wenn der mond stirbt

Was passiert wenn der Mond stirbt?
Es wird dunkel. Man sieht nichts mehr. Alles um einen bleibt verborgen. Man verliert die Orientierung. Kommt vom rechten Weg ab. Die Schwärze wird noch schwärzer.

Nairobi. Der Polizist Mollel wird zu einem Fall dazu gerufen, der nicht ganz ohne zu sein scheint.

Eine junge Frau wird ermordet im Abwasserkanal gefunden. Ihr Unterleib ist seltsam verstümmelt. Eine misslungene Beschneidung? Ein Ritual was eigentlich verboten ist. Mollel scheint genau der Richtige für die Ermittlungen zu sein, schließlich ist er ein Massai und kennt sich mit diesen traditionellen Dingen aus. Doch je tiefer er gräbt, umso mehr Ungereimtheiten kommen ans Tageslicht. Irgendjemand will etwas verbergen, doch was und warum?

Der Ermittler Mollel ist eigentlich in Ungnade gefallen und bei der Polizei nicht gerne gesehen. Seine Kollegen lassen ihn dies auch sehr deutlich spüren. Lediglich Kiunga hält zu ihm und unterstützt ihn bei seiner Recherche. Kommt es anfangs noch zu einigen Reiberein zwischen den beiden, raufen sie sich im Laufe der Zeit immer mehr zusammen. Schließlich haben beide das gleiche Ziel: Den Mörder des Mädchens zu finden!

Es fällt direkt auf, dass der Autor Richard Crompton nicht in der Vergangenheit schreibt, sondern der Gegenwart. Es ist nicht passiert, sondern passiert gerade. Das verleiht der Story einen besonderen Touch. Schließlich weiß man nie was noch passiert, sondern ist genauso weit wie die beiden Polizisten. Für den Spannungsbogen ist das natürlich sehr ideal. Er baut sich stetig auf und bleibt relativ konstant oben, bevor sich gegen Ende die Ereignisse überschlagen und in einem rasanten Finale bündeln.

Lobenswert ist auch die Einbindung von Begriffen der Massai. Diese Einflechtung unterstützt das afrikanische Feeling noch mehr und man kann sich besser in das warme Land hineinversetzen. Sieht man sich das leuchtend gelbe Cover ahnt, spürt man schon die stickige Hitze. Liest man dann die ersten Seiten, ist man auch direkt drin im Geschehen, was nicht zuletzt an der flüssigen Schreibweise liegt. Denn trotz der fremden Massai-Sprache, fühlt man sich nie verloren. Jedes Wort wird erklärt und der Zusammenhang deutlich gemacht.

Die beiden Hauptfiguren Mollel und Kiunga geben ein perfektes Duo ab.

Sei es die zurückhaltende und zugleich scharfsinnige Art von Mollel oder der unruhig wirkende, intelligente Kiunga. Sie wirken beide mit ihren Charakterstärken und Schwächen überzeugend. Haben sie doch beide auch ihre Geheimnisse und üblen Vergangenheiten, die im Laufe der Zeit ans Tageslicht kommen. Ab diesen Momenten hat man das Gefühl sie noch besser zu verstehen und schließt sie noch mehr ins Herz. Vor allem wird einem dann bewusst, warum sie sich so verhalten, wie sie es machen. Da könnte man sich glatt weitere Bände mit ihnen vorstellen!

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Krimi weit mehr bereithält, als man zunächst vermutet. Der englische Originaltitel verrät sogar noch ein wenig mehr, in welche Richtung das Buch geht. Es spielen Korruption, Macht, politische Spielereien, Unterdrückung und Gruppenfeindlichkeit eine große Rolle und dennoch wirkt es nie zu vollgepackt. Schade ist jedoch, dass gerade bei den Ausschreitungen der Gegenwart und Vergangenheit Fragen offen bleiben. Eigentlich wird alles gut hinterleuchtet, doch dies ist der einzige Punkt, der mich etwas gestört hat. Schließlich ist die Feindlichkeit noch heute ein brisantes Thema in dem Land.

Abschließend finde ich, dass der Krimi „Wenn der Mond stirbt“ absolut lesenwert ist! Er hat mich in den Bann gezogen, mit seiner eigenen brutalen Art fasziniert und am Ende überzeugt. Da wünscht man sich wirklich weitere Bände mit den Ermittlern lesen zu können und wenn man diverse Zeichen im Netz richtig deutet, wird es auch noch Fortsetzungen geben: Today [29.May 2014] we publish Hell’s Gate the second book from Richard Crompton featuring former Maasai warrior turned detective Mollel.“ [W&N]


Genre: Krimi / VÖ: Mai 2014 / Verlag: dtv / Serie: Serienauftakt