„Ich hab gehört, dass Sie ein Sturkopf sein sollen. Ich hab auch gehört, Sie scheren sich einen Dreck um die Welt außerhalb Ihres Zuständigkeitsbereich.“ (S.104)

Das beschreibt so ziemlich genau den Eindruck, den irgendwie jeder von Sheriff Hackberry Holland hat. Ein mürrischer alter Mann, der seinen Job noch bis zur Rente macht und sich nicht für sein weiteres Umfeld interessiert. Doch der Schein trügt gewaltig. Holland hat sehr wohl ein Auge auf das was in der Welt geschieht. Allerdings bindet er das nicht jedem auf die Nase. Ebenso nicht den Punkt, dass er einen weichen Kern hat, den bisher nur wenige Menschen erblickt haben. So weiß er auch ganz genau, wer hinter den grausamen Morden hinter der Kirche in Chapala Crossing steckt. Aber keiner weiß wo er ist und ob er im Alleingang die Frauen regelrecht hingerichtet und verscharrt hat. Stattdessen läuft den Beamten ein junger Mann in die Arme, der durch Trunkenheit schon desöfteren aufgefallen ist. Was weiß er von der Tat? War er daran beteiligt oder nur ein stummer Zeuge?

Zusammen mit der Polizistin Pam Tibbs begibt sich der Sheriff auf Spurensuche. Dabei wird er unfreiwillig vom FBI und einer speziellen Abteilung dort, der Einwanderungsbehörde begleitet. Besonders Agent Isaac Clawson geht ihm hierbei auf die Nerven. Denn statt zusammen zu arbeiten und wichtige Informationen weiter zu geben, startet er einen Alleingang. Eher einen Rachefeldzug, denn er hat mit dem gesuchten Killer namens „Preacher“ noch eine persönliche Rechnung offen, was aber weder für Clawson noch die Ermittlungen von Vorteil ist. Das große Chaos ist also vorprogrammiert. Als wäre das nicht schon genug, fangen plötzlich ranghohe Befehlshaber im Drogen- und Prostitutionskartell an sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Keiner will sich die Schuhe der Schuld anziehen. Jeder will sich aus den Schlingen des Gesetzes herauswinden. Nur einer bleibt dabei völlig gelassen: Preacher. Ist er vielleicht doch nicht der Schuldige?

„Regengötter“ ist kein Buch, was man nach 400 Seiten beendet hat. Bald 700 Seiten verschlingen die Katz- und Mausspiele der Jäger und Gejagten. Für den ein oder anderen mag das jetzt ermüdend klingen. Man hat die Geschichte um den Massenmord von Frauen, die teilweise lebendig mit einem Bulldozer unter der Erde verscharrt wurden aber auch nicht mal eben mit ein paar Worten beendet. Da steckt viel mehr dahinter. Wer alles in dem Geflecht aus Mord, Drogen und Prostitution steckt, wird nach und nach klar. Auch welche unschuldigen Menschen sich darin verheddert haben und nun unweigerlich mitgeschleift werden. Es ist bis zum Ende nicht klar, wer überleben darf und wer hingerichtet wird. Denn Schweigen holt man sich nicht mal eben in einem Gespräch. Hier werden Nägel mit Köpfen gemacht. Wer nicht spurt, wird ebenfalls hingerichtet. Da müsste man doch eigentlich nur warten, bis am Ende einer übrig bleibt – oder?

Die Stimmung ist rau und kalt. Die Natur weit und staubig. Die Menschen uneinsichtig und gehetzt. Die Ermordeten geduldig am warten, während ihr Hüllen langsam verwesen. Somit sollte man rasch die Genreeinteilung „Thriller“ vergessen. James Lee Burke ist in Amerika ein sehr bekannter Krimiautor, der entsprechend dafür ausgezeichnet wurde. Seit den Achtzigern widmet er sich dieser Richtung und ist recht erfolgreich darin, wie man deshalb hier in Deutschland auf Thriller kommt, ist mir nicht ganz begreiflich. Das schadet dem inhaltlichen der Story zum Glück nicht, wenn man mit den richtigen Erwartungen heran geht. Dieses Buch ist eine amerikanische Geschichte, die sich mit dem beliebten Thema der Schmuggelbanden nahe der mexikanischen Grenze beschäftigt. Es ist eine interessante Thematik, die sehr blutig und brutal vonstattengeht. Burke konzentriert sich jedoch auf einen Fall und deren Drahtzieher und deren Netz ist schon groß genug. Mehr hätte man auch nicht hineinpacken sollen.

Trotz der Grausamkeit die in diesem Buch herrscht, wird ein ruhiger Ton angeschlagen. Brutalität – kaltblütigen Mord – das Hinrichten von Menschen, das kann man nicht beschönigen, aber man muss es auch nicht verherrlichen. James Lee Burke hat einen guten Mittelweg gefunden und eine Figur erschaffen, die ich gerne weiterhin begleiten möchte.
Wie man sich nun denken kann, war ich sehr positiv überrascht von dem Buch. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen dicken Klopper innerhalb weniger Tage verschlungen haben werde. Trotz seines ruhiges Grundtons habe ich mich nie gelangweilt und das stetige Hin und Her ist zeitweise recht verwirrend. Von daher hat das Buch auf jeden Fall eine Empfehlung verdient!

sketch-regengoetter


Genre: Krimi / VÖ: Oktober 2014 / Verlag: Heyne Hardcore / Serie: Band 2 / Region: Amerika (Texas)