„Detective Max Wolfe ist zurück“

Wie wahr und passend zur ersten Situation im Buch, habe ich es zufällig am Neujahrstag angefangen gehabt zu lesen. Nur, dass es bei mir nicht klirrend kalt gewesen ist und keine Familie abgeschlachtet wurde. Zum Glück. Familie Wood hingegen konnte nicht friedlich in das neue Jahr hineinfeiern. Sie kamen Besuch, der ihnen eine gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Vater, Mutter, Sohn, Tochter und Hund wurden regelrecht hingerichtet.

Mit einem Bolzenschussgerät. Wie Tiere auf der Schlachtbank. Vor allem der Familienvater musste sichtbar zusätzlich leiden und nur einer entkam scheinbar der Hölle, wenn auch sein Verbleib ungewiss ist: Das vierjährige Nesthäkchen.

Sofort wird eine Großfahndung eingeleitet. Das komplette Gebiet um das Haus und die Nachbarschaft wird abgegrast. Aber die Suche bleibt erfolglos und so hangelt man sich an dem einzigen Hoffnungsschimmer fest, den die Fakten hergeben. Es ist ein Fall, der dreißig Jahre zurückliegt. Ein Fall, wo ebenfalls eine Familie auf diese Art und Weise hingerichtet wurde. Doch wäre der damalige Täter heute überhaupt noch in der Lage so eine Tat auszuüben? Lebt er überhaupt noch? Und worin soll bitte der Zusammenhang zwischen einer wohlhabenden reichen und einer aus der Mittelschicht auf einem Hof lebenden Familie sein? Wie gesagt, es ist ein zartes Hoffnungshälmchen an das sich das Ermittlerteam klammert.

Man merkt schon, dass es sich der Autor nicht nehmen lässt mit einem kräftigen Donnerschlag über den Leser herzufallen. Nur leider kann der Autor dieses Level nicht halten, sondern sackt ein paar Stufen zurück in die Reihe der ruhigen Krimis, die liebenswerte Ermittler haben, mit einem scheinbar unlösbaren Fall daherkommen, nebenbei wird noch die ein oder andere Sache aufgeklärt und am Ende ist klar, dass es genauso kommen musste, wie man es eigentlich schon die ganze Zeit geahnt hat, aber nicht wahr haben wollte. Eben weil man das Besondere gesucht hat. In diesem Fall kann ich mich meinem Bloggerkollegen Sebastian zu 100% anschließen: „Ein freundliches Auftreten und ein liebevoller Umgang mit Tochter und Hund machen aber noch lange keinen interessanten Charakter, sodass die Ermittlerfigur erneut völlig austauschbar wirkt.“

Dennoch hat das Buch mich unterhalten. Es lässt sich flott weglesen und kommt nicht mit komplizierten Gesprächen auf hohem Niveau oder ausgeschlachteten Gewaltszenen daher, die den Lesefluss stören würden.

Ganz im Gegenteil. Besonders die kurzen Momente zwischen Vater und Tochter (Max und Scout) zerren einen aus der grausamen Welt fort und zeigen einem, wie glücklich die kleinsten Dinge im Leben machen. Detective Max ist auch nur ein Vater, der sich um das Wohl seiner Familie sorgt. Gerade deswegen steigert er sich in den Neujahrsfall extrem rein. Vor allem die Sturheit der Verdächtigen bringt ihn auf die Palme. Da ist seine kleine Tochter stets der sanfte Lichtblick, der ihn auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Alles in allem fehlte mir der gewisse Pepp. Ich werde Tony Parsons trotzdem weiterhin lesen und hoffe, dass sich irgendwann sein Level noch mehr steigert, damit er auch zu meinen must-haves gehört.

mit zorn sketch


Genre: Krimi / VÖ: Dez 2015 / Verlag: Bastei Lübbe / Serie: Band 2 #MaxWolfe / Region: London