John Albano schlägt sich als Geldeinsammler für die New Yorker Cosa Nostra durch. Er kassiert die Tageseinnahmen, die beim Abspielen des von der Mafia produzierten Pornofilms und späteren Welthits Deep Throat in schmuddeligen Hinterzimmern anfallen. Bezahlt wird hauptsächlich mit 5-Dollar-Scheinen, die Johnny Porno (so nennt man den Mann, der diesen Job macht) in seinem Schrottauto durch die Gegend fährt.
Das erweckt Begehrlichkeiten, und so sind sie alle hinter Johnny Porno her: korrupte Cops, neurotische Killer, freischaffende Schurken, das FBI und seine sehr gierige Ex-Frau.
New Yorker Streetlife im Jahr 1973. Sehr komisch, gemein und knallhart.

Eigentlich kann man dem letzten Satz fast nicht hinzufügen: Johnny Porno überzeugt vor allem mit seinem Wortwitz, seinen derben Dialoge und den knallharten Kerlen, die immer genau wissen was sie machen und ihre Schachzüge perfekt durch planen. Als ob die Frauen an ihrer Seite da zeitweise eine wichtige Rolle spielen würden, damit auch das letzte Puzzleteilchen wirklich perfekt passt. Nicht doch! Wer würde denn so etwas denken!?

Wer komplexe Handlungen mag und das Flair der 70er liebt, sollte definitiv zu diesem Buch greifen.

Man kann förmlich spüren, wie rauchig die Kneipen riechen, wie der Qualm der Zigarren auf dem Boden umherwabert und der Duft von abgestandenem Bier einem in die Nase steigt. Sobald die Frauen auf der Bildfläche erscheinen, drehen sich die Köpfe der Herren automatisch nach ihnen um. Glanzvoll in ihren Kleidern, stacksen sie durch den Raum und hüllen alle in eine Wolke aus süßem Parfum und staubigem Haarpuder ein.

Angefixt? Viele Charaktere sind auch kein Problem für dich? Dann gibt es dem auch kaum etwas entgegen zusetzen. Selbst ich – die nix gegen eine rasche Handlungsentwicklung hat – habe darüber hinweg gesehen, dass es eine Weile braucht, bis der eigentliche Teil der Spannung beginnt und der mächtige Stein des Tempos ins Rollen gerät. Denn vorher ist man eher mit den Figurenkonstellationen beschäftigt und knüpft Verbindungen, um am Ende alle Entscheidungen und Wendungen auch verstehen zu können.

Fazit:

Der Schreibstil von Charlie Stella ist einfach grandios. Man verliert sich in seinen Worten und versinkt sofort in den zahlreichen Buchseiten. Von dieser Seite gibt es keinerlei Kritik von mir. Ein bisschen schade ist es nur, dass er letztlich recht spät das Bremspedal gelockert hat und mich das Ende nicht zu 100% zufrieden gestellt hat. Gerade der gute Johnny verliert neben seiner Melinda in den letzten Atemzügen viel an Farbe und wird gnadenlos von ihr überholt. Nichtsdestotrotz ist Johnny Albano ein wunderbarer Antiheld, der sicher viele Leserherzen glücklich macht.

johnny-sketch

Randnotiz:

gelesen in der Leserunde bei Philly
die Schärfe bei dem obigen Bild liegt absichtlich nicht auf dem Figurennetz 😉


Genre: Krimi, 70er / Verlag: Suhrkamp / VÖ: Juli 2016  / Serie: Einzelband / Region: New York und Umgebung