Weiter geht es heute HIER mit der zweiten Diskussionsrunde!

Die nächsten knapp 200 Seiten sind gelesen und wir konnten vieles Neues erfahren, aber auch viele weiter offene Stränge tummeln sich in der Geschichte. Bevor ich mit den Details weitermache:

> Wer diesen Abschnitt (Kapitel 20 bis 36) noch nicht gelesen hat, sollte auch nicht weiterlesen! Es besteht Spoilergefahr!

Mikami geht energisch dem Koda-Memo auf die Spur. Nachdem die Pressemeute nicht den Aufstand gemacht hat, wen man erwartet hatte, verläuft dieser Strang rasch in Sande. Stattdessen muss sich Mikami um Amamiya kümmern. Der alte Mann soll endlich zustimmen. Der Druck von Oben wächst ständig. Überraschenderweise macht er das auch. Bei seinem zweiten Besuch. Ob seine Gefühle der Auslöser waren? Ich bin gespannt, wie sich dieses Interview entwickelt. Unser besorgter Pressesprecher ahnt ja nichts Gutes.

Zurück zu Koda. Darin verbeißt sich Mikami extrem und auch wir als Leser wollen natürlich wissen, was es damit auf sich hat. Zumal Koda wirklich extrem abgeschottet lebt. Als ich von den Umständen erfahren habe, war ich wirklich entsetzt. Da versucht man wirklich mit allen Mitteln den kleinen Mann als Sündenbock hinzustellen und ihn das auch spüren zu lassen. Dazu kommt noch der Maulkorb, der scheinbar allen verpasst wurde. Hat man so extrem Angst um sein Ansehen?

In den ganzen Ereignissen scheint die eigentliche Sorge von Mikami unter zu gehen. Seine Frau Minako haust weiterhin in ihrem Nest. Abgeschottet. Ohne einen Laut von ihrer Tochter zu hören. Aber immerhin telefoniert sie nun. Ein Schritt zur Besserung? Dann die Details zur Beziehung der Beiden. Man fühlte sich ihnen sofort etwas näher und war überrascht über den Gefühlsausbruch. Und das direkt zweimal hintereinander. (am Schrein und dann das Telefonat).

> Offtopic zur Presse in Japan

Da das Thema letzte Woche vermehr aufkam in den kleinen Diskussionsrunden zum Buch: Ja, die Pressearbeit in Japan verläuft komplett anders. So ist Japan auf der Rangliste der Pressefreiheit seit dem Atomunglück in Fukushima z.B. extrem nach unten gerückt. Man vertuscht, beschönigt, verheimlicht und behindert die Arbeit der Journalisten. Kritik an der Regierung oder dem Kaiserhaus gibt es so gut wie keine (1). So wurde 2013 ein Gesetz erlassen, dass den Schutz von Staatsgeheimnissen gewähren soll und zwar für 60 Jahre. Wer sich nicht daran hält, dem drohen schwere Strafen (2).

Passend zum Buch noch ein paar Infos zu den Presseclubs: Es gibt ca. 800 Presseclubs, zu denen nicht jeder Zutritt hat. Diese liegen meist in den Gebäuden der Regierung, am Kaiserhof oder Großindustrie. Alle dort akkredierten Journalisten arbeiten Vollzeit, für ihren Club. Jeder gibt nur das preis, was er berichten darf. Nicht mehr. Man könnte seinen Job sonst verlieren (3). Da hätten wir also den Maulkorb, den wir auch in “64” zu spüren bekommen. Zum Glück rebelliert man dagegen, bisher hat sich aber nicht viel getan in Japan.

Wer mehr zu dem Unglück und der Vertuschung in Fukushima erfahren möchte, sollte sich den Manga “Reaktor F1” näher anschauen. Auch wenn man sonst keine Manga zur Hand nimmt. Es lohnt sich! Zumal Japaner gerne in zeichnerischer Form ihre Gedanken und Eindrücke festhalten. Was sie nicht laut aussprechen können, bringen sie eben zu Papier.


Die Fragerunde:

(1) Das Geschehen schreitet voran. Wie sind nun eure Leseeindrücke? Hat sich der Lesesog verbessert, verschlechtert oder ist gar gleich geblieben?

 

(2) Das Koda-Memo. Der heilige Gral der Polizei. Was haltet ihr von dem Trubel um das Papier? Haltet ihr es seitens der japanischen Polizei für nachvollziehbar oder eher albern und man soll endlich Farbe bekennen?

 

(3) Am Ende dürfen wir in die Gefühlswelt von Mikami abtauchen. Hat euch dieser Abstecher, in seine menschliche Seele, gefallen?

 

(4) Ist euch inzwischen ein Unterschied zu den typisch amerikanisch/europäischen Krimis aufgefallen?

