Katzen von Montmartre

„Mein Name ist Bonnard. Ich wohne auf dem Friedhof von Montmartre.“ [S.9]

Dabei beobachtet er zusammen mit anderen pelzigen Freunden die Menschen, die dort ein und ausgehen. Sie genießen die Streicheleinheiten, die sie im Moment der Trauer und des Nachdenkens mit sanfter Hand bekommen. Es ist ein ruhiger Ort, wo es sich gut leben lässt und dennoch überschattet ein noch traurigeres Ereignis als der Tod selbst den Friedhof. Der Mord an einer sehr jungen Frau.

Während sich nun die Dosenöffner in die Aufklärung stürzen. Gehen die ihre pelzigen Begleiter ihren ganz eigenen Gedankengängen nach. Natürlich sind sie neugierig und haben Vermutungen zu diesem grausamen Ereignis. Doch dann überschattet ihre eigene Welt eine Entführung, die es in sich hat. Grisette, die hübsche Perser-Mix-Dame. Der Katerschwarm schlechthin, ist plötzlich spurlos verschwunden.

„Ich bin Grisette. Hört mich denn keiner?“ [S.66]

So geschickt Katzen auch sind. Aus diesem Versteck kann sich die arme Grisette nicht befreien und ist dringend auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen. Denn ihre Besitzerin merkt zwar den Verlust, wird aber von ihrem Umfeld beruhigt. Katzen sind halt so. Die brauchen auch mal eine Auszeit und verschwinden ein paar Tage. Das ist total normal. Und so wartet sie ab, was wiederum für Grisette das Todesurteil ist. Zum Glück begreift der heimische Katzenclan sehr schnell, dass da etwas im argen ist und begibt sich selbst auf Spurensuche.

„Das hier ist anders als sonst. Etwas geht vor in Montmarte. Und es geht nicht gut aus.“ [S.75]

Wer bei einem Katzenkrimi direkt an den guten Francis denkt, der kommt wohl aus meiner Jugendgeneration. Denn dort war er allgegenwärtig und prägte sich mit seiner frechen Art recht gut ein. Allerdings kann man diesen Krimi hier nicht mit Felidae & Co vergleichen. Hier ist es ruhiger, besinnlicher, schwärmerischer. Nicht hart, brutal und blutig. Es werden einem die Straßen und Wohnungen von Paris bildlich näher gebracht, sodass man das Gefühl hat, wirklich dort zu sein.

Dabei wirkt alles fröhlich und freundlich. Auch, wenn im Laufe der Geschichte die dunklen Facetten der Stadt ans Tageslicht gezerrt werden. Der Ausgangspunkt – der Mord auf dem Friedhof – rückt dabei schnell in den Hintergrund. Man konzentriert sich voll auf die Katzenwelt. Ihre Gedanken, Empfindungen und Prägungen. Es wechseln sich dennoch die Ansichten aus Menschen und Katzensicht stetig ab. Wobei mir die Menschen zeitweise zu viel Raum einnahmen.

Bei einem Katzenkrimi möchte ich keinen Menschenkrimi.

Sondern komplett in die Welt der Samtpfoten eintauchen. Durch das ständige hin und her, auch zwischen einzelnen Katzen, wirkt es manchmal recht wirr und voll gepackt mit Nebensächlichkeiten. Trotzdem ist der rote Faden immer erkennbar, an dem man sich entlang hangeln kann.

Bis auf kleine Feinheiten zu den Hintergründen, kann man den Mordfall als Leser auch rasch lösen. Nur die Entführung braucht etwas länger. Hier ist man stets auf dem gleichen Stand die wie Kater und Katzen auf den Straßen von Montemartre. Was gut für die smarte Spannung ist. Es soll schließlich keine Langeweile aufkommen! Letztlich habe ich das Buch gerne gelesen. Würde dennoch keine Fortsetzung lesen wollen. Dafür waren mir die Charaktere – egal welcher Herkunft – nicht einprägsam genug.

die katzen von montmartre


Genre: Krimi / VÖ: Oktober 2016 / Verlag: btb / Serie: Einzelband (?) / Region: Frankreich