good as gone, Cover

Das eigene Kind wurde entführt und nach 8 Jahren steht es als junge Frau vor der Haustür. Was würdest du machen?

Ihr um den Hals fallen? Sie mit Küssen übersähen? Nie mehr loslassen? Oder ihr mit Skepsis begegnen und fragen, ob sie beweisen kann, dass sie dein Kind ist. Sicher nicht. Dafür wäre die Freude und Erleichterung zugleich, viel zu groß. Du hast deine Familie zurück. Ein Glück, an welches du in dieser Form nie mehr geglaubt hattest. Nun schreiten die Tage dahin. Du fragst nach den letzten Jahren, willst wissen was passiert ist. Doch plötzlich sind da Fragen, die nicht auftauchen sollten und ein zarter Keim des Zweifels wächst in dir heran.

Ist das wirklich meine Tochter?

Zum Glück gibt es Psychologen. Und so schicken Anna und Tom, ihre älteste Tochter zu einer solchen und erhoffen sich mehr Einblick in den Kopf von Julie. Schließlich kann man Dinge verdrängen und verdrehen. Da kommt es automatisch zu Aussagen, die keinen Sinn ergeben. Daran glaubt Anna fest. Nur dummerweise zweifeln auch Außenstehende an der kuriosen Rückkehr. Ein Detektiv nimmt plötzlich Kontakt zu ihr auf. Er konfrontiert sie mit Fakten, die sie nicht wahr haben will.

Könnte dieser Mann mit seinen Behauptungen Recht haben?

Anna wird unruhig und forscht nach. Fast zeitgleich stolpert ihre jüngere Tochter Jane immer häufiger über seltsame Ungereimtheiten. Julie lügt, da ist sie sich sicher. Zumindest sind da so viele kleine Notlügen, die irgendwann nur schief gehen können und eine Wahrheit über die letzten Jahre aufzeigen, die keiner sich hat je vorstellen können. Bleibt die Frage nach dem Warum und ob sie wirklich die Person ist, die sie vorgibt zu sein.

Dieser Prozess des neuen Alltags und den Fragen, die ständig aufpoppen, dauert eine Weile an. Erst der besagte ehemalige Polizist bringt Licht ins Dunkel und lenkt Anna auf die richtige Fährte. Bis dahin ist man als Leser voll in der Materie drin und versucht vor den Eltern an die Wahrheit zu kommen. Was theoretisch geht, denn dank diverser Einblenden von fremden Frauen erfährt man Dinge, die die Eltern noch lange nicht wissen.

Lange vor der Auflösung ahnte ich, worauf alles hinauslief.

Dennoch blieb ich am Ball. Besser gesagt, ich versuchte am Ball zu bleiben. Denn wenn man nicht erkennt, auf was die Autorin hinaus will, fischt man ewig im Trüben und sucht vergeblich den roten konstanten Faden. Nicht fein so etwas. Das äußerte sich bei mir meist mit „in die Luft starren“ und einem extrem konzentrierten Zuhören, wobei ich öfters dachte, etwas überhört zu haben. Verwirrung ist gut und perfekt, aber man sollte es nicht übertreiben. Einfach mal unten einen Blick auf den Klappentext werfen und ihr versteht, was ich meine.

In den Kapiteln kommen die Eltern selbst – meist Anna – zu Wort. In den anderen geht es um besagte Frauen. Bis man verstanden hat, wie sie in das Gesamtbild passen, hat man zig Ansätze der Lösung parat oder eben auch nicht. Denn am Ende stimmte meine Vermutung, der jedoch ein fettes i-Tüpfelchen drauf gesetzt wurde, was nicht nötig gewesen wäre.

Letztlich ist die Thematik, die hier aufgegriffen wird, sehr brisant und bedarf mehr Redebedarf. Menschen, denen so etwas passiert, sehen die Gefahr dahinter meist gar nicht (oder viel zu spät) und tappsen blind hinein. Ich würde jetzt wahnsinnig gern mehr sagen, aber dann spoiler ich extrem und das will hier keiner 😉

Alles in allem fand ich die Geschichte gelungen. In manchen Punkten wurde zu sehr übertrieben. Ich hätte mich zum Beispiel mehr über Abschnitte mit Tom gefreut, der doch eine ganz andere Herangehensweise als seine Frau hat. Wer also mal ein Verwirrspiel der besonderen Art erleben möchte, sollte hier hineinhören! Blanken Nervenkitzel sollte man jedoch nicht erwarten, eher eine spannende Familientragödie.

good as gone


Genre: Unterhaltung / VÖ: Februar 2017 / Verlag: der Hörverlag / Serie: Einzelband


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