 


Unsere aktuellen Teilnehmer (sollte jmd fehlen, bitte melden!)

  1. Sebastian @ Büchermonster (Twitter/Instagram/Facebook)
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Quellen:

(1) Reporter ohne Grenzen
(2) Asienspiegel.ch
(3) taz.de


Und nun husch, fein Kommentare da lassen

7 thoughts on “|Aktion| “Diskussionsrunde 2” #WirLesen64

  1. Hey da bin ich hier ja richtig :-)
    Aaaalso, der zweite Abschnitt hat sich für mich super lesen lassen. Es kommt endlich Spannung auf und all dieses Geschehen macht mich irre neugierig.

    Nun mal zu den Fragen
    1)huch, hab ich ja mit der Einleitung schon erzählt. Ich habe diesen Abschnitt deutlich schneller lesen können. Zwar gibt es immer noch viel Drumherum und scheinbare Belanglosigkeiten aber mich hat das Buch gepackt.

    2) das Koda- Memo, sieh an es existiert doch. Hier fand ich die Wendungen sehr anregend. Der ‘untergetauchte’ Koda. Schon irre was für Verstrickungen da herrschen und vor allem was der Staatsapparat doch für eine Macht hat. Hier lasse ich mich mal überraschen ob das mit dem Fehler auch genauso war und was bei dem Besuch des Obermotzes raus kommt.

    3) Mikami kam mir von Anfang an sehr emotional rüber. Ich mag ihn schon, seine Seelennöte wegen der Tochter und der Frust um diese Beförderungen sind nachvollziehbar. Diese Szene an dem Altar war sehr überraschend, gut geschildert aber mich selbst es es nicht so berührt, dafür war es zu nüchtern beschreiben.

    4) amerikanische Krimis/Thriller = Knall, Bum, Peng, Raufen, Schlagen, coole Typen die saugut aussehen und mega taffe Frauen. Kaffee, Bier und Serienkiller. Was vergessen?
    Japanische = Kultur, Anstand, Moral, Ethik, Respektbekundungen. Viele Details zum täglichen Allerlei und jede Menge Sitten. Aber auch diese Täuschungen und das von Staates wegen Vorgegebene und viele Zwänge.
    Ich mag beide Richtungen ziehe aber die japanischen vor ;-)

    So, weiterlesen. Bis bald. Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Freut mich zu lesen, dass es dir so gefällt und dass du als Nachzüglerin so gut mit uns mithalten kannst :D
      Ich find das Koda-Memo auch einen interessanten Aspekt, dachte anfangs an einen “Mythos”. Bin gespannt, was da noch ans Tageslicht gezerrt wird!

      deine Antwort zu Frage 4 trifft es recht gut. Genau das mag ich bei den japanischen Krimis: Die Kultur und die Ruhe!

  2. Soo nun habe auch ich den zweiten Leseabschnitt geschafft. Irgendwie scheint die Leserunde ein bisschen geschrumpft zu sein. Das ist schade, denn jetzt nimmt die Geschichte doch erst Fahrt auf.

    Nun zu den Fragen:

    (1) Ich habe auf den ersten 200 Seiten Kaisu wohl ziemlich fertig gemacht mit meinen Kommentaren zum Buch, denn die Geschichte entwickelte sich nur schleppend und das Pressesystem ist ziemlich fragwürdig. Vielen Dank an dieser Stelle für deine Geduld und nun auch für die Erläuterung zum System in Japan. Ich dachte Japan wäre ein bisschen Fortschrittlicher.

    Nun bei Seite 300 angelangt nimmt auch die Geschichte Fahrt auf und der rote Faden wird stärker verfolgt. Ich bleibe also dran und lese mit Neugierde weiter.

    (2) Das Koda-Memo. Meine Güte geht es dort im Hintergrund heiß her. Kann man denn jetzt überhaupt noch Farbe erkennen ohne das einem alles um die Ohren fliegt? Bei uns wäre es sicher ein Skandal und in Japan für die Presse ein gefundenes Fresschen, um das Pressesystem der Polizei ziemlich durcheinander zu bringen.

    (3) Ich finde das “die Gefühlswelt” von Mikami irgendwie merkwürdig ist. Dies ist der Grund warum ich auch nicht unbedingt mit dem Charakter sehr warm werde. Er wechselt häufig seine Meinung, er verhält sich echt komisch gegenüber seiner Frau und dann fängt er plötzlich an zu flennen wie ein Schlosshund. Und was hat er bloß immer mit seinem Äußeren??? Es ist schon ein sehr komischer Kauz, dem ich öfters nur kopfschüttelnd folge. Aber dies ist auch der Grund, warum das Buch viel “Tiefe” hat, denn wer ist denn perfekt und fällt nicht immer mal wieder falsche Entscheidungen.

