Die junge Journalistin Cynthia ist auf dem besten Weg, die Karriereleiter einen gewaltigen Schritt nach oben zu schreiten. Ein Serienkiller macht Jagd auf blonde Frauen und SIE hat den Auftrag sich darum zu kümmern, dass ihr Verleger immer die besten Informationen als Erstes druckt. Voller Eifer stürzt sie sich in ihre journalistischen Ermittlungen und blüht regelrecht darin auf.

Doch da gibt es noch ihren ruhigen zurückhaltenden Kollegen Marcus. Wie sie, ist er in den Nachtschichten eingeteilt und irgendetwas hat er aufgedeckt, was ihren gemeinsamen Chef plötzlich mehr interessiert als ein brutaler Mörder. Als sie herausfindet was der Grund ist, kann sie es kaum fassen und glaubt im falschen Film gelandet zu sein.

Eine Droge namens 24/7 ist im Umlauf. Nein, halt – offiziell heißt es, sie wird getestet. Doch warum hat Marcus dann so dicke Augenringe und scheint dauernd an seinem Arbeitsplatz zu sitzen? Als sie dann auch noch von dem Experiment hört, welches derzeit in den Laboren des örtlichen Institutes gestestet  wird, in dem ihr Freund arbeitet, wird sie erst recht misstrauisch. Eine neue Droge, deren Wirkung nicht eindeutig bewiesen ist, soll interessanter sein, als der Barbie-Killer, der in London kaltblütig Frauen ermordet?

Sie muss sich nun entscheiden: Karriere oder Mörderjagd? Schlafen oder Wach sein?

Charlotte Parson geht in “Du sollst nicht schlafen auf ein Thema ein, was so real wirkt, als ob es bereits existiert. Ein Aufpushmittel soll dafür sorgen, dass man länger wach ist. Schließlich braucht der Körper keinen Schlaf. Das ist unnütze Zeitverschwendung. 1/3 seines Lebens schmeißt man einfach so weg ohne es genießen zu können. Warum sollte man dem dann nicht nachhelfen und ein Mittel entwickeln, was den Wachzustand fördert?

Welche negativen Auswirkungen dies jedoch hat, wird geschickt ausgeblendet und heruntergespielt. Cynthia muss es das am eigenen Leib erfahren. Plötzlich gilt man als Außenseiter, wenn man schläft, wenn man keine dicken Augenringe vorzeigen kann und einen normalen Tagesrhythmus hat. Als dann auch noch ihr eigener Freund großes Interesse an 24/7 zeigt, glaubt sie durchdrehen zu müssen und begibt sich auf die Suche. Irgendwo gibt es schließlich immer einen Haken!

Alles wird so überzeugend dargelegt, dass man den “Shiftern” wie sie genannt werden, schon fast Glauben schenkt und ihre Argumente als überzeugend wahrnimmt. Doch noch sagt einem das Stimmchen im Köpfchen zum Glück, dass das alles Lüge ist. Es ist Fiktion, noch sind wir keine mechanischen Marionetten, sondern Lebewesen aus Fleisch und Blut, die ihren Schlaf eindeutig brauchen.

Das ist auch der springende Punkt, der mich ein wenig an dem Buch gestört hat.

Cynthia scheint mit eine der wenigen zu sein, die die Kampf aufgenommen hat und eifrig nach Gegenargumenten sucht. Dabei gibt es Milliarden von Menschen auf der Erde. Sie deckt Dinge auf, die schlimme Folgen aufzeigen und Übles erahnen lassen. Doch gegen Ende wird ihre Gegenwehr schwächer und das Kontra bleibt fast aus. Das Ende ist somit sehr offen und man könnte vermuten, dass es eine Fortsetzung gibt. Leider habe ich nichts Derartiges gefunden.

Eine Sache die auch sehr in den Hintergrund rückt, ist der “Barbie-Killer”.

Ist er anfangs noch mit ein dominantes Thema, vor allem, da ein Mann namens Jeff stetig in eigenen Kapiteln zu Wort kommt und eindeutig etwas mit den Morden zu schaffen hat, verblasst dieser Erzählstrang zunehmend und gerät zeitweise komplett aus dem Visier. Das ist sehr schade, da die Verbindung zwischen der Droge und dem Killer doch recht interessant ist und lange im Unklaren bleibt. Erst als man mit der Story fortschreitet, werden die Hinweise deutlicher, man erkennt alle Zusammenhänge und ist umso geschockter, als man feststellt, dass das Buch fast zu Ende ist.

Dennoch lässt sich das Buch wunderbar flüssig lesen. Die Journalistin ist einem mit ihrer leicht schüchternen und zugleich aufdringlichen Art sehr sympathisch und man schließt sie schnell ins Herz. Die Hauptidee mit den “Wachtabletten” ist ebenfalls gut überlegt und versucht alle derzeitigen wissenschaftlichen Belege über den REM-Schlaf und Ruhezustand des Körpers zu widerlegen, so dass man fast überzeugt wird.

Wäre nicht dieses Ende gewesen und die Vernachlässigung des zweiten Erzählstrang hätte “Du sollst nicht schlafen” die volle Punktzahl verdient gehabt. So rutscht es leider gewaltig nach unten und siedelt sich bei 7 von 10 Punkten ein. Schließlich habe ich mich trotzdem gut unterhalten gefühlt, als das ich es schlechter bewerten könnte und für lesenswert halte ich es demnach trotzdem!


Anzeige

Genre: Thriller / VÖ: April 2014 / Verlag: dtv* / Serie: Einzelband


2 thoughts on “|Crime| “Du sollst nicht schlafen”

  1. Aha! Gut getestet, meine Liebe! :D Bleibt auf jeden Fall auf meiner Wunschliste, aber unter deinen Kritikpunkten kann ich mir wieder gut was vorstellen, das ist immer perfekt! :D Das Originalcover erweckt einen völlig anderen ersten Eindruck von dem Buch als es bei der dtv-Ausgabe der Fall ist, erstaunlich!

    1. Na dann, bin ich ja berühigt, wenn es der Frau Nachbarin gefallen hat :D
      Bei dem Originalcover war ich auch was überrascht, wirkt eher wie Frauenschnulze als Thriller…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.