Was macht man mit einem Buch, auf das man sich tierisch gefreut hat? Richtig, sobald das aktuelle Buch zu Ende gelesen ist, nimmt man es sich zur Hand um darin versinken zu können. Entsprechend kam „Nirgends wirst du sicher sein“ mit zur Plasmaspende. Dort hatte ich eine Stunde Zeit. Nur das Buch und ich. Also fast zumindest. Diese eine Stunde, wurde für mich zu einer Qual. Festgebunden an einen Stuhl und mit einem Thriller, der mich quälte und piesackte. Tapfer kämpfte ich mich durch die Seiten, um dann endlich von einem piependen Geräusch befreit zu werden, was den Abschluss der Plasma-Entnahme ankündigte.

Doch von vorne.
Nancy Bush ist die Schwester von Lisa Jackson. In Amerika ist sie bereits eine gefeierte Autorin, die vor allem mit Liebesgeschichten Erfolge feierte, bevor sie 2012 in das Thriller-Genre wechselte. Nun ist sie auch in Deutschland angekommen und will mit dieser Reihe den Durchbruch schaffen. Natürlich war meine Neugierde recht groß. Lisa Jackson gehörte zu meinen „Einstiegsautoren“ in die kaltblütige Welt der Crimescenes und da die beiden auch einmal zusammen Geschichten geschrieben haben, wieso sollte ihre Schwester dann nicht ebenfalls gut sein?

In dem Thriller dreht sich alles um die vom Schicksal gebeutelte Olivia „Liv“ Dugan. In ihrer frühen Kindheit entdeckte sie ihre Mutter. Erhängt an einem Strick. Tod. Es stellt sich jahrelang die Frage, ob es Selbstmord war oder sie das Opfer eines Serienkillers war, der damals sein Unwesen trieb. Fakt ist jedenfalls, dass sich die kleine Liv an nichts Verdächtiges erinnern kann. Was dem damaligen Officer nicht passte und er machte so rigoros zur Schnecke. Ihr kleiner Bruder – zum Zeitpunkt des Todes gerade einmal zwei Jahre alt – war ebenfalls im Haus als es passierte. Doch er ist eigentlich noch zu klein, um das Geschehen zu begreifen. Das Ende vom Lied ist: Der Täter wird nie gefasst und die Kinder sind geprägt fürs Leben.

Jetzt, viele Jahre später, bekommt Liv plötzlich seltsame Post von ihrer Mutter. Ein Nachlass, der ihr persönlich überreicht wurde und sie in Panik versetzt. Der Umschlag wirkt wie eine Art Trigger und lässt sie nervös werden. Sie besucht ihrem Bruder und spricht ihn darauf an. Er ist allerdings komplett in seiner Welt gefangen, die er als Hülle geschaffen hat, weil der Selbstmord seiner Mutter ihn zerstört hat. So viel zum Thema: Zu klein, um es zu begreifen. Kaum ist sie dort in der Wohnung, kündigt sich ihre Pflegefamilie an und das Familien-Chaos auf engstem Raum ist perfekt. Als kurz darauf bei einer Schießerei auf Arbeit ihre Kollegen kaltblütig umgebracht werden, dreht sie komplett durch und rennt durch die halbe Stadt, nur um einen Mann als Geisel in seinem eigen Haus zu nehmen.

Das war der Moment, wo ich mir sagte: Halt! Stopp! Bis hierher und nicht weiter.
Ein Zweijähriger, der sich so gut an seine Kleinkindjahre erinnern kann? Ich bin kein Experte, halte das aber für absolut unwahrscheinlich. Eher waren es Psychologen, die falsch gehandelt haben, in dem sie ihm die Geschehnisse vor Augen gehalten haben. Außerdem, wieso laufe ich weg, nehme einen Mann (!) als zierliche Person (!) als Geisel und plaudere mit ihm munter drauf los, als ob nichts wäre? Selbst wenn eine Waffe im Spiel ist und er ihr ansieht, dass sie damit nicht umgehen kann. Fehlt nur noch, dass die zwei sich in einander verlieben. Ach – oh, verdammt! Vielleicht passiert das ja wirklich!
Als wäre das noch nicht genug, kommen noch die Ermittler daher, die September, August und Gretchen heißen. Bitte was? Gretchen, gut, die Autorin kann nichts dafür, dass man das mit Chelsea Cain in Verbindung bringt, aber Monatsnamen? Selbst wenn man sie englisch ausspricht, wird es nicht besser.

Wie man merkt, hatte ich arge Probleme mit dem Buch. Nach 127 Seiten war für mich Schluss im Schacht. Zum einen gingen mir die komischen Verstrickungen auf die Nerven, genauso wie die hibbelige Liv, die eindeutig zum Psychologen auf die Couch gehört und zwar jeden Tag, dort festgebunden und zum anderen kam ich mit dem Schreibstil nicht klar. Die Dialoge sind mir zu kindlich, zu naiv. Ich kann es schwer beschreiben. Spannung kam jedenfalls nicht auf. Ich fand die „bösen“ Charakter eher abstoßend und die „guten“ sehr nervig.
Um mich nicht weiter zu foltern, habe ich das Buch abgebrochen und werde die Reihe definitiv nicht weiterlesen. Das war für mich eine komplette Enttäuschung.

 

Da ich das Buch nicht beendet habe, gibt es kein #sketchnote an dieser Stelle, dafür eine positivere Kritik von der Thrillertante klick


 Genre: Thriller / VÖ: Dez 2015 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Teil 1 von 3 / Region: USA