von Xu Xianzhe

Knackig & spoilerfrei, mein Leseeindruck zu “Die Klingen der Wächter” Band 1 bis 5

Rezensionsexemplar

Worum geht es?

Das in einem Absatz zusammenzufassen wird nicht so einfach, da die Geschichte äußerst komplex ist. Zudem möchte ich die Kritik hier spoilerfrei halten. Daher starte ich einfach mal mit dem ersten Band.

Die Klingen der Wächter 1
Wir schreiben das jahr 607 vor Christus. Es ist das dritte Jahr der Daye-Ära. Die Bevölkerung lebt in Armut und Unterdrückung. Ein einzelner Ritter namens Daoma hat dem den Kampf angesagt und reitet im goldenen Gewand durch die Regionen und befreit die Menscheit!
Scherz.
Daoma ist Kopfgeldjäger und arbeitet als Geleitschützer, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Stets an seiner Seite sein kleiner Sohn Xiaoqi. Auf seinen Suche nach ausgeschriebenen Banditen, stellt er sich vorher brav vor und gibt ihnen die Chance zu überleben. Einfach ihr eigenes Kopfgeld verdoppelt und verdreifacht Daoma geben und schon könnten sie weiterleben. Nun. Kampfszenen mit viel Blut und gebrochenen Knochen sind vorprogrammiert.

Während seiner Reise durch das Land lernt er viele Gesichter kennen. Dabei muss er selbst ebenfalls auf der Hut sein. Daoma ist keine unbescholtenes Blatt. Auf ihn ist ebenfalls ein Kopfgeld ausgesetzt.
Dann bekommt er einen lukrativen Job angeboten. Er soll den maskierten Zhishilang “Der Allwissende” zur chinesischen Hauptstadt Chang’an eskortieren.
Und damit beginnt das Abenteuer.

Die Klingen der Wächter – Leseprobe

Die Klingen der Wächter 2
Daoma ist mit seinen BegleiterInnen in den Wüstengebieten des chinesischen Westens unterwegs. Auf ihrer Reise begegnen sie auf kampfwillige Schwertkämpfer mitsamt Geisel. Folgenschwere Kämpfe, klirrende Klingen, schmatzende Körperteile, die abgetrennt werden und Xiaoqi hält sich derweil brav die Augen zu und zählt bis Hundert.

Die Klingen der Wächter 3
Schauplatz ist weiterhin die Wüste. Neben derben Kampfszenen und mordlustigen Schwertkämpfern, kommen jetzt noch vier Familienklane hinzu. Warum und wieso sie dort unterwegs sind und sich keineswegs von Daoma und seinem Trupp gestört fühlen möchten wird rasch erklärt.
Generell wird gut die Realität mit der Fiktion gemixt. Kriege und fiese Machenschaften werden beim Lesen flüssig erklärt ohne, dass man sich davon erschlagen fühlt. Fußnoten inklusive. Vor allem im Bezug auf die Bedeutung der chinesischen Namen.

Die Klingen der Wächter 4
Die Kampfszenen und Mordlust nimmt zu. Ebenso die Rache, die eine Person plagt. Sie will nun allein ihrem Opfer entgegentreten. Zeitgleich wird es recht emotional. Ein Blick hinter die Fassade offenbart so vieles. Entscheidungen werden nachvollziehbarer.

Die Klingen der Wächter 5
Das Halbfinale nähert sich. Einstieg mitten in eine Schlacht. Es lohnt sich also Band 4 und 5 direkt in einem Rutsch zu holen. Daoma lässt seine Schwerter kreisen und schlitzt eifrig Leiber auf. Derweil kann jemand seine Rache ausüben. Oder auch nicht?

Die Klingen der Wächter – Leseprobe

Konnte mich der Comic packen?

