bittere schuld, annie hauxwell, buchkritik

Eine Hitzewelle hat London erreicht. Während jeder auf niedrigster Sparflamme läuft, macht Catherine Berlin genau das Gegenteil. Ein Ladenbesitzer hat sie beauftragt, die Treue seiner Frau zu überprüfen. Sie macht sich eifrig an die Observierung, schließlich klingt alles nach einem einfachen Job, doch es kommt alles anders. Plötzlich meldet sich eine alte Bekannte bei ihr und bittet um die Einlösung einer alten Schuld. Ihre Tochter ist verschwunden und die Mutter macht sich große Sorgen. Während Catherine sich hier ebenfalls auf Spurensuche begibt, kommt sie mit Dingen in Berührung, die sie lieber nie angefasst hätte und das gilt für beide Aufträge.

Die Verstrickungen sind anfangs etwas verwirrend. Doch schnell lösen sich die Knoten und man ist mittendrin in dem Gewirr aus Verrat, Misstrauen, Drogen, Machtmissbrauch und Mord. Catherine ist nicht mehr die Jüngste und ihre Drogenvergangenheit macht es nicht besser. Noch heute nimmt sie regelmäßig Heroin, selbst in abgewandelter Form. Dadurch wirkt sie oft wie ein menschliches Wrack und legt ein Verhalten an den Tag, was wenig professionell wirkt. Als man sie jedoch näher kennenlernt, empfindet man einen Hauch Mitleid mit ihr und entwickelt eine Sympathie für ihr großes Herz.

Für ihre alte Freundin Sonja dagegen kann man kein Mitgefühl entwickeln. Sie wirkt wie das komplette Gegenteil von Catherine. Zwar sind sie beide Heroinjunkies, dennoch erscheint sie kälter und verlogener. Man kann sich nie sicher sein, ob sie die Wahrheit spricht, oder eine ihrer Lügengeschichten auftischt. Vor allem wenn es um ihre vermisste Tochter und ihren Vater geht. Entsprechend stellt man als Leser alles in Frage, was sie von sich gibt. Was das Gedankenchaos nur noch mehr unterstützt.

Als sich dann auch noch zwei Polizisten dazu gesellen und ebenfalls kurze Passagen bekommen, in denen sie zu Wort kommen dürfen, ist die Ansammlung fast komplett. Man ahnt nun langsam in was die Fahnderin hineingeraten ist und Drogen sind noch das geringste Übel, mit dem sie zu kämpfen hat. Trotz dieser zahlreichen Ansätze gibt es aber stets einen roten Faden, an den man sich klammern kann und der einen durch das Buch führt.

Es gibt eine dauerhafte Spannung, die den Lesefluss bestens unterstützt. Denn auch wenn viele Personen zu Wort kommen, erfährt man nie so viel, dass einem die Lösung verraten werden würde. Hier und da erfährt man natürlich ein paar Details mehr, die einem einen winzigen Vorsprung geben. Allerdings ist es nie zu viel.
Wer wie und mit wem unter einer Decke steckt. Wer wann wen ermordet hat und warum alle die seltsame Catherine Berlin respektieren, wird dann alles Stück für Stück aufgeklärt.
Somit hält das Ende Überraschungen und Enttäuschungen bereit, wie es sich für einen Thriller gehört.

Ist man einmal richtig drin in der Geschichte weiß man nicht mehr wen man trauen darf. Denn es ist nicht nur Sonja, die sich in Lügenmärchen verhaspelt. Die Polizisten stehen dem in nichts nach. Ebenso wird aus dem einfachen Beziehungsauftrag ein kleines Drama, was man so niemals für möglich gehalten hätte. Ein wenig hat sich Annie Hauxwell hier auch zu weit aus dem Fenster gelehnt für meinen Geschmack. Ein wesentlich kleineres i-Tüpfelchen hätte vollkommen ausgereicht.

Auch wenn das jetzt alles chaotisch wirkt, passt dies alles perfekt zu der Zivilfahnderin. Sie ist keine Anzugträgerin mit blütenreiner Weste. Auf sie wartet kein strahlender Ehemann und der kleine Sprössling. Sie ist Alleinstehend und kämpft mit ihren eigenen Drachen. Das wird dem Leser immer wieder vor Augen gehalten und dennoch erobert sie das Leserherz und man möchte weitere Abenteuer mit ihr bewältigen.
Außerdem schafft es die Autorin wunderbar mit ihren Beschreibungen einen in das staubig warme London zu versetzen. Auch wenn sie uns dies nicht immer von ihrer besten Seite präsentieren kann.

Alles in allem kann ich diesen zweiten Band “Bittere Schuld” um die Frau mit dem schönen Nachnamen Berlin nur wärmsten empfehlen. Zwar muss man hier und da ein paar Abstriche machen, was dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch tat. Ich fühlte mich die ganze Zeit ausgezeichnet unterhalten, fieberte mit der eigenwilligen Catherine mit, hoffte, bangte zog manchmal die Stirn kraus und hatte trotzdem nie das Gefühl, das Buch abbrechen zu müssen.


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Genre: Thriller / VÖ: Juni 2014 / Verlag: Blanvalet / Serie: Band 2


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