Ein Leseeindruck, zu diesem Ausflug, in die Welt der Maschinen.

Wir schreiben das Jahr 1709. Giacomo Giuseppe Favorini ist der letzte Mechaniker, der unter dem Zaren Pjotr arbeitet. Unter seinem Schutz erweckt er Maschinen zum Leben und lässt sie die Welt erkunden. Doch die Zarin Katharina ist so gar nicht davon überzeugt, dass diese awtomata in ihr Reich gehören sollten. Entsprechend fordert sie die Zerstörung der Maschinen an. Durch diverse Umstände, fliehen die beiden letzten Maschinen aus dem Palast und reiten in das Niemandsland hinaus.

Parallel dazu befinden wir uns in Oregon. Eine junge Frau namens June hat eine alte Puppe entdeckt. Sofort erkennt sie die altertümliche Mechanik und macht sich daran, sie zum Leben zu erwecken. Doch ihr fehlt ein wichtiges Bauteil. Das Herz. Und somit muss sie kreativ werden, um Leben in den Gliedern hauchen zu können. Ihr Begleiter Oleg ist ebenfalls ganz fasziniert, wobei sein Augenmerkt auf etwas anderem liegt. Er scheint auf eine gewisse Information von June zu warten. Als diese endlich da ist, kommt es zur einer harten Konversation, an dessen Ende, die Polizei auftaucht und noch jemand…

“So viele Jahre schaue ich nun schon in die Vergangenheit, suche nach dem Gefühl von Ehrfurcht, das ich als KInd empfand. Doch jedes Mal, wenn ich kurz davorstehe, diesen Funken einzufangen, entwischt er mir wieder.” (S.31)

Jedes Mal, wenn ich mich gerade in eine Situation hinein gefühlt hatte, verließ mich die Freude schlagartig, da ein Szenenwechsel stattfand. Der Funke der Lesefreude erlosch aus diesem Grund immer weiter, bis er sich gänzlich auflöste. So kann man ungefähr mein Leseempfinden beschreiben. Denn nach 115 Seiten und somit dem Ende von Teil 1, habe ich das Buch abgebrochen.

Szenenwechsel sind mir nicht unbekannt. Ganz im Gegenteil. Sie sorgen in der Regel für einen guten Spannungsaufbau und sind in der Kriminalliteratur ein beliebtes Stilmittel. Allerdings sollten diese nicht alle 3 bis 5 Seiten umgesetzt werden. Da ist man eher frustriert und will am liebsten nur noch Abschnitte aus der einen und danach die, aus der anderen Zeitepoche lesen. Was aber sicher nicht im Sinne des Autors gewesen wäre.

“In einem feuchten Haufen landet der Ukrainer auf dem gesprungenen Gehweg und bleibt regungslos liegen, das Gesicht dunkel von Blut.” (S.76)

Er ist in einem Haufen Kot gelandet? Nein, hier möchte man uns mitteilen, dass der gute Mann fürchterlich zusammengeschlagen wurde. Ob man bei einem Sturz aus dem Fenster auf Gesicht liegen bleibt oder nicht, mag an der Fallart liegen, daher lasse ich mal aus, dass man gegebenenfalls das blutige Gesicht gar nicht sehen würde. Mein Problem ist eher, dass diese Formulierungen, an denen ich hängen geblieben bin, keine Seltenheit sind. Stolpersteine im Lesefluss.

Der Punkt, der dafür gesorgt hat, dass ich das Buch abgebrochen habe, liegt bei Miss June. Die gute Frau liebt Maschinen. Sie lebt für die Maschinen. Inhaliert regelrecht jedes Wissen um die awtomata. Sie ist mir auch absolut sympathisch gewesen und es bricht mir etwas das Herz ihr nicht weiter folgen zu können. Allerdings ist es nicht sonderlich glaubhaft, dass gerade DIESE Expertin, eine Maschine nicht erkennt, wenn sie vor ihr steht. Sei sie noch so gut optisch getarnt. Kein Blut, kein Atem, keine Erschöpfung. Und June erkennt sie nicht? Erst als man förmlich ein Pfeil mit dem fettem Schild über den Maschinen schweben sieht?

Das habe ich ihr nicht abgekauft. June wird eindeutig unter Wert verkauft. Dazu die weiteren Kritikpunkte: I’m out! Somit kann ich für das Buch keinen Lesetipp aussprechen. Leider. Den wer mich kennt, weiß, dass ich Steampunk liebe und mich über jedes Buch darüber freue. Blöd nur, wenn die mit Liebe zum Leben erweckten awtomata mein Herz so gar nicht berühren konnten…


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Genre: Fantasy, Steampunk / VÖ: Feb’19 / Verlag: Knaur Verlag / Region: USA, Russland / Serie: Einzelband

erhältlich bei: hugendubel.de