zorneskalt, buchkritik, crime, mcbeth

sie weiß alles von dir:
deine beste Freundin
und genau das macht sie gefährlich…

Rachel Walsh ist Reporterin und auf dem Weg zur nächsten Pressekonferenz, um über einen Vermisstenfall zu berichten. Doch als sie den Raum auf dem Polizeipräsidium betritt erstarrt sie. Die Vermisste ist niemand anderes als ihre älteste, beste Freundin Clara. Vor ein paar Tagen wollte sie sich noch mir ihr in einer Bar treffen, doch dort ist sie nicht aufgetaucht. Nun ist sie wie vom Erdboden verschluckt und Rachel gerät als alte Bekannte automatisch in das Visier der Ermittlungen.

Das Erste was einem bei diesem Buch auffällt, ist der Schreibstil.

Hier wird eine Form verwendet, die man bei Thrillern selten findet: Das gesamte Werk ist ein Brief, den Rachel an Clara schreibt. Es wird stetig zwischen der Gegenwart und den Erinnerungen aus der Vergangenheit hin und her gewechselt. Dennoch verliert man nie den Überblick. Die Rückblicke kommen genau dann, wenn sich neue Fragen aufstellen oder Zusammenhänge verdeutlicht werden sollen. Dabei schwebt immer eine sinngemäße Aussage im Raum, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht: Freundinnen sagen sich immer die volle Wahrheit!

Sie wird im Laufe der Zeit immer mehr zu einer bedrohlichen Frage. Was natürlich den Spannungsbogen gut aufrecht erhält. Man erfährt in “zorneskalt” wie bitter und fies Frauen seien können. Was sich aus einer Freundschaft entwickeln kann, wenn nicht die Wahrheit erzählt wird oder schlimmer noch, sie verfälscht wird. Was für ein Hass in Clara stecken muss findet der Leser erst im Laufe der Zeit heraus, da sie natürlich in der Briefform nie selbst zu Wort kommt und man sich automatisch auf die Seite von Rachel stellt.

Colette McBeth hat eine flüssige Schreibweise, die einen dass Buch regelrecht verschlingen lässt.

Nach einer kurzen Einfindungsphase in den Brief, möchte man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so sehr zieht einen die Story in den Bann. Man möchte einfach nur wissen, wie es mit den beiden Frauen weitergeht. Was der Grund für diesen Richtungswechsel ist. Wie kaputt man doch als Mensch sein muss, um eine Freundschaft und das damit gewonnene Vertrauen so derartig hart zu missbrauchen.

Ab und an sind jedoch kleine Hänger drin, gerade wenn es dem Ende zu geht und manche Dinge ausführlicher beschrieben werden. Dann stockt der Lesefluss und man möchte am liebsten die Zeilen überspringen. Das Ende selbst lässt einen dann zunächst verwirrt dastehen, man liest die letzten Seiten noch einmal und fragt sich letztendlich wer hier eigentlich wen aufs Glatteis geführt hat.

Das Cover ist entsprechend dem deutschen Titel “zorneskalt” farblich mit kalten Blautönen gut gewählt und soll sicher die Kälte hervorheben, die einen in dem Buch erwartet. (Ja, es ist Winter.) Trotzdem ist es ein starker Kontrast zu dem Originaltitel “Precious Thing” und der Hitze, der Auseinandersetzung die in dem Buch herrscht, welche auch oft in Form von dem Verb “heiß” verdeutlicht wird.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Diese Autorin sollte man sich vormerken und schauen, wie sich die kommenden Bücher von ihr entwickeln, denn “zorneskalt” ist von Colette McBeth der Debütroman, von daher sage ich: Da ist definitiv noch mehr drin!


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VÖ: Nov 2013 / Verlag: blanvalet / Genre: Thriller / Serie: Einzelband


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