“Die Maus lebte noch”. [S.9]

Fast jedes der ersten Kapitel in “Dark House” fängt mit so einem Satz an, den man in unzähligen Varianten auslegen könnte. Er ist provokant und regt die Fantasie an. Etwas, was ich bei einem Buch sehr zu schätzen weiß.
In diesem Fall dienen die Einleitungen auch dazu einem die verschiedenen Charaktere aus dem Buch näher vorzustellen und das sind nicht gerade wenige. Entsprechend sind markante Eigenschaften von Vorteil, wenn man sich alles behalten möchte. Was haben die zehn Menschen eigentlich alle gemeinsam? Sie haben einst mit ihrem Professor ein eigenwilliges Experiment gestartet. Sie wollten an ihre Grenzen gehen, sich selbst erforschen. Doch nicht alles läuft wie geplant. So sollten die Ereignisse den dunklen Raum der Testreihe nie verlassen. Was sie auf verbalen Wege auch nie gemacht haben. Aber wer kann schon in das Innerste eines Menschen sehen? Wissen was an ihm nagt? Was ihn verfolgt? Man erfährt es erst, wenn es aus ihm herausbricht.

Nun treffen sich alle auf einem Cottage an der englischen Küste wieder. Einige Jahre sind vergangen und nun möchte man sich neu beschnuppern. Das bisherige Leben Revue passieren lassen und sich schlichtweg unterhalten. Wie ein Jahrgangstreffen quasi. Doch etwas ist anders. Kluften haben sich aufgetan. Der Zusammenhalt von früher ist nicht mehr so stark zu spüren. Eher beäugt man sich misstrauisch und stichelt herum.
Als dann plötzlich der Professor von den Freunden ermordet aufgefunden wird, bricht Panik aus. Jeder verdächtigt sofort jeden und nach dem logischen Ausschlussprinzip kommt eigentlich nur eine Person in Frage.
Wärendessen wird gedanklich die Rückfahrt geplant. Man möchte das Cottage so schnell wie möglich wieder verlassen. Allerdings spielt der Wettergott gerade heute nicht mit. Ein heftiger Sturm kündigt sich an. Außerdem hat irgendjemand die Reifen der Autos zerstochen und auch die Smartphones, welche sie alle anfangs in eine Sammelschüssel gelegt haben, sind verschwunden. Wer will sie hier behalten? Wer spielt ihnen einen Streich? Die aufkommende nervöse innere Unruhe ist jetzt definitiv nicht mehr aufzuhalten.

Bisher klingt alles nach einem super spannenden Buch. Alle Geschehnisse haben die Spannung erheblich nach oben gepusht. Die Nerven sind beim Lesen wie Drahtseile gespannt. Man erhofft sich nun eine Jagd nach dem Mörder des Professors und will wissen wer sie von der Außenwelt abkapselt. Eine Wiederholung des Experimentes vielleicht? Leider nicht. Anhand der Dialoge und dem Hintergrundwissen was man sich bisher aneignen konnte, keimt ein Verdacht in einem auf.  Man ahnt wer oder was hinter allem steckt und mit jeder weiteren Seite verstärkt sich diese Vermutung. In der Zwischenzeit rennen die erwachsenen Figuren wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen durch die Gegend, während einer nach dem anderen ermordet wird. Dabei wird zeitweise so dumpf und vorhersehbar vorgegangen, dass jede Messlatte eines Klischee B-Movie-Horror-Films gesprengt wird. Überraschungen? Schockmomente? Pustekuchen!

Es ist fast wie bei “10 kleine Negerlein”. Gleich einem Aufzählreim wird Stück für Stück die Kette kürzer, bis nur noch wenige Figuren übrig sind und es zu einem Finale hinausläuft, was ebenfalls total überzogen ist. Ich war hier dann einfach nur noch froh, dass alles vorbei ist.
Bei der Thematik “Psychologie” in Verbindung mit einem Thriller steigen natürlich die Erwartungen bei einem Buchkäufer. Man spinnt sich fiese Psychospielchen zusammen, hofft auf nette Katz-Maus-Spielchen, will spüren, wo bei einem selbst die Grenzen liegen, wo man es sich persönlich nicht erklären kann, was da gerate geschieht und am Ende kommt das bombastische Finale, dass einen umhaut. Man kann es sich ja zumindest vorstellen. Denn umgesetzt wurde hier leider nichts davon. Zumindest kam nichts beim Leser an solange der die Seiten des Buches verschlungen hat.

Alles in allem hat mich diesen Buch überhaupt nicht überzeugen können. Auf den ersten Seiten ist von der Enttäuschung noch nichts spürbar. Doch spätestens wenn alle auf dem Anwesen an der Küste angekommen sind, geht es bergab. Schade um die die schöne Idee. Die Umsetzung ist leider den Bach hinuntergegangen. Hier wurde eindeutig das Potenzial nicht ausgeschöpft, was sich in der Handlung versteckt hat.

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Genre: Thriller / VÖ: April 2015 / Verlag: Droemer Knaur / Serie: Einzelband / Region: englische Küste

6 thoughts on “|Thriller| “Dark House”

  1. Oh je, ich kann es mir bildlich vorstellen! Erinnert mich auch stark an einen Thriller, den ich vor zwei Jahren mal gelesen habe, da gab es auch einen Professor und seine Studenten und ein Experiment, und ein Treffen in einem Haus nach vielen Jahren und einer nach dem anderen stirbt, und zwar ebenso vorhersehbar und mit einer Messlatte, so niedig, dass man darüber stolpert. Na gut, widmen wir uns anderen Büchern. :D

  2. Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Ich hab das Buch hier im Buchladen gesehen, weil der Autor aus Bamberg kommt und dann groß Werbung für die Lesung dort gemacht wurde. Ich wäre total gern hingegangen, aber es hat wegen der Arbeit nicht geklappt. Mittlerweile kann ich ja fast froh drum sein, denn deine ist nicht die erste eher negative Kritik die ich so höre. Schade eigentlich, es klingt ja wirklich toll…

  3. Ich komme mir immer beim Lesen deiner Rezis so vor, als würde ich grade MITTEN in der Story stecken, bis du mich mit deiner Kritik am Boden der Tatsache wirfst. xD *EISKALT xD*

    Und ich weiß nicht, was ich nun beschissener finden soll: Dass das Buch anfangs nicht so enttäuschend ist und erst gegen Mitte, wenns losgehen soll, absackt, oder das die Idee so blöd umgesetzt wurde. :/ HMPF!

    WEITER SO und wie immmmmmer —> ICH LIEBE DEINE BILDCHEN AM ENDE. *_*

    ~ Jack <3

    1. Hach Gott, ich bin ja sooooo gemein :P

      Ich sage nur die nackte Wahrheit XD

      und natürlich mach ich weiter – auch wenn ich grad ne Motivationsflaute hab *hüst*

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