es beginnt am siebten tag

„Es ging leichter als gedacht.“ (S.5)

Ein Tag, wie jeder andere auch. Es ist schönes Wetter. Julia und Brian sind auf Arbeit, die kleine Tochter Anna in der Vorschule. Heute ist Julia mit abholen dran und wie immer ist sie etwas zu spät. Das Handy streikt und der aktuelle Termin in der Kanzlei zieht sich unendlich in die Länge. Da hilft nur noch rasch Sachen zusammenraffen und mit dem Auto flott zur Schule düsen. Anna wird schon sehnsüchtig am Tor warten. Nur da ist keine Anna. Nur die Lehrerin.

Schnell ist klar, dass die fünfjährige Anna von jemanden Fremden mitgenommen worden sein muss. Denn weder ihr Vater, noch befreundete Familien haben das Mädchen mitgenommen. Eine riesige Suchaktion wird eingeleitet. In der Hoffnung, dass sie zu einem Spielplatz oder in den Wald gelaufen ist. Aber nichts bewahrheitet sich. Und so beginnt der Druck auf die Mutter zu zunehmen.

Warum hast du nicht angerufen?
Warum bist du immer zu spät?
Warum bist du so unzuverlässig?
Du bist keine gute Mutter!

Zwar bekommt Julia Hilfe und Unterstützung von einer Beamtin, doch irgendwann bricht sie zusammen und mit ihr ein komplettes Kartenhaus aus Familie, Freunden und Umfeld. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so will sie für Anna stark sein. Reißt sich zusammen. Man kann wirklich sagen, dass ihr alle – wirklich alle – Optionen durch den Kopf gehen und sie abwägt. Und dann kommt die Nachricht, die alles zum Guten wendet: Anna wurde gefunden. Lebend.

Nach der großen Freunde über ihre Rückkehr – sieben Tage nach ihrem Verschwinden – kommt plötzlich die bittere Erkenntnis: Es ist noch lange nicht vorbei. Der Albtraum beginnt gerade erst so richtig. Vor allem auf Julie scheint es der Täter abgesehen zu haben. Es beginnt bei Falschmeldungen in der Zeitung, geht weiter mit privaten Dramen und Katastrophen, bis hin zu den seltsamen Erinnerungen von der kleinen Anna, die keinen Sinn ergeben wollen und sie stark beschäftigen.

Der Titel ist hier wirklich ernst zu nehmen: Es beginnt am siebten Tag.

Erst ab diesem Punkt wird es interessant und richtig spannend – sofern man das überhaupt sagen kann. Zu Beginn ist man natürlich neugierig und versucht automatisch den Täter vor der Mutter zu finden. Vor allem, da man den Vorteil hat, dass man ein wenig in seine kontroll-fanatischen Gedanken eintauchen kann. Schön fand ich die Methode, wie das umgesetzt wurde. Man wird als Leser direkt angesprochen. Du hast. Du bist. Du wirst. Aus psychologischer Sicht recht geschickt gemacht.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das Buch nicht wirklich überzeugen kann. Wie eine Familie in so einer Situation reagiert, ist sicherlich jedesmal anders. Grundsätzlich wird Bestürzung da sein und diese kommt deutlich spürbar herüber. Nur wird mir in diese Familie zu viel an Bestürzung hineingesteckt. Die oben erwähnten Optionen, kommen alle vor und man fragt sich, wieso das Umfeld so inkompetent ist.

Zudem ahnt man ab einem gewissen Punkt wer hinter allem steckt.

Ungefähr zur Hälfte des Buches weiß man es auch sicher. Dank eines offensichtlichen Hinweises. (Oder les ich einfach zu viele Bücher aus dem Genre und erkenne entsprechend solche Indizien immer sofort? Mh…) Ab da will man nur noch, dass man zum Punkt kommt. Denn es zieht sich unnötig. Wird langatmig und dezent langweilig. Was ich recht schade fand, da die Idee hinter allem mir noch neu und somit perfekt war für Spannungsliteratur.

Alles in allem kann man das Buch durchaus lesen. Man sollte nur nicht zu viel Spannung erwarten. Eher einen traumatischen Schicksalsschlag mit bösem Hintergrund. Ich werde entsprechend keine Empfehlung aussprechen. Dafür war es als Gesamtpaket zu fad und übertrieben dramatisch.

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Genre: Crime /: Dezember 2016 / Verlag: Harper Collins [bestell mich] / Seiten: 472 (TB) / Serie: Einzelband

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