Fünfzehn unheimliche Geschichten, dreimal kurz kommentiert

Bereits zum vierten Mal hat der Luzifer Verlag mit Andreas Gruber einen Kurzgeschichtenband herausgebracht. Man könnte nun auf den Gedanken kommen, dass Gruber sehr gerne short stories schreibt. Mmmh, ob man damit richtig liegt? Zwar sind nicht alle neueren Datums, sondern kommen teilweise noch aus den Kinderschuhen seiner Autorzeit, aber selbst die brauchen sich nicht hinter den frischen Jungspunten zu verstecken.

Hier widmet sich der Autor wieder dem Horror, was er bereits in „northern gothic“ gemacht hat. Um einen kleinen Einblick zu geben, habe ich drei Geschichten näher unter die Lupe genommen. Sie repräsentieren komplett unterschiedliche Nischen des Gruselgenres und wissen dennoch zu unterhalten. Die Jahreszahl hinter dem Titel gibt hierbei nicht die Epoche, sondern das Schreibjahr an.

„Die Testamentseröffnung“ (1999)

Wir schreiben das Jahr 1869 und finden uns in einem kalten, verregneten Wien wieder. Erich von Habitz reist in einer Kutsche zu einem Notar, um den letzten Willen seines kürzlich verstorbenen Vaters zu vernehmen. Anfangs klingt alles nach einer normalen Erbschaft. Doch da gibt es noch die zweite Hälfte des Testaments, die die letzten Tage eines Mannes wiedergibt, der scheinbar nicht aus ganz freiwilligen Stücken von den Lebenden gegangen ist.

Wer den alten gotischen Stil des Horrors mag, ist hier perfekt aufgehoben!

„Willkommen in Seikersdorf“ (2008)

Sabine ist Reporterin und möchte über das ortsansässige Unternehmen „Genetic Industries“ berichten. Eigentlich kein großes Ding. Aber ihr Chef ist dagegen. Ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt, von der Scheidung und dem plötzlichen Verschwinden ihres Bruders Michael erzählt und schon darf sie losdüsen. Michael hatte einst in dem Unternehmen gearbeitet und ist wie vom Erdboden verschluckt. Dem will sie auf den Grund gehen und betritt dabei gefährliches Terrain.

Grusel in der Wissenschaft. Das hat definitiv was!

„Amazon.jp“ (2014)

Otto ist österreicher Autor und zusammen mit seiner Frau Elisabeth, begibt es sich auf eine Werbetour nach Japan. Herzlich werden die beiden empfangen und lernen das Land mit seinen Sitten und Bräuchen auf eine ganz eigene Art kennen. So gibt man sich höflich und lächelt. Bedankt sich, fragt, möchte mehr, bedankt sich und möchte noch mehr. Schließlich gilt ein direktes „Nein“ als unhöflich. Ob Otto weiß, auf was er sich da eingelassen hat, als er eine Haarlocke spendet und man mehr möchte?

Ein witzig makaberer Einblick in die Autorenwelt & Japan.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem kurzem Einblick Lust auf das Buch machen! Das sind ein paar meine absoluten Favoriten gewesen, die mich erstaunt, unterhalten und gegruselt zugleich haben. Dabei möchte ich direkt vorweg nehmen, dass es keine Abstecher in den Splatterbereich gibt. Auch, wenn es diverse Andeutungen gibt. Zerfetzte Kadaver und blutrünstige sexgeile Monster dürfen sich nicht ausleben. Was natürlich kein Manko ist.

Im direkten Vergleich mit northern gothic nehmen sich beide Sammelausgaben nichts. Auch hier gab es Geschichten, die mich nicht gepackt haben. Leider auch direkt zu Beginn, sodass ich anfangs etwas ernüchtert war. Zum Glück legt sich das rasch und ich konnte eine deutliche Steigerung erkennen. Man wandert wieder über querbeet den Kontinent und begleitet Männer und Frauen gleichermaßen durch ihre schaurigen Erlebnisse.

Wer Andreas Gruber mag, kommt an dieser Ausgabe nicht vorbei. Wer sich dazu noch gern etwas gruselt, sowieso nicht. Lobend kann ich auch wieder die kurzen Vorworte vor der jeweiligen Story hervorheben. So erfährt man ein wenig über den Ursprung der kommenden Zeilen und sieht, wie viel autobiographisches versteckt ist.

Prädikat: Liebhaber von Kurzgeschichten, kommen voll auf ihre Kosten!


Genre: Crime/Horror (soft) / VÖ: 2017 / Verlag: Luzifer Verlag / Seiten: 385 / Serie: Einzelband

gelesen in einer LR auf lovelybooks.de

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