Die Comics aus China nennt man Manhua. Der Künstler Xu Xianzhe geht der ethnischen Minderheit der Koreaner an und wuchs zweisprachig auf. Xu erarbeitete sich die Fertigkeiten in vier Jahren in Eigenregie, bis er endlich den ersten Band dieser Reihe herausbringen konnte. Das und noch viel mehr, erfährt man auf den Klappentexten des Comics. Ein Debüt also. Ein absolut geniales Debüt! Den Vergleich mit großen Künstlern, wie Hiroaki Samura oder Takehinko Inoue muss er keinesfalls scheuen. Allein die Kampfszenen sind die Reihe schon wert.

Inhaltlich und optisch hat mich “Die Klingen der Wächter” vollkommen packen können. Mal geht es heiß und blutrünstig daher, ein andermal wird es emotional und besonnen ruhig. Ein guter Mix, der einen stetig am Handlungsstrang festhält. Dazu gibt es kurze witzige Momente, die alles etwas auflockern und zeitgleich wird einem historisch vieles erzählt.
Die Klingen der Wächter lassen sich nicht mal so nebenbei lesen, allein die Fülle der Dialoge und die Hintergrundinformationen reichen, damit länger in der Geschichte verweilt wird. Da kann der Lesefluss noch so rasant und flüssig sein. Texte wollen gelesen und nicht überflogen werden!

Eine Sache hat mich jedoch zeitweise etwas innehalten lassen. Geräusche. Da man sie nicht hören kann – im herkömmlichen Sinne – werden sie durch ihre Ergänzung in die Szenerie lebendig. Man kann sie GROß und KRÄFTIG schreiben, LAUT oder l e i s e oder zart & besonnen. Gut, hier wird viel gemetztelt und geritten. Worte wie TRAPP TRAPP oder WUSEL WUSEL, WISCH, PRALL oder PLUMPS sieht man häufig. Allerdings gehen gerade die starken Wort komplett unter, da sie zu klein und nichtssagend eingefügt wurden. Ob das an der Übersetzung/dem deutschen Lektorat liegt oder schon im Original bereits so war, kann ich nicht beurteilen. Nach einigen Originalszenen, würde ich auf das deutsche Lettering tippen. Finde ich etwas schade, da so manche Momente an Dominanz verlieren.

Die Klingen der Wächter – Leseprobe

Lesetipp!?
Auf jeden Fall! Selbst wenn japanische Manga nicht zu den persönlichen Vorlieben gehören, sollte hier ein Auge – nein, zwei Augen – fest zugedrückt werden. Der Manhua ist leicht zu lesen. Den Panels kann recht einfach gefolgt werden. Es geschieht rein intuitiv. Die Leserichtung folgt der japanischen Tradtion von rechts nach links. Von hinten, nach vorne.

Die Klingen der Wächter” Reihe besteht aus zehn Bänden. Aktuell sind fünf davon auf dem deutschen Markt bei chinabooks erschienen. Nicht wundern, der Verlag wechselte nach den ersten drei Bänden die Druckerei. Da sich optisch nicht an die originalen Covervorlagen gehalten wurde, was leider zu spät aufgefallen ist. Band 1 bis 3 sind daher matter und rauer in der Optik. Band 4 und 5 glatt und heller in der Umschlagfarbe. Mir persönlich gefällt die matte Optik lieber, zumal die angeraute Version besser in den Händen liegt.

Wer Schwertkämpfe mit Tiefgang liebt, wird hier fündig werden. Von Anfang an fesselt einen die Geschichte und man möchte mehr und mehr über Daoma, seinen Sohn, seine begleitende Gesellschaft und die Beweggründe generell wissen.

je circa 270 Seiten
Februar 2020 bis 2021 veröffentlicht bei ChinaBooks*
Bände 1-5 von 10
schwarz/weiß
von Xu Xianzhe

Genre: Drama, Western

auch besprochen bei Lost in Manga*

[Anzeige]

Die Klingen der Wächter – Cover Band 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.