Eine Saat braucht Nährstoffe zum keimen. Ist sie dann groß genug, hilft Muttererde, um sie noch stärker werden zu lassen. Sie räkelt und streckt sich der Welt entgegen und jeder, der sich ihr in den Weg stellt wird umflochten, umgarnt, mit ihr vereint. Sie will schließlich leben, nicht von etwas aufgehalten werden und verenden. Nein, dafür ist der Überlebenstrieb einfach zu mächtig. Schließlich ist sie der Saat der Bestie.

Die junge Frau Samantha ist auf der Suche nach ihrer Schwester und nach verzehrbarer Nahrung. Seit geraumer Zeit irrt sie schon durch die Gegend. Immer dieses eine Ziel vor Augen. Als nächstes hat die sie Gegend rund um New York ins Visier gefasst und will dort ihr Glück versuchen. Samantha wäre schon glücklich, wenn sie ein anderes Lebewesen entdecken würde, denn wir befinden uns in der Zeit nach der Apokalypse. Die Menschheit wurde komplett ausgerottet. Gut, fast ausgerottet. Einzelne Überlebende gibt es und selbst bei denen ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie an Nahrungsknappheit, Krankheit oder Wahnsinn sterben. Die junge Frau ist zum Beispiel der Beweis dafür, dass man auch noch alle sieben Sinne beisammen haben und in dieser Endzeit leben kann. Doch dann kommt sie in die Stadt von David.

Hungrig und erschöpft scannt sie die Umgebung nach einem Unterschlupf ab und findet glücklicherweise eine gute Auswahl an Kleidung und Lebensmitteln, sowie Verstecken. Allerdings fühlt sie sich beobachtet. Kalte Schauer laufen ihr ständig den Rücken herunter. Plötzlich sieht sie einen Mann. Es ist David. Er führt sie zu seiner Wohnung. Sie kleidet sich neu ein, isst ausgiebig und unterhält sich mit ihm. Alles wirkt normal. Zu normal. Ehe sie sich versieht, findet sie sich in einem Keller wieder. Gefesselt und nackt hängt sie an einem Balken. Weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Aber sie kann ihn fühlen. Sie spürt seine Blicke und wieder überkommen sie die kalten Schauer. Angst keimt in ihr auf und sie hofft schnell und schmerzfrei sterben zu können. Ob ihr der Entführer diesen Gefallen erweist?

Das Buch fängt sehr harmlos an. Man wird regelrecht in einen Wattebausch gepackt und fiebert die ganze Zeit dem Cut entgegen. Hinter jeder Ecke vermutet man das Böse. Es dauert eine ganze Weile bis man zu eben jenem Punkt kommt und dann kommt er richtig. Ein paar Seiten vorher gab es schon leichte Andeutungen in Bezug auf die seltsame Person, der Samantha begegnen wird. Ich gebe zu, ich habe mich hier auch einmal verwirren lassen, doch eigentlich weiß man schnell wo der Hase lang läuft. Leider kann ich nicht zu sehr auf diese Neigungen eingehen, da ich sonst der Geschichte zu viel vorweg nehmen würde.
Es sei aber gesagt, dass ich die junge Frau in allen Punkten verstehen konnte und auch ihr Leid gespürt habe. Für David empfand ich einfach nur Abscheu.

Aufgeteilt ist das kleine Büchlein in sieben übersichtlich Abschnitte, die bis auf das Einstiegskapitel alle Namen tragen. Welche Bedeutung diese haben, wird einem nach und nach klar. Besonders, wenn man am Ende begreift wie vielen Menschen man eigentlich begegnet ist.
Da Michael Dissieux nicht mit Fachsimpeleien um sich wirft, lässt sich seine Geschichte schnell lesen. Als absolute Horror-Lektüre würde ich es nicht bezeichnen. Dafür hätte es noch tiefer gehen müssen. Schön ist es dennoch nicht, was man hier präsentiert bekommt. Selbst das Ende habe ich so nicht kommen sehen. Die leise innere Stimme hat mich zwar die ganze Zeit davor gewarnt, aber irgendwie wollte man es nicht wahr haben.

Alles in allem ist „Die Saat der Bestie“ eine in sich abgeschlossene Handlung, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Das heißt im Klartext: Es gibt keine großartigen Ausschweifungen zu dem Warum, Wieso und Weshalb der Apokalypse. Hier hätte das auch nur zu sehr abgelenkt. Stattdessen geht es um zwei Menschen, bei denen die Einsamkeit recht unterschiedlich auf das Gemüt geschlagen hat.

Eine kleine feine stimmige Horror-Geschichte, die man lesen sollte!

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Genre: Horror, Thriller / VÖ: August 2013 / Verlag: Luzifer Verlag / Reihe: Einzelband / Region: Amerika/ bei New York