„Alle waren sehr nett zu mir und versuchten, mich vor dem Anblick seiner Leiche zu bewahren, und ich konnte keinem sagen, wie froh ich war, dass er tot war. Endlich war Schluss mit seinem Unsinn.“ [S.12]

Jean Tayler ist eine Frau, die dachte das große Los gezogen zu haben. Die Liebe ihres Lebens hat sie einst geheiratet und nun lebt sie mit ihm – Tayler – in einem eigenen Haus. Jeder hat einen Job. Das geregelte Leben geht seinen gewohnten Gang. Bis plötzlich ein Vorwurf der Kindesentführung im Raum steht und nichts ist so, wie es einmal war. Da hilft es auch nicht, wenn Tayler die Fassade der glücklichen Ehe aufrecht erhalten will und so lebt, als wäre nichts gewesen.
Solange die Presse das Haus belagert, ist es offensichtlich, dass etwas im Argen liegt. Nur kann man weder seine Schuld, noch seine Unschuld beweisen.

Da trifft es sich gerade zu perfekt, dass ein grausamer Unfall das Problem quasi von selbst löst und Tayler ums Leben kommt. Doch statt seliger Ruhe, herrscht nun noch mehr Chaos und alle hoffen, dass die schweigsame Witwe Jean auspackt. Schließlich hat sie sich nie richtig zu den Anschuldigungen geäußert. Um ihr auf die Sprünge zu helfen, macht sich die Journalistin Kate auf den Weg. Mit ihrer drängenden Art hat sie es rasch in das traurig-berühmte Haus geschafft, macht es sich bequem und hofft auf DIE Story ihrer Laufbahn.

Auch für den Leser geht es jetzt so richtig los. Neben Kate und Jean, lernt man nun noch den Polizisten Bob und die Mutter von Bella, dem entführten Kind kennen. Im stetigen Wechsel aus Vergangenheit und Gegenwart, berichten sie ihre Ansichten und man gerät immer tiefer in den Strudel aus Lügen, Verrat und Macht. Dabei weiß man oft nicht, wo einem der Kopf steht und das nicht wegen einer Fülle aus Informationen, sondern wegen der Informationen selbst. Man hat seine Verdächtigungen, man hat seine Hass-Charaktere und natürlich seine Leidgenossen, die nur zur einem schnellen Ende kommen wollen. Und irgendwo zwischendrin drängt sich mühsam die Wahrheit hindurch.

Doch die Steine, die einem hier in den Weg geworfen werden, um ihr näher zu kommen, sind schon beachtlich und kommen der bitteren Realität eines Beamten sicher sehr nahe.

So kommt es, dass sich ein fester Gedanke, plötzlich in Luft auflöst, da ein neuer Hinweis sich als falsch erweist oder einem einfach wichtige Eckdaten zu einem Indiz fehlten. Das hat mir recht gut gefallen und hat dafür gesorgt, dass ich vor allem den zweiten Teil des Buches regelrecht verschlungen habe. Leider hat der Einstieg ein paar kleine Zieher versteckt, sonst wäre das Buch top gewesen!

Alles in allem habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Es ist ein solider Roman, mit einem spannenden Krimi-Aspekt, der einen einfach in den Bann zieht.
So weit zu gehen und das Buch als Thriller zu bezeichnen würde ich nicht, das weckt nur falsche Erwartungen.
Mir hat jedoch die Herangehensweise, der ständigen Perspektivwechsel so gut gefallen, wie jenes Aufrollen von hinten, dass „Die Witwe“ mir auf jeden Fall in guter Erinnerung bleiben wird. Und das eigentlich wahre (!) Ende ahnt man wirklich erst in allen Punkten auf den letzten Seiten.

 

Tante Edith meint: Das dt. Cover finde ich perfekt entworfen!

Tante Edith meint auch: Wer glaubt, aus dem obigen Zitat den Verlauf der Story zu erkennen, der täuscht gewaltig 😉


Genre: Roman/Crime / VÖ: Mai 2016 / Verlag: Wunderlich / Serie: Einzelband / Region: England

 

Das Buch wurde von bloggdeinbuch.de zur Verfügung gestellt.