Nach zwölf Jahren Haft wegen Drogenschmuggels wird Ex-Sheriff Patrick Drake entlassen. Sein Sohn Bobby, selbst mittlerweile Sheriff, holt ihn aus dem Washington State Penitentiary ab. Doch ihr Verhältnis war noch nie das beste, und die langen Jahre im Gefängnis scheinen seinen Vater nicht einsichtiger gemacht zu haben. Offenbar hat Patrick irgendwo 200.000 Dollar aus seinen Drogendeals vergraben. Doch er ist nicht der Einzige, der das Geld wiederhaben will … [Droemer Knaur]

 

Meine Meinung:

Urban Waite schafft in dieser Geschichte etwas, was nur wenige schaffen. Mit sparsamen Worten zeigt er grausame Gräueltaten auf, ohne sich detailverliebt darin zu laben. Gleichzeitig vergisst er jedoch in manchen Momenten, sich an die Emotionen bei dem Leser zu erinnern. Hier und da hätten beschriebene Gefühle dem Buch gut getan. Natürlich kommen die Gedanken der Figuren zu Wort. Da ist Bobby und seine Frau Sheri, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben und dann kommt plötzlich Patrick aus dem Gefängnis. Mit ihm kommen neue Sorgen dazu. Extrem große Sorgen, die einen Strudel des Misstrauens in Gang setzen. Sheri äußert ihre Ängste, doch es will einen nicht wirklich berühren. Ebenso Bobbys Sorgen, dass sein Vater noch lange nicht mit seinen illegalen Geschäften fertig ist. Man nimmt es einfach auf.

„Was immer Driscoll auch für eine Saat ausgesät hatte, sie ging auf. Wurzeln wanden sich um seine Brust wie Ranken um einen Baum, und Drake saß dort im Büro und fürchtete sich davor sie ausfblühen zu sehen. (S.76)

Gegenspieler der Familienbande ist Driscoll. Ein DEA Agent, der Patrick nicht traut und ahnt, dass er etwas zu verbergen hat. Er versucht sich mit dem Sohn zu verbünden. Allerdings streut er nur noch mehr Salz in alte Wunden. Tritt Dinge los, die nur auf seinen Vermutungen basieren. Gefährlich in einer Gegend, wo mehr Leute unter einer Decke stecken, als man weiß. Außerdem geht es um Geld. Egal wie viel es auch ist. Die Gier lässt viele blind handeln. So kommt es wie es kommen musste: Alte Gefährten tauchen auf, die nichts von guten Manieren halten und bringen eine Menge Steine zum rollen.

Parallel dazu, spielt sich im Hintergrund eine ganz andere Geschichte ab. Es geht um einen einsamen Wolf, der sich in die städtische Gegen verirrt hat. Der erste seit Jahren. Ellie, eine junge liebenswerte Frau von der Jagdaufsicht will dieses Tier schützen und mit einem Pfeilsender markieren. Die Bewohner der Stadt wollen den Wolf jedoch tot sehen. Er plündert und greift Tiere an. Ein weitere Kampf um das Vertrauen beginnt und schwebt wie ein Schatten über der Jagd nach dem Geld. Bevor es am Ende zu einem runden Ergebnis zu Ende geführt wird. Der Kreis schließt sich. Wie er jedoch alle Stränge verbindet, muss jeder selbst herausfinden.

 

Fazit:

Auch wenn es zeitweise kalt wirkt und sich auf die „Jagd“ konzentriert, habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Man ist direkt in dem Sog der Unwissenheit gefangen und will mit der Wahrheit in der Hand wieder entfliehen. Das geht doch nur, wenn man sich an die Fersen von Bobby haftet, der genau das herausfinden möchte.
Ellie war hier mein kleinen Lichtschein. Ich mochte sie am liebsten, auch wenn sie nicht so oft zu Wort kommt. Ebenso der Großvater im Wald, der sein ganz eigenes Leben führt und dennoch an allem beteiligt ist. Bobby und Paddy (Patrick) wirkten stetig wie zwei Katzen, die sich anfauchen und nur widerwillig nebeneinander existieren. Ganz warm bin ich nicht mit ihnen geworden, konnte aber ihre Handlungen verstehen und nachvollziehen.

Alles wirkt wie ein moderner Western-Crime mitten im zwanzigsten Jahrhundert. Kurz, gnadenlos und spannend zu lesen.

 


Genre: Thriller / VÖ: Februar 2016 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: „Schreckensbleich“ erzählt Vorgeschichte / Region: Amerika