Der Mensch glaubt, er hofft, und er irrt.

Inhalt:

Ein kalter Morgen im März. Eine gefrorene Kinderleiche am Moselufer. Eisige Farinade verziert das kleine Gesicht. Ist das die achtjährige Rosalia, nach der die Trierer Kriminalpolizei verzweifelt sucht? Ist sie im Nachtfrost erfroren oder verbirgt sich ein noch viel schrecklicheres Geheimnis hinter der Schönheit des Grauens?

Nach seinem ersten Psychokrimi „Christine Bernard – Der Fall Siebenschön“ veröffentlicht Michael E. Vieten nun einen weiteren mörderischen Fall, bei dem Kommissarin Bernard mit den dunkelsten und abgründigsten Seiten der Menschen konfrontiert wird. Ihre Ermittlungsarbeiten führen sie durch das winterliche Trier. Ein Thriller, der Gänsehaut verschafft – und das nicht nur aufgrund eisiger Temperaturen!

Meine Meinung:

Der Name ist hier eindeutig Programm. Kalt. Kälter. Am Kältesten. Erst eine tiefgekühlte Leiche, dann ein Verdächtiger, der gefrorene Lebensmittel unter die Leute bringt und dann noch die Spuren, die immer kälter werden, ohne, dass der Mörder gefasst wird.
Dabei klingt die erste Spur so malerisch vielversprechend (und erinnert an den Ice Truck Killer aus Dexter). Die junge Kommissarin verbeißt sich regelrecht in ihrem Verdacht. Da helfen auch keine Fakten oder gut gemeinte Ratschläge von Kollegen. Selbst als Leser findet man ihre Sturköpfigkeit irgendwann abstrus und geht selbst auf Entdeckungstour.

Nur kommt man damit nicht sonderlich weit, da man die ganze Zeit an Christine Bernards Fersen klebt und kaum weitere Einblicke bekommt. Das fand ich recht schade, da ich gerne bei Krimis miträtsle und den Täter durch kleine dezente Hinweise finden will. Somit kommt der entscheidende Hinweise genau dann, als auch die Kommissarin ihn findet. Der Weg dorthin ist mit zahlreichen Stolpersteinen gepflastert. Man spürt die Unerfahrenheit und ihren Ehrgeiz. Was hinderlich und förderlich zugleich ist. Denn so geht sie wirklich jedem Indiz nach und übersieht auch ein paar wesentliche Fakten.

Das Erzähltempo ist recht flott, was nicht nur den zeitweise kurzen Kapiteln zu verdanken ist, sondern auch dem angenehmen Schreibstil des Autors. Das die Hauptfigur noch sehr jung ist, bekommt man nicht nur regelmäßig gesagt, sondern sieht es auch an ihren Charakterzügen und Gedankengängen. Manchmal musste ich innerlich schmunzeln, da sie so unbefleckt wirkt. Dennoch ist sie definitiv keine schwache Figur. Sie entwickelt sich und lernt dazu. Und als Leser darf man hautnah dabei sein.

Fazit:

Hätte ich nicht eine Mail mit der Anfrage zu dem Buch bekommen, hätte ich gedacht, dass der Autor eine Frau ist. Wenn man sich das Coverdesign einmal anschaut, wird man verstehen was ich meine. Dieser Punkt wirkt sich natürlich nicht auf meine Gesamtmeinung aus, ist trotzdem vom Verlag ungeschickt gelöst worden.

Inhaltlich wurde ich nicht sehr überrascht. Durch die einseitige Ansicht der Dinge, wirkt es auch unfreiwillig recht geradlinig. Was nicht heißt, dass alle Figuren schwach sind. Sie erfüllen nur viele Klischees. Christine Bernard selbst konnte mich letztlich nicht überzeugen. Ihre Figur will nicht so recht zu dem Titel “Kommissarin” passen.
Was mich allerdings überzeugt hat, ist der Schreibstil des Autors. Allein wegen ihm habe ich das Buch auch beendet. Er hat eine nette Art manche Ereignisse zu raffen, ohne dass es zu knapp oder zu stakkatohaft wirkt. Auch konnte ich mir alles gut bildlich vorstellen. Das innere Kopfkino lief auf Hochtouren.

Am Ende muss jedoch alles stimmen. Vor allem die Hauptfigur sollte überzeugen. Da für mich kein rundes Gesamtbild entstanden ist, werde ich diese Reihe nicht weiterverfolgen. Würde mich aber über andere einzelne Geschichten von dem Autor freuen.

Empfehlen würde ich das Buch Krimi-Einsteigern. Wer schon eine Weile in dem Genre unterwegs ist, wird eventuell nicht glücklich mit der Lektüre werden.


Anzeige

Genre: Krimi / VÖ: März 2016 / Verlag: acabus Verlag / Serie: Band 2 / Region: Deutschland/Trier

 Kritiken zu Büchern des Autors:

 Uwes Leselounge: Atemlos Bd1 und Atemlos Bd2

 

4 thoughts on “|Crime| “Das Eisrosenkind”

  1. Hi Christin,

    ich habe die Anfrage und das Buch ebenfalls erhalten und hatte mir schon vor ein paar Monaten den 1. Band dieser Reihe gekauft, bisher aber noch nicht gelesen. Die Figur Bernard stammt ja aus dem Zweiteiler "Atemlos" und hatte mir dort sehr gefallen, deshalb bin ich neugierig auf sie.

    Bisher habe ich noch keine Jubelstürme zum aktuellen Band gelesen und auch bei dir ist es nicht so gut angekommen, was mich jetzt natürlich um so neugieriger macht :)

    Danke übrigens fürs Verlinken meiner beiden Rezensionen :*

    Hab eine schöne Woche und liebe Grüße,
    Uwe

    1. Ja, ich hatte gesehen, dass sich die kleine Reihe gesteigert hat :)
      So gehen halt Meinungen auseinander und ich weiß ja nich, wie Bernard in Atemlos rüberkommt. Vllt wirkt sie da wieder komplett anders?!

      Und kein Dinge: Wenn ich so was weiß, verlink ich gern :D

  2. Hallo Christin, hallo Uwe,

    erstmal vielen lieben Dank Christin für Ihre Rezension.
    Christine Bernard hatte in Atemlos 2 ihren ersten Auftritt und führt seitdem als Hauptprotagonistin durch die Serie. Die ersten Bände unterscheiden sich in ihrem Stil voneinander. Atemlos 1 polarisierte sehr (vor allem wegen der Katze :D), Atemlos 2 beruhigte dann wieder (mehr Mainstream). Ab "Siebenschön" nahmen die Leserreaktionen mehr Einfluss, die ich auf Lesungen und in Rezensionen sammeln konnte.
    Gerade läuft die Bewerbungsphase zu einer Leserunde zu "Siebenschön" und "Eisrosenkind" auf Loveybooks und ich bin auf die Diskussionen gespannt.

    Liebe Grüße
    Michael Vieten

    1. Bitte, bitte ;)
      Dann werd ich wohl bei der LR auf Lovelybooks mal ein Auge drauf werfen und schauen, wie dort die Meinungen sind :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.