hüte hervor. Sagt den Männern, welche Anzüge sie anzuziehen haben, damit auch alles schicklich und passend zur internen Kleiderordnung ist. Sektchen und Champagner wird herumgereicht. Oder wie in Mathildas Fall: Cocktails.

Gerade so einen soll Sir Arthur nun seiner Schwester, kurz vor dem Startschuss besorgen. Widerwillig macht er sich auf den Weg. Da quält man sich schon zu so einem Event und dann soll man wegen einer Erfrischung den Start verpassen! Verzweifelt schaut er die lange Schlange vor sich an und blickt suchend zu den Bildschirmen hoch, in der Hoffnung wenigstens dort alles sehen zu können. Doch es passiert nix. Kein Startschuss. Kein dröhnendes Hufgeklapper. Kein aufregendes Gekreische. Stattdessen entschuldigt man sich für die Verzögerung. Der Moderator ist noch nicht an sein Micro zurückgekehrt. Er wird auch nie dorthin kommen. Er liegt ermordet in seiner Umkleide.

Wer Sir Arthur ist, was es mit seiner Pflanzenliebe auf sich hat und wie er zu Inspector Rosemary steht, konnte man bereits in dem Vorgängerband „Der Killer im Lorbeer“ erfahren. Noch immer sind die beiden mit ihrem Nachwuchs beschäftigt und fleißig am üben. Was Rosemary aber nicht davon abhält fast mehr Zeit auf Arbeit zu verbringen, was der aktuelle kniffelige Mordfall automatisch mit sich bringt.

Die große Aufmerksamkeit kommt allerdings nicht nur durch die Berühmtheit des Ermordeten zustande. Viel mehr liegt es an den fehlenden Hinweisen, wer der Täter ist.

Denn scheint es zunächst recht schnell einen potenziellen Mörder zu geben, stellt sich diese Fährte schnell als Sackgasse heraus. Will man sie in die Irre führen? Oder reicht die Verstrickung so weit, dass hier Profis am Werk waren? Schließlich geht es bei Pferderennen und Wetten nicht immer 100 prozentig korrekt zu. Die Mafia lässt grüßen. Da man sich aber nur im Kreis dreht und mit Polizeimarke keine Erfolge erzielt, muss Sir Arthur her. Er ist Adeliger, der kommt eher in die hohen Kreise hinein, als die Uniformierten. Aber will er das auch?

Ging es in dem Serienauftakt noch etwas ruhiger zu, muss Arthur Escroyne in dem aktuellen Fall – ein Jahr nach dem letzten Ereignissen – nun selbst mitbibbern und an der Gesetzesfront mitkämpfen. Wie man sich vorstellen kann, läuft da definitiv nicht alles reibungslos. Er ist schließlich ein Pflanzenliebhaber und kein taffer Beamter, wie seine Verlobte. Entsprechend kommt es desöfteren zu komischen Momenten, die nicht immer ein fröhliches Ende mit sich bringen. Doch Rosemary wäre nicht Inspector, wenn sie keine gute Spürnase hätte und so wird der Leser langsam zu dem großen Finale herangeführt, in dem der grausame Killer präsentiert wird. Zusammen mit ihrem Kollegen Ralph und selbstverständlich dem mutigen Sir Arthur dürfte dies schließlich auch kein Problem sein! Doch selbst vor der finalen Auflösung, kann man noch über Steine stolpern.

Das Buch ist wieder von Arthur selbst verfasst, entsprechend sprich er auch aus der Ich-Perspektive zum Leser, sobald er zu Wort kommt.

Er beschönigt seine Zaghaftigkeit in keinster Weise, sondern ist so selbstbewusst die Wahrheit auszusprechen: Er hat Angst vor Pferden! Ja, ein Earl hat Angst vor diesen Tieren! Dabei sollte er mit dem Sattel fest verwachsen sein. Im Adel gehört das Reiten schließlich dazu. Allerdings redet er bekanntlich lieber mit Pflanzen und Schnecken, als mit Pferden und so kostet es ihn eine mächtige Überwindung sich auf einen Sattel zu schwingen und ein Held für seine Rosemary zu sein. Was macht man nicht alles für die Liebe. Für den Witz und Humor ist also ausreichend gesorgt und so liest sich der Krimi in einem Rutsch flüssig weg. An dieser Stelle sei noch gesagt, dass das Rätselraten durch die Komik natürlich nicht zu kurz kommt. Denn an fast jeder Ecke wird eine neue Wendung präsentiert, bis man endlich einen Täter ins Auge fassen kann, der es wirklich gewesen sein kann. Es darf also schön gekniffelt werden.

Alles in allem hat mich die Fortsetzung auch überzeugt. Diesmal lag der Schwerpunkt eher auf der Überwindung von Sir Arthur, seine „wahre“ Bestimmung anzuerkennen, als in dem Kampf mit den Schädlingen auf Pflanzen, dennoch fühlte man sich gut unterhalten. Wer also mal wieder den blutigen Thrillern und schweren Krimis entfliehen möchte, ist hier genau richtig!

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Genre: Krimi / VÖ: Juni 2015 / Verlag: Piper / Serie: Band 2 / Region: England