„Hälst du das für eine Art Warnung?“

„Ich glaube, es ist eher wie eine Eröffnung.“ (S.32)

Salem, Neuengland: drei tote Frauen, ein kleines Mädchen als Augenzeugin und eine bekannte Historikerin unter Mordverdacht – ein Fall, der nie ganz gelöst werden konnte. Auf den Tag genau fünfundzwanzig Jahre nach dieser unheilvollen Nacht, an Halloween 2014, wird wieder ein Mord verübt. Erneut wird Rose Whelan verdächtigt, der man damals jedoch nichts nachweisen konnte.

John Rafferty, Polizeichef in Salem, untersucht den aktuellen Fall und rollt im Zuge der Ermittlungen auch diesen berühmtesten Cold Case der Stadt wieder auf. Callie Cahill, das Mädchen, das damals verschont wurde und später Salem verließ, erfährt aus dem Fernsehen von dem Mord – und kommt zurück in ihre Heimatstadt, denn sie muss beweisen, dass Rose nicht die Täterin sein kann. Rose, die Frau, bei der sie aufwuchs, die ihr einst so nahe stand. Sie kann es einfach nicht gewesen sein – weder damals noch heute. Oder etwa doch? (btb)“

Nachdem man diese Inhaltsangabe gelesen hat, hat man sofort einen spannenden Krimi vor Augen. Da ist diese Frau und ein ungeklärter Mordfall, um den sich bis heute Vermutungen ranken. Plötzlich scheint sich alles zu wiederholen: Ein grausamer Mord zur Halloween-Nacht erschüttert Salem. Nun gut, wenn ein Kind ums Leben kommt, ist man immer schockiert. Vor allem, wenn es unschuldig ist. Allerdings ist unser Opfer gar nicht so rein und brav, wie man es erwarten würde.

Bevor das ans Tageslicht kommt, muss Rose einen Sturm an Erschütterung und Skepsis über sich ergehen lassen. Bei der Gelegenheit kramt Polizist John den alten Fall wieder heraus. Was wenn, jemand mit Rose spielt? Wenn jemand ihren Wahn und ihr Wissen über Hexen ausnutzt und von sich ablenken will? Sofort ploppen beim Lesen zahlreiche Optionen auf und man freut sich auf ein reges Hin und Her. Das kommt auch, nur anders, als erhofft. So kommt zum Beispiel Callie zurück. Neben Rose eine Überlebende der Morde von 1989.

Ab sofort ist man auf sie fokussiert.

Lernt sie als taffe, kluge Frau kennen, die dennoch mit den Erinnerungen von damals zu kämpfen hat. Schließlich kam ihre Mutter ums Leben. Doch anstatt, dass man sich nun in den Fall vertieft, schlendert man durch die Stadt und lernt Familien und deren Leben kennen. Ab diesem Punkt ist es wirklich ein Roman. Ich weiß, es steht Roman auf dem Buch drauf, aber die Erwartungen gingen leicht in eine andere Richtung.

Zudem geht man auf die Hexen und Banshee ein. Erklärt deren Entstehung, ihr Vorkommen und wie stark der Glaube an sie noch heute in den Menschen verwurzelt ist. Alles Dinge, die mich interessieren. Warum hab ich nun das Buch abgebrochen? Mir wurde schlichtweg langweilig. Die Bekanntschaften und Gespräche, sowie deren gesellschaftliches Ansehen passen perfekt in eine TV-Serie, aber nicht hier hinein. Zumindest für mich nicht.

Man dreht sich im Kreis. John – der Polizeichef – wirkt recht fad neben den zahlreichen starken Frauen. Man ahnt, in welche Richtung sich alles entwickeln wird und das Ende (was ich gelesen habe) bestätigt mich auch darin. Ob das Buch allerdings vorhersehbar ist, kann ich nicht sagen. Bis zu Seite 247 gibt es noch keine eindeutigen Hinweise, nur Vermutungen.

Letztlich war ich enttäuscht. Ich hatte mir eine unterhaltsame Lektüre mit und über Hexen erhofft. Bekam aber eher ein Drama präsentiert, das mit den Elementen der Banshee spielt und wo sich zu schnell eine Alltagsroutine einstellte.


Genre: Roman / VÖ: Juni 2017 / Verlag: btb / Seiten: 608 /  Serie: Einzelband

weitere Kritiken: buecherleser, analog2.0 ,…

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