„Darwin verbarg sich überwiegend im Schatten. Von oben wirkte es beinahe friedlich – grausames Trugbild.“ (S.19)

Was wird in der Zukunft auf uns zukommen? Werden wir von der Erde zum Mars übergesiedelt sein? So, wie es uns in vielen Sci-Fi Filmen suggeriert wird? Werden wir mit anderen Lebensformen Kontakt aufgenommen haben? Oder werden wir gar eliminiert und dem Erdboden gleich gemacht, damit sie selbst einen neuen Planeten haben können? Was auch immer da kommt, hoffen wir mal nicht, dass es so endet wie im Jahre 2283. Denn dann wird nur noch eine Stadt existieren. Packt mal die aktuell 7 Milliarden Menschen in eine Stadt. Besser gesagt, auf Australien drauf. Und nun alle schubsen und quetschen, bis es auf die Stadt Darwin begrenzt ist. Was fällt dabei auf? Geht nicht, oder?

Wir brauchen einen mächtigen Radiergummi, der alle „überflüssigen Menschen“ ausradiert. In Darwin City ist es eine außerirdische Seuche, die diesen Part übernimmt. Plötzlich befällt diese nämlich die komplette Erde und wer sich in Darwin aufhält überlebt. Nur sehr wenige haben dieses Glück, denn die Seuche ist eine der ganz harten Exemplare. Binnen weniger Tage ist man tot oder dem Wahn seiner Urinstinke befallen (Subhumane). Oder man ist immun (Immuner). Aber dieses Glückslos haben ebenfalls nur sehr wenige gezogen. Kurz: Mit einem Schlag hat sich die Menschheit radikal reduziert und keiner weiß woher diese Seuche kam und was sie bezwecken soll.

Und dann ist da noch dieser seltsame Fahrstuhl ins All.

Er ist mehr oder weniger eine Erweiterung der gesicherten Stadt Darwin. Aber nicht jeder darf in den Orbit hinauf. Jeder kocht quasi sein eigenes Süppchen. Von den Gesellschaftsschichten hat sich also eigentlich nichts geändert. Arm bleibt unten, Reich geht hoch. Doch nun fängt die Suppe an zu brodeln. Aufstände brauen sich zusammen. Alles ausgelöst durch einen Zwischenfall, der keinen kalt gelassen hat: Ein Stromausfall hat den Fahrstuhl lahm gelegt und keiner kennt nur Ursache. Es gibt also keinen Transport mehr von Nahrung und Sauerstoff. Die Hauptschlagader ist unterbrochen und nur die Erbauer selbst können da ihre Finger im Spiel gehabt haben.

Doch wer sind diese Erbauer aus dem All?

Um diese entscheidente Frage dreht es sich überwiegend in dem Buch. Zudem will man wissen, was ihr Grund für die Hilfe und zugleich Störung der Sicherheit ist. Warum sie sich jetzt plötzlich bemerkbar machen ohne selbst in Erscheinung zu treten. Dabei hat man Einsicht in die Gedankenwelt von drei Fronten: Die Gruppierung, die im Orbit lebt und agiert; die Menschen, die auf der Erde in Darwin ein karges Dasein tristen und eine kleine Gruppe Piraten/Lieferanten/Räuber – sagen wir scheinbar unabhängiger Immuner – die zwischen beiden Fronten hin und her pendeln und zusätzliche Ware liefern. Alle haben ihre eigene Meinung zu diesen Ereignissen, aber nur einer hat recht.

Wenn man sich einmal in die verschiedenen Welten hineingewurschtelt hat, fühlt man sich darin so pudelwohl, dass man gar nicht mehr weg will. Denn was auf den ersten Blick, wie ein Standart-Science-Fiction Roman ausschaut, entpuppt sich zu einer Geschichte, die weit mehr ist als das. Es geht um Menschen die in den unterschiedlichen Schichten leben und ihre ganz eigenen Ansichten und Erfahrungen mit den drastischen Ereignissen gemacht haben. Dabei bleiben sie stets menschlich und ihre Handlungen auf der Basis auch nachvollziehbar. Auch wenn es nicht immer um fröhliche Menschen geht, die händchenhaltend über eine Blumenwiese springen.

Vor jedem Kapitel sieht man die Jahreszahl und das Datum gelistet, sodass man stets weiß, wo man sich gerade auf der Zeitachse befindet. Keine Sorge es geht chronologisch vor. Allerdings gibt es manchmal kleine zeitliche Sprünge, daher ist die Angabe ganz hilfreich. Trotz des ganzen Lobes, hab ich doch eine kleine Kritik an dem Buch. So ist es mir lange Zeit schwer gefallen für einen der Charaktere so starke Sympathiepunkte aufzubauen, dass ich mit ihm mitgefiebert hätte. Dafür erfährt man zu wenig über deren Hintergründe und Gedanken. Erst durch den Lauf der Geschichte lernt man sie genug kennen, um sie ins Herz zu schließen.

Empfehlen kann ich das Buch jedem, der die Serie „Firefly“ kennt und liebt, dem ein bisschen Science-Fiction nicht stört und der mal eine neue Idee in Sachen Aliens vs. Menschheit lesen möchte und dabei trotzdem mit beiden Beinen auf der Erde bleibt. Okay, fast. Ein bisschen mit dem Fahrstuhl fahren wir schon hin und her 😉

darwin-city-karte


Genre: Fantasy, Science-Fiction / VÖ: September 2016 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Serienauftakt / erhältlich bei: hugendubel.de