Bitte diese Kritik nur lesen, wenn ihr den ersten Teil „Staub und Blut“ von Wedora gelesen habt. Sonst besteht ungewollte Spoilergefahr!

 

„Bleibt dicht zusammen.“ Vimith kniete auf dem Boden, presste eine Hand in den nassen Dreck. Am Nachmittag waren kräftige, kurze Schauer niedergegangen, die dem Waldboden Feuchtigkeit spendeten und ihn kühlten. Vimith spürte die Magie, die in der Erde pulsierte und lebte, ohne dass er sie einzuordnen vermochte. „Das wird kein Spaziergang.“ [Beginn Kapitel 1]

Dem kann ich Vimith nur zustimmen. Alles was auf den folgenden Seiten passiert, wird für keinen der dortigen Charaktere kein Spaziergang. Ganz im Gegenteil. Oft kommt man an seine Grenzen und muss äußerst kreativ werden, um zu einem Ergebnis zu kommen. Wie viele Leichen dabei den Weg kreuzen, kommt wirklich auf die Situation an und nicht jeder möchte für sein oder das Wohl anderer töten.

Aber von vorn. Tomeija und Liothan sind immer noch am Leben und befinden sich immer noch der Wüstenstadt Wedora. Fernab ihrer ursprünglichen Heimat Telonia, ein Königreich, das hier niemand zu kennen scheint. Hatte man anfangs noch das Gefühl, dass die beiden dringend zurück wollen, legt sich nun dieser Wunsch. Es scheint, als habe man sich mit seinem Schicksal abgefunden und sucht nun seinen Platz in der Gesellschaft. Oder trügt der Schein?

Tomeija blüht förmlich auf und steigt rasch zu einer angesehenen Person der Stadt auf. Man legt Wert auf ihr Wort und behandelt sie entsprechend. Dabei geht sie auch Freundschaften der etwas seltsamen Art ein. So ist ab sofort Irian, ein ehemaliger Soldat, der Kontakt zu Geistern aufnehmen kann und eine Vorliebe für rohes Fleisch – besonders Herzen – hat, ein guter Vertrauter. Besser einen Kannibalen als Freund, als als Feind, denkt man an dieser Stelle.

Liothan hingegen steigt eher herab. In die Katakomben der Wüstenstadt. Und macht sich bei den Rebellen einen Namen. Ob das eine gute Entscheidung ist? Zwar erlangt auch er Ansehen, doch seine Verbündeten, haben nicht nur das Wohl der Bewohner im Sinn. Und ob er mit seinen angeblichen magischen Künsten wirklich alle von seinen guten Absichten überzeugen kann, ist eh fraglich.

„Er fühlte sich in seinem Element, wie damals in Walfor, in seinem Dasein als Halunke und Dieb, das ein ganzes Leben zurücklag.“ (S.316)

Als wären die persönlichen Probleme der beiden nicht schon turbulent genug, kommt noch eine weitere Komponente hinzu: Außerhalb von Wedora scheint sich ein Krieg anzubahnen. Dabei werden Gerüchte laut, dass ein mächtiges Element zum Einsatz kommen soll, was tödlich für eine Stadt ist, die auf Sand steht: Wasser. Um dagegen ankommen zu können, muss man sich zusammenschließen und verbünden. Das ist jedoch bei den ganzen verfeindeten Stadtteilen gar nicht so einfach.

Während man eine zufriedenstellende Lösung sucht, macht man als Leser immer wieder kleine Abstecher nach Telonia. Denn auch dort herrscht kein Frieden, seitdem unsere beiden Helden von dort verschwunden sind. Ganz im Gegenteil. Magie überrennt die Wälder und eine Art unterirdische Sandwalze frisst minütlich das Grün von der Landkarte. Vor allem die Söldnerin Atha und der König Acurias kommen hierbei zu Wort.

Ich hätte gerne mehr von diesen Abstechern gehabt. Denn irgendwie ging es dort abwechslungsreicher und spannender daher, als in Wedora selbst, wo man erst durch Dialoge seinen Standpunkt klar machen muss, bevor man zur Tat schreitet. In Telonia muss man sofort zum Schwert und der Magie greifen, sonst ist man ein toter Mann. Vor allem Atha hat sich dabei still und heimlich in mein Leserherz geschlichen.

Was natürlich nicht heißt, dass ich die anderen Ereignisse langweilig fand. Mich haben sie nur nicht so in den Bann gezogen, wie im ersten Band. Gerade die Abschnitte um Liothan und seine zeitweise echt naiven Handlungen konnten mich nicht hinter dem Ofen herlocken. Dann lieber die Kombination Tomeija und Kannibale Irian! Ihre Begegnungen machten immer wieder Spaß.

Letztlich habe ich das Buch gerne gelesen. In einem Ranking versackt dieser Teil aber eindeutig hinter dem ersten Band. Zudem wurden dort Andeutungen gemacht, die hier leider nicht mehr aufgegriffen wurden. (siehe die Wüstenechsen) Sprachlich kann jedoch man nicht meckern. Ein Abschnitte folgt auf den Nächsten, durch kurze Überschriften verliert man nie den Überblick und weiß genau, wo man sich gerade befindet.

Wer Lust auf High Fantasy hat, in eine Welt, die einem sehr bildlich und glaubhaft vor Augen geführt wird und zwei Personen kennen lernen möchte, die charakterlich wie Katz und Maus sind, sollte zugreifen. Wer es schlicht und realistisch mag, sollte die Finger davon lassen.


Genre: Fantasy / VÖ: 2017 / Verlag: Droemer Knaur / Seitenzahl: 649 / Serie: 2 von 2

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