… mit Sketchnote.

„Bob Barnes sagt, sie haben draußen im BLM-Gebiet eine Leiche gefunden. Er ist auf Leitung eins.“ [Buchbeginn]

Walt Longmire ist seit mehreren Jahren Sheriff einer Gemeinde in Wyoming. Bis auf regelmäßige traditionelle Events mitsamt deren Betrunkenen und Randalierer, gibt es in der „Rentnerhauptstadt“ kaum aufsehenerregende Ereignisse. Zwar gibt es immer wieder kleine Meinungsverschiedenheiten mit dem benachbarten Indianer-Reservat und deren Bewohnern, aber auch das ist kaum nennenswert.

Entsprechend nimmt man den Anruf zunächst nicht sonderlich ernst. Eine Leiche? Das ist bestimmt ein Betrunkener, der in der Wüste eingenickt ist und sich im Koma-Schlaf befindet. Oder ein Schaf. Schließlich hat Bob eine Menge davon auf den Weiden und trinkt gerne ein Bierchen dabei oder zwei oder drei. Da kann man aus der Ferne schon einmal was verwechseln.

„Hallo Zuckerpuppe…“
„Hallo, Blödmann“, erwiderte die Stimme am anderen Ende der Leitung. „Es ist kein totes Schaf.“ Ich war verwirrt und brauchte einen Moment, bis ich begriff, was los war. Ich senkte die Stimme. „Was haben wir?“ (S.41)

Rasch ist jedoch sicher, das der gute Bob nicht gelogen hat und man wird sofort aktiv. Ermittler werden an den Fundort geschickt und letztlich wird klar, dass das Opfer Cody Pritchard heißt. Jener Cody hatte zusammen mit drei Freunden ein Indiandermädchen vergewaltigt. Der Vorfall hatte extreme Wellen geschlagen und nicht jeder war damals mit dem Strafmaß zufrieden. Will nun jemand den Rächer spielen?

Während man sich auf die Suche nach dem Täter macht – erste Ermittlungen richten sich natürlich gegen die Gegner der Vergewaltiger – schlagen sich die Bewohner mit dem Alltag herum. Weihnachtsbeleuchtung zum Beispiel. Oder aktuelle Footballspiele und eine Frau für Walt muss auch her. Nach dem Tod seiner Frau hat er sich ein wenig gehen lassen und sich in eine sichere Kapsel zurückgezogen, was dieses Thema angeht.

„Walt, wir müssen über ein paar Sachen reden.“ […] „Es gab mal eine Zeit, in der dieser Lebensstil angebracht war – der trauernde Witwer, der tapfer durch das Meer aus Depression und Pappkartons segelt. Danach die Ära des exzentrischen Gesetzeshüters. Aber jetzt, Walt, mein Freund, bist du nur noch ein Waschlappen.“
Ich griff meinen Kaffeebecher etwas fester und rückte meinen Bademantel zurecht. „Aber ein liebenswerter Waschlappen.“ (S. 79)

Die Wortspiele zwischen Henry, seinem guten Freund und Vic, seiner Deputy und Anwärterin des Sheriff-Postens sind einfach Gold wert. So handelt man sich einfach stupide einen Mordfall ab. Sucht Tatwaffe, Täter und Motiv. Sondern man kann den Charakteren bei ihrem Leben und ihrer Entwicklung zuschauen. Wie man an den Zitaten sicher schon gemerkt hat, berichtet Walt aus seiner Sicht. Somit ist man noch näher dabei.

Trotz der vielen alltäglichen Dinge, verliert man nie das eigentliche Ziel vor Augen. Denn die Welt ist ein Dorf, jeder hat irgendwie Dreck am Stecken, ob der für den Fall relevant ist, muss rausgefiltert werden. Ich selbst hatte immer ein paar Verdächtige im Visier. Konnte aber bis kurz vor Schluss – genau wie der Sheriff – nicht klar den Namen des Täters aussprechen.

Letztlich hat mich dieser Serienauftakt sehr gut unterhalten. Der Stil sowie das Flair von Craig Johnson erinnern an James Lee Burke. Man hat das Gefühl der gute Walt Longmire und Hackberry Holland hatten die gleichen Eltern und wurden bei der Geburt getrennt. Wer also den einen Sheriff mag, kommt um den anderen nicht herum.

Prädikat: Absolut lesenwert!


Genre: Crime / VÖ: Juni 2017 / Verlag: Festa Verlag / Seiten: 506 / Serie: Band 1 von 12

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