Wie schreibt man eine Kritik zu einem Buch, wo man schon bei den kleinsten Andeutungen Gefahr läuft, dass man etwas versehentlich spoilert? Gar nicht! Nun, da das aber nicht geht und etwas blöd wäre, da ich ohne Geschwärme kaum andere von diesem Band überzeugen könnte, gebe ich mein Bestes, ohne Details zu veraten. Trotzdem bitte nicht weiterlesen, sollte man „Exkarnation – Krieg der alten Seelen“ nicht kennen!

Zunächst muss man direkt einmal sagen, dass der Titel „Seelensterben“ hier definitiv Programm ist. Kamen die Seelenwanderer, trotz einige Schwächen, in dem Vorgängerband einen quasi untersterblich vor, macht einem hier ein neuer Proband rasch klar: Pustekuchen! Seelenwanderer und vor allem Seelen können verdammt schnell vernichtet werden. Diese Person trägt den unverwechselbaren Namen „Inverno“. Er ist der Mann ohne Gedächtnis, der eine Kettenreaktion auslöst, welche zu einem großen Finale führt. Doch der Reihe nach. Denn zunächst fängt alles noch recht harmlos an. Der Mann von Marlene von Bechstein ist verschwunden. Dies scheinen einige Herren zum Anlass zu nehmen, mit Frau von Bechstein in Kontakt treten zu wollen. Allerdings nicht immer mit guten Ansichten. Die gute Frau soll vernichtet werden. Bisher ist jedoch noch keiner bis zu ihr hervorgedrungen. Da Inverno vorher den Weg der Widersachern kreuzte.

Anfangs wird er nicht bei seinem Namen genannt. Er ist der Unbekannte, der starke Kräfte besitzt und Flüssigkeiten blitzschnell zu Eis gefrieren lassen kann. Da der menschliche Körper bekanntlich mindestens  50%  aus Wasser besteht, haben selbst Seelenwandler in ihren menschlichen Hüllen keine Chance. Aber dann ist doch nur die Hülle kaputt, nicht die Seele?! Korrekt! Dafür hat Inverno ein weiteres Mittel dabei, wenn er will kann er die Seele in einer Art Kristall einfangen. Wenn man es so sieht, ist er ein Seelenjäger. Doch wen er nicht erwischt und dessen Seele keinen neuen Wirt findet, der stirbt jämmerlich. Keine schöne Vorstellung. Auf diese Art und Weise bringt der gute Mann nicht nur eine Menge Seelenwandler um, sondern auch zahlreiche Necessaria, Beschützer. Ein Fakt, der nicht unbemerkt bleibt und die Suche nach dem Killer beginnt.

Inverno ist dabei nicht einmal das Hauptziel. Anfangs sucht man eher Gregor Dubois. Dem angeblichen Entführer, einem gemeinen Drahtzieher, der sich zu verstecken weiß. Aber wie wir das vom Vorgänger schon kennen und wie es bei einem Crossover üblich ist, kreuzen sich verdammt viele Wege miteinander und so dürfen einige bekannte Gesichter zu Wort kommen, wo irgendeiner garantiert weiß, wo Dubois sich aufhält.
Bevor das große Gestöhne nun losgeht. Keine Sorge, es bleibt verständlich. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man weitere Bücher von Markus Heitz gelesen hat und man somit vor allem Korff (Oneiros) wiedererkennt oder dank der „Judastochter“ die Handhabungen von Sia, der Vampirin besser versteht. Letztendlich ist das Geschehen auch so verständlich. Da auf wichtige Eigenschaften oder Vergangenheiten kurz eingegangen wird.

Marlene/Claire kommt natürlich auch zu Wort. Sie ist wieder die treibende Kraft. Diesmal wirkt sie wesentlich selbstsicherer und vor allem selbstbewusster. Was hier auch von Wichtigkeit ist. An ihrer Seite findet man stets Konstantin Korff und Ares Löwenstein. Während Korff ein Todesschläfer ist, ist Ares ein stinknormaler Mensch, der sich in einer ihm vollkommen fremden Welt neu zurechtfinden muss, was gelegentlich zu komischen Momenten führt und die Anspannung im Buch etwas lockert.  Beide kommen im Laufe der Handlung zu neuen Erkenntnissen – entwickeln sich also brav weiter, wie es sich für ein gutes Buch gehört. In Sachen Figurenentwicklung kann man also nicht meckern. Dennoch sollte man das Buch nicht ohne große Unterbrechungen lesen. Da selbst für regelmäßige Heitz-Leser denen die Figuren nicht unbekannt sind, doch die neuen Verstrickungen neu sind und man sollte eindeutig nicht den Faden verlieren, um alles am Ende auch logisch verbinden zu können.

Der Aufbau ist genauso wie in Band 1 gehalten. Jedes Kapitel wird mit einem Zitat eingeleitet und in den Kapiteln selbst, sind die Abschnitte mit den jeweiligen Orten und Ländern deutlich unterteilt, sodass man sich hier nicht verheddern kann. Einen kleinen Kritikpunkt hab ich dennoch. Im Vergleich zum Vorgänger, gab es mit hier zu wenige Herz-Klopf-Momente in Form von Kämpfen und der großen Frage: Überlebt er oder nicht. Dafür waren die Kämpfe zeitweise schlichtweg zu kurz oder zu vorhersehbar.
Trotzdem wiegt dieser Punkt nicht schwer auf der Waagschale, da durch das Trio Ares, Korff und Marlene, das Buch viel gewinnt. Solch ungleiche Konstellationen an Partnerschaften braucht wohl jede Handlung. Außerdem ist der Autor so gemein eine neue Unbekannte in das Geschehen einzuflechten, dessen Absicht und Herkunft bis zum bitteren Ende ungeklärt bleibt, was natürlich auf die angedeutete Fortsetzung des Crossovers neugierig macht!

Alles in allem hat mit das Buch auf jeden Fall überzeugt. Ploppen anfangs noch zahlreiche Fragezeichen im Kopf auf, lösen diese sich – bis auf das Unbekannte – alle in dem großen Finale in Luft auf. Ich freue mich jetzt erst einmal auf die Taschenbuch-Version von „Aera“ im Herbst und nächstes Jahr hoffentlich auf eine würdige Fortsetzung der obigen Charaktere!

sketch-exkarnation


Genre: Thriller, Fantasy / VÖ: August 2015 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Band 2 (Crossover) / Region: Deutschland, Österreich, Amerika, Japan, …