„Manelle war gereizt, wie jedes Mal, kaum dass sie über die Schwelle von Marcel Mauvigniers Wohnung trat. Der Kerl schaffte es doch jeden Tag aufs Neue, sie auf die Palme zu bringen.“ (Buchbeginn)

Alte Menschen, die sich langweilen und nur Flausen im Kopf haben. Jeder ist sicher schon einmal so einem Exemplar über den Weg gelaufen oder vielleicht gibt es diesen Typus auch in der eigenen Familie. Manelle Flandin begegnet ihnen jeden Tag. Erfreut sich an ihren gemeinsamen Stunden mit ihren Lieblingen oder zählt genau die Minuten, bis sie die griesgrämigen Herrschaften wieder verlassen kann. Aber egal, wie viele Steine man ihr in den Weg legt, sie versucht stets das beste daraus zu machen und kontert auf ihre ganz eigene pfiffige Art und Weise.

Einer ihrer besonderen Kontakte ist Samuel Dinsky. Gute 82 Jahre alt, strahlt er mit seiner Haushaltshilfe jedes Mal um die Wette. Diese Momente sind für beide etwas ganz persönliches und so wundert es auch nicht, als Manuelle nach der niederschmetternden Diagnose von Monsieur Dinsky, aus allen Wolken fällt. Nur noch wenige Wochen bleiben dem alten Herrn zu leben. Daher plant er eine letzte Reise in die Schweiz.

„Neunzig Tage… so lange benötigte der Parasit also, um seinen Wirt zu töten. Die Dauer eine Jahreszeit. Die Zeit, die ein Embryo benötigt, um zum Fötus zu werden. Die Laufzeit eines Touristenvisums. Länger als eine Reise um die Welt mit Jules Verne.“ (S.116)

Als Gegenpart zu den lebenden Seelen, haben wir Ambroise Lanier. Der junge Mann hat einen ganz eigenwilligen Beruf, der bei so manchem ein extrem gefurchtes Stirnrunzeln hervorruft. Er ist Leichenpräparator. Mit viel Liebe zum Detail, richtet er kürzlich verstorbene Mitbürger ansehnlich wieder her und haucht ihnen sprichwörtlich Leben ein. Gemeinsam mit seiner Großmutter lebt er in einer Wohnung und bekommt nicht nur die Ergebnisse ihrer Kochkünste hingestellt, sondern auch den Rückhalt, den er von seinem Vater nicht bekommt.

Und nun kommt Samuel Dinsky daher und stellt den Tagesablauf aller auf den Kopf. Er hat ein Ziel vor Augen, Manuelle kennt dieses Ziel, Ambroise ahnt von alledem nichts, Manuelle denkt aber, dass er es weiß und wissentlich handelt. Mittendrin wusselt noch Großmutter Beth umher und versucht über alle die Wogen zu glätten. Ob das klappt oder reinstes Chaos entsteht? Fakt ist auf jeden Fall: Es wird unterhaltsam!

„Siehst du eine Julie eigentlich noch?“, erkundigte sie [Beth] sich mit Unschuldsmiene, während sie die Pfeffermühle über den Topf drehte.  Nein, Ambroise sah Julie nicht mehr. So wie er Manon, Lise und Laurine nicht wiedergesehen hat.“ (S.39)

Die vier geben sich lustige Wortgefechte auf ihrem Weg in die Schweiz. Öfters musste ich schmunzeln und verfolgte das Geschehen von Seite zu Seite mit Interesse. Schließlich will man wissen, wie denn nun alles endet! Dass da noch ein großer Hammer fallen wird ist klar. Aber wann, wie und wo! Neben dem Charme er Figuren, geht es natürlich um in ernstes Thema. Immer und überall schwebt der Tod sanft mit umher und begleitet die Ereignisse.

Da die Seiten recht großzügig bedruckt sind und viel Platz gelassen wird, hat man die knapp 250 rasch verschlungen und lässt das Quartett wieder ruhen. Dennoch fühlte ich mich absolut unterhalten und vermisse die Vier sogar ein wenig. Schade fand ich lediglich, dass gegen Ende ein Punkt geschieht, der mit zu klischeelastig war. Zwar ahnt man gewisse Punkte irgendwann, trotzdem hätte dieser Moment nicht sein müssen. Zudem kommt man recht spät zu Potte. Die eigentliche Reise nimmt weniger Platz ein, als man erhofft hat.

Prädikat: Kurzweilige, aber unterhaltsame Lektüre!


Genre: Roman, Schicksal / VÖ: September 2017 / Verlag: dtv premium / Seiten: 255 / Serie: Einzelband

weitere Kritiken: Lotta,

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