„Ich will keine Angst verbreiten!“, gab sie scharf zurück. „Ich will die Wahrheit verbreiten, die mir gezeigt wurde! Dieser Ort ist verflucht! Ihr wisst es, ich weiß es, jeder mit Verstand weiß es!“ (S.77)

Hexen! Wie lange habe ich schon nichts mehr zu dieser Thematik gelesen? Verdammt lange! Daher bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe dieses feine Hardcover-Büchlein bei mir einziehen lassen. In einer kleinen Leserunde wurde es nun die Tage verschlungen und ich kann ein erstes kurzes Fazit abgeben. Warum kurz? Dieser erste Band, ist nur die Häfte des ersten Bandes im Original und somit bleiben natürlich einige Fragen offen.

Worum gehts?

Richter Isaac Woodward und sein Gerichtsdiener Matthew Corbett werden in das kleine beschauliche Örtchen Fount Royal zitiert. Es geht um einen Hexenprozess, der rechtmäßig ablaufen soll. Die Fakten liegen alle auf dem Tisch, Woodward soll nur noch den Finger des Gesetzes darunter setzen und alles absegnen. Doch irgendwie ist dann doch nicht alles so eindeutig, wie geglaubt wird.

Vor allem Matthew – der dem Buch auch seinen Titel gibt – schießt hier quer und ist von der Unschuld der Frau überzeugt, die als Hexe hingerichtet werden soll. Dumm nur, dass ihm scheinbar keiner glaubt oder den Mum aufbringt sich ihm anzuschließen und so macht er sich auf eigene Faust los. Das ist allerdings auch keine so gute Idee, denn natürlich bleibt seine Schnüffelei nicht unbemerkt und hat sehr ernste Konsequenzen für ihn.

„Ich bin erst zufrieden, wenn alles passt und einen Sinn ergibt. […]“ (S.275)

Wie oben schon angedeutet, kommt es in diesem Band nicht zur Auflösung aller Fragen. Einige werden beantwortet und manche tauchen neu auf. Somit müssen wir den zweiten Teil abwarten und hoffen, dass dort zumindest alle relevanten Dinge geklärt werden. In der Hinsicht gibt es daher noch keine Beurteilung von mir.

Positiv gefällt mir der Schreibstil. Vor allem in der Anfangsszene, wird einem klar, was der Autor kann und welches Potenzial in ihm steckt. Man hat wirklich das Gefühl sich in jener rauen Zeit zu befinden, wo man erst am Anfang von menschlicher Hygiene steckt und eher das raue, wilde Tier in einem zum Vorschein kommt, als der moderne Homo Sapiens.

Zudem will man die ganze Zeit wissen, wie es weiter geht. Also auch in den Momenten wo man sich kaum von der Stelle rührt, weil neue Faktoren dazu kommen, die man so nicht erwartet hat. Also weder die Charaktere, noch man selbst als Leser. Weil ein gerader Weg wäre zu simple und vorhersehbar. In die Karten schauen lässt sich der Autor aber auch nicht. Es bleibt komplett vage, wer oder was der Täter hier in dem Buch ist.

Schade fand ich die Momente, wo man über Ungereimtheiten gestolpert ist. Das mag an der Übersetzung liegen oder am Original selbst. Blöd ist nur, wenn einem Dinge auffallen, die nicht so recht in die damalige Zeit passen wollen. Sei es das Alter mancher Charaktere oder gewisse Bezeichnungen bzw. Wörter. Zudem hätte ich mir mehr Pepp gewünscht. Genau SO, wie man es auf den ersten Seiten vorgeführt bekommen hat.

Ende vom Lied?

Ich bleibe am Ball! Und kann auch allen Hexen-Liebhabern und historischen Krimi-Freunden dieses Buch nur empfehlen. Zwar bin ich weder komplett überzeugt, noch abgeneigt, aber es gibt schließlich noch einen zweiten Teil, der eine Menge Licht ins Dunkel bringen wird. Hoffentlich.


Genre: hist. Crime / VÖ: 2017 / Verlag: Luzifer Verlag / Region: Kalifornien (1699) / Serie: Band 1 von 10


weitere Kritiken: i.B.