Frankfurt, im Oktober 2012. Ein kaltblütiger Mord geschieht und keiner bekommt etwas mit. Knapp einen Monat später erhält eine Frau namens Christina Höffgen einen anonymen Brief, in dem sie direkt angesprochen und aufgefordert wird zu einer bestimmten Adresse zu fahren, da Theo versagt hat und sie nun die Rolle des “Theo” bekommt, was auch immer das heißen mag.

Verwirrt und zugleich verängstigt fährt sie zusammen mit ihrem Mann zur besagten Adresse. Was sie dort erwartet, kann man sich schon fast denken: Eine grausam zugerichtete Leiche hat ihren Entdecker gefunden. Sofort wird das frische Ermittlerduo Emilia Capelli und Mia Zhuo dazu gezogen und muss möglich schnell versuchen, den Täter zu finden. Denn dieser ist mit seinen Gräultaten noch lange nicht fertig.

Das Buch steigt im Prolog ohne Umwege mit dem ersten Mord ein.

Somit ist man direkt mittendrin im Geschehen und ahnt, mit was für einem Killer man es zu tun hat. Stück für Stück werden einem verschiedene Figuren vorgestellt, unter anderem die beiden Ermittlerinnen Emilia – kurz Em – und Mai. Es fällt direkt auf, dass die Autorin der asiatischen Figur Mai wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat. Man lernt ihre Familie kennen, erfährt einen großen Teil ihres beruflichen Werdegangs und natürlich ihren inneren Konflikt, dass sie nicht dem Klischee einer typisch asiatischen Dame entspricht.

Ihre sizilianische  Kollegin Emilia dagegen, sprüht gerade zu vor Hass und südländischem Temperament, dass es einen wundert, dass die Herren auf der Polizeistation ihr noch nicht Einhalt geboten haben. Das kann man natürlich darauf zurückführen, dass sie sich behaupten muss, in dieser Männerdomäne, aber sie kommt dabei so arrogant herüber, dass man im ganzen Buch keine Sympathie für sie entwickelt.

Während der Leser also zum einen mit dem – gedanklichen – Konflikt, der  beiden Damen zurechtkommen muss, geschehen weitere Morde, die gelöst werden wollen. Man stellt Vermutungen an, fragt einen Psychologen, der einen gewissen Knotenpunkt darstellt und somit automatisch ins Visier der Ermittlungen gerät. Dabei ahnt man immer, dass jede neue Figur, die dem Leser vorgestellt wird, ein potenzielles Opfer sein könnte, bei dem es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie im Leichschauhaus landet.

Sehr gut ist, dass man keinem der Ermittler voraus ist.

Trotz beispielweise einiger privater Momente mit dem Psychologen Sander Westen, der sich ebenfalls Gedanken macht und eine Vermutung hat, wer der Täter ist, wird einem nicht zu viel verraten. Man kann also problemlos mitraten, was den Spannungseffekt und den Leseeifer natürlich erhöht.

Das Ende kommt dann jedoch etwas plötzlich und ist schnell wieder verflogen. Der kleine angehangene Epilog am Ende und das Wissen, dass es weitere Teile geben wird, kann dieses “alles vorbei” nicht abmildern. Das Buch ist in übersichtliche sechs kleine Abschnitte unterteilt und diese wiederum in kurze Kapitel, die stets bei “eins” anfangen.

Bei dem Titel “Siebenschön” hätte man vermutet, dass es vielleicht auch “sieben” Kapitel gibt, aber dem ist nicht so. Ebenso die Opferzahl hat damit nichts zu tun, wobei man bei der Auflösung am Ende, doch mit so einem Zahlenspiel gerechnet hätte. Jeder Abschnitt im Buch hat einen chinesischen Spruch – eine Weisheit gewidmet bekommen. Ob diese immer stimmig für den Inhalt sind, darf jeder selbst entscheiden.

Ich selbst empfand sie als nette “Glückkeks-Weisheiten”, aber nicht immer passend zum darauf folgenden Text gewählt. Alles in allem ist dieser Thriller lesenswert! Er liest sich flüssig und die kurzen Kapitel machen das Ganze recht übersichtlich.Durch die ständigen Morde und die Unruhe im Buch entsteht eine gewisse Spannung, die sich komplett durchzieht.

Dennoch ist “Siebenschön” ausbaufähig.

Man hätte sich an vielen Stellen mehr Hintergrundwissen gewünscht. Die Figuren sind noch zu oberflächlich – gerade, was diesen angepriesenen Konflikt zwischen den Ermittlerinnen angeht. Konflikt? Es kommen vielleicht ein bis zwei Wortgefechte vor. Der Rest findet im Kopf statt oder wird schön von Kollegen erklärt, was den Leser nicht gerade zum mitdenken und erkennen der Zweideutigkeiten anregt.

Der Mörder und sein kleines Faible wurden dagegen gut gewählt, wenn auch – wie bereits gesagt – dass Ende viel zu rasch kam und man aus diesem Zahlenspiel viel mehr hätte man können, sodass man dazu geneigt wäre, dass Buch ein zweites Mal zu lesen, um die versteckten Hinweise zu sehen. Ein letzte Frage schwirrt einem somit die ganze Zeit im Kopf rum: Warum heißt das Buch “Siebenschön”? Ein versuchtes Wortspiel? Das kann nur die Autorin Judith Winter beantworten.


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Genre: Thriller / VÖ: Feb 2014 / Verlag: dtv* / Serie: Serienauftakt


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