    (4) Naja, das Polizeisystem funktioniert vollkommen anders. Und auch die Sitten sind nun mal komplett unterschiedlich. Vielleicht kann ich nach dem Ende die Frage besser beantworten.

    Alle weiteren und ausführlichen Leseeindrücke von mir können auch in meinem Lesetagebuch nachgelesen werden:

    https://moonysblog.wordpress.com/portfolio/ich-lese-64-von-hideo-yokoyama-lesetagebuch/

    Viele Grüße

    Moony

    1. Ich fang mal hinten an:
      In Japan ist das Äußere sehr wichtig. Daher liegt wohl der Fokus so darauf. Zudem der Vorwurf, dass wegen seiner Optik, seine Tochter leiden musste und abgehauen ist. Es ist ein Teufelskreis.
      Bei den Heulanfall, muss ich dir zustimmen, den fand ich auch etwas kurios… das war aber auch der einzige Moment, wo ich gestutzt habe, der Rest ergibt sich aus seiner inneren Unruhe und dem Versuch es ALLEN perfekt zu machen… das kann nur schief gehen!

      Das Koda-Memo wäre was für die Bild XD

      Du hast mich nicht fertig gemacht, wollte nur nicht, dass du das Buch so schlecht siehst. Wo du noch gar nicht so viel gelesen hattest :D
      Und bitte gerne: Ich war bei der Presse-Recherche aus sehr überrascht. Dass es so schlecht um den Journalismus steht, hätte ich dann doch nicht gedacht :/

      Och, es sind schon noch einige dabei, nur kommentiert man nicht so fleißig :D
      Der harte Kern bleibt standhaft! Wuhu!

      1. Hallo,

        das in Japan das Äußere so wichtig ist, war mir auch nur so halb bewusst. Die Reaktion von Ayumi kann ich auch noch voll und ganz nachvollziehen, zumal es ja sogar vom Therapeut eine Diagnose dazu gab und man weiß ja selbst wie sehr Mädchen in ihrem Alter auf das Äußere achten, allerdings hätte ich nie gedacht, dass die Herren in Japan auch so drauf sind. Die Szene in dem Haus des einen Direktors mit dem kleinen Mädchen macht aus europäischer Sicht ein Monster aus Mikami. Wie furchtbar muss er denn aussehen, dass ein kleines Mädchen(!) über ihn lacht, oder was hat er für ein schlechtes Selbstwertgefühl, dass er sich das einbildet. Ein bisschen kurios.

        Ich finde das Buch nicht schlecht, nur es wird nicht mein Favorit. Aber ich fand auch den letzten Teil von “Herr der Ringe” nicht besonders gut. Da werden mir wohl auch nur wenige zustimmen. ;) Es ist ein Polit-Thriller für eine ganz spezielle Leserschaft würde ich so sagen. :)

        Nun bin ich sehr auf den letzten Teil des Buches gespannt, wurde er doch von euch allen der Leserunde auf Twitter so gelobt!

        Viele Grüße

        Moony

      2. Das Thema mit dem Äußeren hat mich auch sehr beschäftigt. Mikamis Nervenkostüm dürfte nach Ayumis Verschwinden ziemlich im Eimer sein, wenn es um Optik geht. Macht sich also jemand um sein Äußeres lustig, ist das wie ein Tritt in die Nieren und ein Reminder daran, dass sich Ayumi öfter so gefühlt hat.

        Ich empfinde die Konzentration auf Äußeres in Japan recht stark – wird meckern bereits über Photoshop auf Bildern etc und ich finde das in Japan ein wenig ärger. In Japan geht das so weit, dass junge Frauen in Läden oder im Service bewusst höher sprechen, um damit ein weibliches Ideal zu erfüllen. Die Zeitschriften sind voll mit glatt gebügelten Frauenbildern und der Idol-Kult geht ganz arg auf puppig und süß. Die gesellschaftliche Norm steht unglaublich auf Uniformität und bei Frauen gehört adrett mit dazu. Diesen Gesamtdruck hat man dann schon als Grundlage. Dass das bei jungen Mädchen arge Probleme gibt, kann ich mir bestens vorstellen. Und gerade Ayumis Mutter ist ja ausgesprochen hübsch (an einer anderen Stelle wird sie als eine Art Maskottchen der Abteilung beschrieben). Ayumi hat also genau vom “falschen Elternteil” die Gene abbekommen, wenn man die harte Normung zugrunde legt, und bekam das jeden Tag vor Augen geführt.

      3. Genauso nehm ich es auch immer war, wenn ich japanische Filme, Bücher, Manga, etc konsumiere. Aber auch viele junge Menschen, die in Japan leben, bestätigen dieses Bild immer wieder.

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