Der Sommer ist vorbei. Stattdessen hat der Herbst die Vorherrschaft übernommen. Die Tage werden immer kürzer. Die letzten Sonnenstrahlen auf ein Minimum reduziert. Entsprechend sinkt die Temperatur erheblich. Man muss sich dick einpacken. Die erste Winterkleidung aus dem Schrank holen. Doch noch fällt kein Schnee. Stattdessen fällt das Laub herab. Zusammen mit dem Regen bilden sie einen Dauerstrom aus bunten feuchten Farben. Mittendrin liegt etwas, was so gar nicht in das harmonische Bild passen will. Es ist blass, ausgeblichen, eisig kalt und so seltsam verformt. Es ist der Beginn einer langen Jagd, quer durch Europa.

An dessen Spitze ich der Ermittler Walter Pulaski durch einen Berg an Fragen und Ungereimtheiten kämpft. Stets begleitet von Mikaela, einer Frau, die ihre Tochter verloren hat und das gleiche Ziel vor Augen hat. Die Suche nach dem Täter.

Dabei ist die ganze Sache nicht ungefährlich. Walter wird rasch gesagt, dass der Fall erledigt ist. Dass es keine Hinweise auf einen Serienkiller gibt. Es war ein Unfall mit einer Prostituierten. Fertig. Doch Walter Pulaski gibt sich mit so einer Antwort natürlich nicht zufrieden. Hinzukommt, dass er jemanden gefunden hat, der ebenfalls nicht an eine so einfache Lösung glaubt: Mikaela. Die Frau begleitet ihn eher ungewollt. Eigentlich möchte er niemanden an seiner Seite haben. Als er jedoch mitbekommt, was Mikaela bereits auf dem Kerbholz hat und sie mittlerweile per Haftbefehl gesucht wird, beschließt er ihr zu helfen. So geht das ungleiche Duo jedem noch so vagen Hinweis nach. Selbst wenn sie dafür das Land verlassen müssen. Irgendwann werden sie dafür belohnt und kommen einem wichtigen Detail auf die Spur.

Parallel dazu bekommt die Anwältin Evelyn Meyers in Wien Besuch von einem Mann, der ihre Dienste braucht. Natürlich freut sich die junge Frau über diese Anfrage. Wie oft bekommt man von einem gutaussehenden Arzt einen Auftrag auf dem Silbertablett serviert? Allerdings spitzt ihr komplettes Umfeld direkt die Ohren, als sie davon erfahren. Man rät ihr ab, diesen Fall anzunehmen. Dieser Mann ist nicht das, was er vorgibt zu sein. Damit könnte sie sich die Finger verbrennen. Aber Evelyn will sich eine eigene Meinung bilden und kommt zu dem Schluss, dass sie diesen Mann vor Gericht vertreten wird. Nur wegen ein paar Vermutungen und einer angeblichen Vergewaltigung, ist ihr baldiger Mandant noch lange nicht schuldig. Sie merkt zu spät, dass sie sich mit dieser Eingebung mächtig in die Nesseln setzt.

Wie man schon merkt, ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich die beiden wieder einmal über den Weg laufen werden. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg und jeder hat sein eigenes Hühnchen zu rupfen.

Man lernt dabei ihre alten und auch neue Charakterzüge kennen. Vor allem Evelyn mit ihrem Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Anerkennung ist mir hier positiv aufgefallen. Sie möchte eine starke Frau sein und nicht mehr von ihrem alten Chef wie ein Schüler behandelt werden. Walter hingegen ging mit mit seiner naiven Art zeitweise sehr auf die Nerven. Er wirkte hier nicht wie ein erfahrener Ermittler, sondern wie ein blutiger Anfänger. Da hilft es auch nicht, wenn er seine Fehler stets selbst erkannte – die Erkenntnis kam immer etwas zu spät daher. Somit fiel es mir zunächst auch schwer mit diesem Part der Geschichte klar zukommen. Er wollte mich einfach nicht in seinen Bann ziehen.

Später kam ein Wendepunkt und alles lies sich flott zu Ende lesen. Vor allem, da die Hinweise sich vermehrten, der Täter immer mehr seinen schwedischen Gardinen näher kam und Walter endlich mal wieder seine alte liebevolle Art raushängen lies, die ihn so liebenswert in dem Buch macht. Selbst Evelyn, die nicht die roten Fahnen sah, die man als Leser von Anfang an bemerkte, und sich immer tiefer in böse Ereignisse verstrickte, marschierte stets mit erhobenem Haupt durch die Handlung.
Die Aufklärung an sich ist nicht überraschend, weiß man doch ziemlich schnell wer der Täter ist und was ihn antreibt. Nur ein paar winzige Details schwammen die ganze Zeit im Trüben nebenher. Klarten sich dann aber alle logisch auf.

Alles in allem lies sich dieses Buch von Andreas Gruber gut weglesen. Ich hatte ein paar schöne gemütliche Lesestunden mit dem Buch. Dennoch hat es mich nicht vom Hocker gehauen. Die Idee war perfekt, das Drama kommt nicht zu kurz, aber irgendwie wollte der Funke zur Dauerbegeisterung nicht herüberspringen. Vielleicht lag es an meinem zähen Einstieg mit Walter, vielleicht daran, dass man den Killer so schnell durchschaut hat, vielleicht an der zu klaren Linie, vielleicht erinnerte mich eins der morbiden Hobbys des Killers zu sehr an ein anderes Buch, ich weiß es nicht. Es ist wohl eine Kombination aus allem.
Dennoch breche ich die Reihe natürlich nicht ab, sondern freue mich auf den „Rachefrühling“.

racheherbst sketch


Genre: Thriller / VÖ: September 2015 / Verlag: Goldmann/ Serie: Band 2 / Region: Deutschland & Österreich & Tschechien