Kleine Ereignisse aus meinem Berufsleben. Charmant verpackt. Meistens.

… es ist schon wieder einen Monat her, dass ich dir von mir erzählt habe. Ob man das jetzt positiv auslegen könnte? Ich hatte nichts von der Seele zu reden und war glücklich mit meiner Welt oder lag es vielleicht an meiner mangelnden Zeit? Oder es war ganz anders und mich haben die Dinge des Alltags nicht mehr überrascht, sondern eher bestätigt? Fest steht, dass es jede Woche neue Überraschungen gibt. Wie dieser Fall zeigt:

„Ich kann meine Zimmertür nicht öffnen.“
„Sie haben die Karte reingesteckt und wieder rausgezogen?“
„Jaha!“ eifriges Kopfnicken

Ich nicke ebenfalls lächelnd. Ein bekannter Fall von „Nein, hab ich nicht, aber ich trau mir nicht meinen Fehler einzugestehen und greife spontan zu einer kleinen Notlüge.“

„Und das Lämpchen leuchtet grün?“
„Nee, rot!“
„Ich begleite sie kurz nach oben. Rote Lämpchen sind nie gut.“

Wenn die Zeit da ist, mache ich gerne den Begleitdienst. Ansonsten reicht eine Erklärung und der Hinweis „Wenn nicht, komm ich gleich mit hoch!“ drohender wedelnder Zeigefinger a la Muddi hilft dir gleich Und schon ward der Gast erst abends wieder an der Bar gesehn und alles ist fein und funktioniert suuuper!

Vor dem Zimmer angekommen. Ich mache in einem Schwung die Tür auf, drücke dem verblüfften Gast lächelnd die Karte in die Hand: „Und jetzt sie.“
„So…Karte rein… Raus…und Klinge drücken.“
„Das ist richtig, nur schneller und die Karte nicht solange stecken lassen.“
„Aber das geht ja gar nicht so schnell mit einer Hand.“

Ich schaue den Herrn stirnrunzelnd an und mein Blick fällt auf die Reisetasche in seiner linken Hand.
„Joah, wenn se die Tasche abstelln und beide Hände benutzn, klappt dat sicher wuuuuunderbar.“
Verschmitztes Lächeln „Da haben sie recht. Aber so ist es bequemer.“

Menschen!

Aber, liebes Tagebuch, heute möchte ich nicht nur lästern. Nein! Denn es gibt auch positive Beispiele. Gäste, die verkniffen, verschlafen und erschöpft zugleich zur Tür hereinkommen. Wo man am liebsten das Bett direkt zur Rezeption tragen möchte, damit sie vor Müdigkeit sich direkt hinlegen können. In dem Fall kam es etwas anders. Man begrüßte sich, der Name wurd gemurmelt, der Meldeschein stillschweigend ausgefüllt und bei der Unterschrift raunte man mir plötzlich ein trockenes „Waschmaschine?“ entgegen.

„Nein, Trockner.“, antwortete ich genauso nüchtern zurück. „Waschmaschinen waren anfang des Jahres im Angebot.“
„Ach, so, ich hatte schon gedacht.“

Und schon war da diese Lächeln im Gesicht, man plauschte miteineinander, wünschte sich noch einen schönen Abend und dann kam der Spruch, der jeden das Herz aufgehen lässt: „Danke für den lustigen Check-In. Genau das hab ich jetzt gebraucht.“ Hach <3 Da liebt man seinen Job doch wieder. Für einen Moment. Den Rest des Tages. Zumindest.

Bis zum nächsten Mal, liebes Tagebuch!


Falls einer den Witz mit der Waschmaschine nicht verstanden hat, folgt eine kurze Aufklärung: Auf jedem Meldeschein stehen kleingedruckt die Hinweise, dass die Daten nicht missbraucht werden und dem Hotel als Information dienen und nicht als Werbeträger genutzt werden. Anmeldepflicht in Deutschland. Da aber kaum einer das liest oder lesen möchte, fragt man wie immer bei dem Kleingedruckten gern nach, was man da jetzt kauft.


Um es frei nach den Worten eines Autors zu sagen (suche noch, wer es war): 
Alle Figuren und Ereignisse sind frei erfunden, bis auf die, die es nicht sind.