„Ich war noch nie dort, aber manchmal stelle ich mir gern vor, dass ich auf der Erde bin und über Grasflächen renne, unter einem Himmel, der so blau ist, dass es schmerzt, ihn anzusehen.“ (S.21)

Riley Hale gehört zu den Menschen auf der Raumstation „Außenwelt“, die nie einen Fuß auf die Erde gesetzt haben. Sie kennt nur die Ansicht von oben. Aus dem Weltall. Hinab auf den ehemals blauen lebhaften Planeten, der von seinen Bewohnern gewaltsam zerstört wurde. Knapp eine Million Menschen leben nun auf der Raumstation und haben sich ihrem Schicksal gefügt.
Es haben sich vier verschiedene Gruppierungen gebildet, basierend auf ihrer Herkunft und ihrem Können. Doch es herrscht Harmonie. Weit weg, kann man schließlich nicht. Alles findet auf engstem Raum, auf verschiedenen Ebenen statt. und genau das, könnte bald zu einem Problem werden.

Wie auch in einer normalen Welt, geht jeder einem Beruf nach, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als gern gesehene Zahlungsmittel stehen hier vor allem Wasser und Lebensmittel an vorderster Front. Gerade Tracer – Kuriere – haben einen Knochenjob und brauchen für ihre Fitness viel davon. Riley und ihr kleiner Trupp gehören zu ihnen. Da sie eine der besten und schnellsten auf dem Schiff ist, ist sie sehr gefragt. Bis zu dem einen Tag, der alles durcheinander bringt.
Es ist eigentlich ein gewöhnlicher Auftrag: Paket von A nach B bringen. Doch sie wird überfallen und in dem Gerangel, sieht sie was sie ausliefern soll. Ein dramatischer Verstoß, der die wichtigste Regel ihres Lieferservices bricht: Öffne niemals ein Paket.

„Normalerweise laufe ich nicht auf Schwierigkeiten zu, sondern vor ihnen davon.“ (S. 109)

Die Entdeckung bleibt nicht lange unbemerkt und ruft jemanden auf den Plan, der scheinbar nur auf so ein i-Tüpfelchen gewartet hat, um endlich aktiv zu werden. Plötzlich gibt es Tote, und Chaos bricht auf der „Außenwelt“ aus. Allem voran wird Riley als Täterin auserkoren. Fein ins Rampenlicht gezerrt von dem eigentlichen Übeltäter, der noch viel Größeres vor hat. Dabei versprüht er so viel Gift, dass selbst die besten Freunde von Riley misstrauisch werden und ihr aus den Weg gehen. Doch wohin auf dem Raumschiff? Es gibt keinen Ausweg und auf Dauer verstecken kann sie sich auch nicht. Da hilft nur Gegenwehr und somit beginnt ein Run um Leben und Tod. Im wahrsten Sinne des Wortes.

„Ich werde Sie beobachten, Ms Hale“, […] „Sie sollten lieber nicht vergessen, dass nichts ewig andauern wird.“ (S.172)

Rob Boffard schafft es direkt auf den ersten Seiten eine Spannung aufzubauen, die sich konsequent bis zum Ende durchzieht. Vor allem zu Momenten, wo man glaubt einen toten Punkt erreicht zu haben, kommt er mit einer neuen Wendung daher und gibt den Ereignissen neuen Schwung. So etwas liebe ich bei Büchern und von daher hat er sich fette Pluspunkte bei mir eingeheimst. Da schaue ich getrost über eine kleine Romanze hinweg, die hier im Hintergrund stattfindet. Warum sollten schließlich Menschen im All nicht auch Gefühle haben? Anfang hatte ich Sorge, dass das „Böse“ zu klischeehaft daher kommt. Denn das Grundgerüst roch zehn Meilen gegen den Wind danach. Durch die zahlreichen Wendepunkte lassen den Geruch rasch dünner werden.

Erzählt wird die ganze Handlung überwiegend aus der Sicht von Riley, aber auch andere Gesichter kommen zu Wort und tragen einiges zu den Geschehnissen bei. Langweilig ist mir an keiner Stelle geworden und so hatte ich die 500 Seiten auch rasch verschlungen gehabt. Das Ende passt zur kompletten Story und rundet alles perfekt ab. An dieser Stelle ging ich auch von einem Einzelband aus. Doch eine kurze Recherche zeigte, dass es eine Trilogie ist und so bin ich gespannt wie es weiter geht, mit Riley und den letzten Überlebenden der Menschheit.

Alles in allem hat mir das Buch recht gut gefallen.
Den Vergleich auf dem Buchrücken mit dem Film „Gravity“ kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Da passt eher „Interstellar“ ins Bild, wenn man so ein Buch schon mit einem derart bildgewaltigen Film auf eine Ebene stellen möchte. Was die Verschwörungen angeht, hinkt dagegen die Ähnlichkeit mit der Bourne-Reihe nicht so sehr. Hier wird so manches schwarzes Schaf überraschend aufgedeckt und an Action happert es ebenfalls nicht.


Empfehlung für alle, die Science-Fiction lesen möchten und dabei mit einem Bein auf der Erde bleiben wollen.
Also im übertragenen Sinne 😉

 


Genre: Science-Fiction, Zukunft / VÖ: Mai 2016 / Verlag: Heyne /Serie: Serienauftakt (Trilogie) / Region: Weltall