1997 wird Christophe André, Mitarbeiter der hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, im Nordkaukasus von tschetschenischen Separatisten entführt. […] 111 Tage Warten, ohne jedes Wissen um das, was draußen passiert, ob man ihn für tot hält oder um seine Rettung bemüht ist. (Inhalt)

Allgemeiner Leseeindruck:

Ein Comic, der sich über 400 Seiten, nur mit dieser Gefangenschaft beschäftigt. Wie Christophe in einem Raum festgehalten wird. Zweimal am Tag Essen bekommt. Direkt danach eine Katzenwäsche nehmen darf und vielleicht alle zwei Wochen eine Dusche, um den stinkenden Körper zu reinigen? Zugegeben, vor den ersten Meinungen zu dem Buch, war ich auch skeptisch. Doch nun weiß ich es besser und kann ganz klar sagen: Ja, es lohnt sich!

Man steigt sofort mit der Entführung ein und muss mit ansehen, wie Christophe in einen Raum gesperrt wird. Im Laufe der Zeit wechseln diese sich ab. Der Tagesablauf jedoch bleibt gleich. Tagein. Tagaus. Woche um Woche. Nur die Gedanken von Christophe ändern sich. Von hoffnungsvoll und abwartend, bis hin zu resignierend und verzweifelt. Genau diese Momente machen den Comic aus.

Man ist stehts bei dem Gefangenen, weiß genauso viel, wie er. Durchleidet seine verschiedene Gefühlsebenen stets mit und will, dass das alles ein Ende hat. Dabei sollte man sich immer vor Augen halten, dass diese Erzählung nicht fiktiv ist. Es basiert auf einer wahren Begebenheit und das lässt alles noch schlimmer wirken. Wir wissen lediglich im Gegensatz zu Christophe, dass er heraus kommt. Nur der Weg dorthin ist lang und die Zeit äußerst zäh.

Zeichenstil:

Schlicht. Schlichtweg schlicht. Dies ist nicht einmal negativ gemeint, aber damit lässt er sich am schnellsten beschreiben. Detailliebe wird man hier nicht finden. Alles ist aufs Wesentlich beschränkt. Man erkennt Emotionen, Häuser, die Matratze, Geschirr, Bäume und Autos. Mehr ist auch nicht nötig. Schließlich soll man sich ganz auf Christophe konzentrieren und nicht auf die Bilder an der Wand oder den toll gewebten Wohnzimmerteppich.

Fazit:

„Hostage“ oder auf deutsch „Geisel“ hat mich überrascht und schneller in den Bann gezogen, als ich erwartet habe. Es ist ein Lesetipp für alle, die gerne Comics in die Hand nehmen, wo persönliche Erlebnisse verarbeitet werden. Auch wenn Christophe selbst nicht Hand angelegt hat, sondern „nur“ seine Geschichte erzählt hat, spürt man seine Gefühle und das Grauen, was er durchlebt hat, recht deutlich.


 Genre: Schicksal/true story / VÖ: Mai 2017 / Verlag: Penguin Vintage / Serie: Einzelband

auf deutsch ist der Comic im Reprodukt Verlag > erschienen