blut

Mitten in Savannah, die Rechtsmedizinerin Kay Scarpetta ist zu einem etwas ungewöhnlichen Besuchstermin unterwegs. Das Frauengefängnis, besser gesagt eine Sexualstraftäterinin der Einzelhaft, erwartet sie dort bereits. Nach einem Gespräch, in dem sie sich versucht relativ neutral zu verhalten und eher als Zuhörer agiert,verlässt sie mit einem kleinen Notizzettel das „Georgia Prison for Woman“.

Immerhin gibt sie dieser Kathleen eine Mitschuld an dem Tod ihres ehemaligen Stellvertreters Jack Fielding, aber das musste die auf Harmonie gebürstete Dame natürlich nicht wissen. Wieder in ihrem Wagen sitzend, faltet sie den Zettel auseinander und findet darauf eine ihr unbekannte Telefonnummer. Die nächste Telefonzelle wird nach kurzer Fahrtzeit schnell gefunden und die Stimme am anderen Ende kommt ihr überraschenderweise sehr bekannt vor.

Aber warum kontaktiert diese sie? In was war sie diesmal hineingeraten? Warum spielte man hier in einem Mordfall so ein Katz-und-Maus-Spiel?Als dann mehrere Gefängnisinsassinnen durch eine unbekannte Todesursache sterben, ist ihr detektivischer Spürsinn erst recht geweckt und sie beginnt zu ermitteln.

„Blut“ ist der 19. Band der Kay-Scarpetta-Serie.

Entsprechend gibt es eine lange Vorgeschichte zu den einzelnen Personen und deren Verbindungen zueinander. Dennoch ist es kein Problem sich einen Band herauszupicken um einmal Probe zu lesen und in das Geschehen reinzuschnuppern. Es wird das nötige Wissen vermittelt, damit man auf dem neusten Stand der Dinge ist und (fast) alle Verbindungen auf Anhieb versteht.

Somit war es hier kein Problem, nach einigen Jahren der Abstinenz, wieder in die Serie einzusteigen. Lediglich der Tod von Jack Fielding hat etwas überrascht und ist ein Grund mehr ein paar Vorgängerbände noch nachzuholen. Die Nichte Lucy ist inzwischen sehr erwachsen und selbstständig geworden, Benton Wesley, der inzwischen ihr Ehemann ist, taucht ebenfalls auf und auch Peter Marino ist wieder an derSeite von der Gerichtsmedizinerin anzutreffen.

Leider ist das Buch immer noch in der dritten Person geschrieben, was den Lesegenuss etwas schmälert, waren doch die besten Bände jene, wo wir Scarpetta in der Ich-Form kennen lernen durften.

Vielleicht ändert die Autorin dies irgendwann wieder, musste sie deswegen doch schon einige Kritik einstecken. Anfangs folgt ein dicker Leseblock, der sich recht schwer lesen lässt. Viele Dialoge, Beschreibungen, Erklärungen und Gedankengänge, die die Story kaum voran bringen. Man fragt sich unweigerlich, wann denn der erste Mord geschieht, wie er auf dem Klappentext beschrieben wird?! Wann denn endlich der Rachefeldzug in den Mittelpunkt rückt?!

Doch die Geduld des Lesers wird irgendwann belohnt. Mit einem Schlag ist man mitten im Geschehen, der erste Mord geschieht, Fakten werden verschleiert, jeder verdächtigt jeden und man fiebert eifrig mit.Das Ende nähert sich dann etwas plötzlich und man überlegt ob das jetzt wirklich so schlüssig war, wie dargestellt. Denn der ein oder andere Gedankengang der Ermittler ist nicht ganz nachvollziehbar, dennoch kann man mit dem Abschluss und der Lösung des Falles zufrieden sein.

Alles in allem ist dieser Band auf jeden Fall lesenswert!

Jedoch nun kommt das große ABER: Patricia Cornwell kann es besser! Kay Scarpetta ist eine sympathische Figur, die sich jedoch in den letzten Jahren immer mehr in sich selbst verliebt hat, sodass ihr scharfer Spürsinn und das Detailreichtum bei Erklärungen zu den Mordfällen/Autopsien etwas verloren gingen. Sind es doch gerade diese Kleinigkeiten, die einen die Serie so verschlingen lassen. Wir möchten sie wieder als Mensch sehen und das am liebsten ganz nahe in der Ich-Perspektive!


VÖ: Dez 2013 / Genre: Thriller / Verlag: Goldmann / Serie: Band 19