Ein Betrag im Zusammenhang mit meinem Japan Special

Da gefühlt in jedem Buch bisher das japanische Neujahrsfest erwähnt wird, habe ich beschlossen, euch diese Event einmal näher vorzustellen. Denn wilde Partys und lautes Feuerwerk stehen hier definitiv nicht im Vordergrund, sondern eher der Zusammenhalt und die Familie.

Die Dekoration

Als traditionelle Dekoration wird ein hübsch hergerichtetes Bambusgesteck (kadomatsu) in den Eingangsbereich der Wohnung oder des Hauses gestellt. Er dient als Wegweiser für die Götter. Schließlich sollen nach altem Brauch in dieser Zeit die Jahresgötter vorbeischauen. Dabei sollte das Gesteck bis zum 28. fertig sein und stehen. Da der 29. mit seiner “9” Schmerz und Leid bringen soll und der 31. selbst als unhöflich gegenüber den Göttern gilt.

Auch ein Kagami-Mochi gehört dazu. Es sind zwei übereinander gelegte Reiskuchen. Dekoriert mit einer Zitrusfrucht. Sie symbolisieren das alte, vergangene und das neue, kommende Jahr. Während des Neujahrsfest wird die Opfergabe nicht verspeist. Erst am zweiten Samstag oder Sonntag im neuen Jahr, wird es aufgebrochen, verteilt und gemeinsam mit der Familie gegessen.

Nengajō

Neujahrskarten. Wir verschicken eher Karten zu Weihnachten. Die Japaner versenden sie zu Silvester. Dabei ist die Post extra am Neujahrstag unterwegs, um die Karten garantiert zu ihren Empfängern zu bringen. Bei diesem Brauch schickt man Wünsche an Freunde und Familie. Auf der Frontseite ist in den allermeisten Fällen das aktuelle chinesische Tierkreiszeichen zu sehen. Die einzige Ausnahme gilt übrigens, wenn jemand im Jahr zuvor in der Familie verstorben ist. Dann hält man sich zurück, mit schmucken Karten.

Wer mehr über diese Tradition erfahren möchte, kann hier > einen Blick reinwerfen.

Der Silvestertag (Omisoka)

Wie bereits oben erwähnt, ist das japanische Silvester anders, als wir es aus Europa kennen. Man verbringt diesen Tag im Kreis seiner Familie und geht ihn eher ruhig an. Da der letzte Tag des Jahres nicht der Höhepunkt, sondern eher der Auftakt der Neujahrsfeierlichkeiten ist. Begegnet man sich an Silvester auf der Straße, so wünscht man sich “Yoi otoshi o!” – ein schönes neues Jahr.

(A) Kohaku Uta Gassen

Das ist ein rot-weißer Gesangswettstreit, der landesweit im Fernsehen übertragen wird. Zwei Sängerteams, der aktuell beliebtesten SängerInnen des Landes treten gegeneinander an. Rot (weiblich) und Weiß (männlich). Der Sieger wird dann noch vor Mitternacht bekanntgegeben. Neben diesem musikalischen Event wird auch noch, die uns sehr bekannte Beethovens 9te Sinfonie, gerne wiedergegeben.

Wer mehr zu der Liebe zur “Freude Schöner Götterfunken” lesen möchte, kann hier > einmal reinlesen.

(B) Toshikoshi Soba

Was wäre eine Feierlichkeit ohne Essen? So ist dieses Gericht nur eines von vielen, was an den Feiertagen gereicht wird. Die langen Soba-Nudeln stellen ein langes Leben und Kraft dar. Damit sie auch ihren Zweck erfüllen, muss die Schüssel komplett leer gefuttert werden. Keine Nudel darf übrig bleiben. Denn statt Glück, könnte Unglück hereinbrechen!

(C) Joya No Kane

Nun kommen wir zu dem Punkt, der auch in vielen Büchern gern im Detail erwähnt wird: Die buddhistischen Tempelglocken. 108 mal werden sie geschlagen. Jeder Schlag steht für eine westliche menschliche Begierde. Man soll frei von Sünde und Leid in das neue Jahr starten. Für viele ist dieses Event der erste Tempelbesuch des Jahres (hatsumode). Man betet traditionell für Glück und Gesundheit (ähnlich unserer Weihnachtsmesse).

Neujahr (Oshōgatsu)

Der japanische Neujahrstag ist da. Es viel gegessen und getrunken. Alle Speisen wurden bereits vorher zubereitet und hübsch angerichtet (ähnlich der Bentō-Boxen). Die meisten Lebensmittel sind hierbei süß oder sauer. Rückzuführen ist dies auf die Zeit, wo es keine Kühlschränke gab und man Speisen haltbar machen musste. Jedem Häppchen wird hierbei eine positive Eigenschaft zugesprochen. Man nennt dieses Neujahrsessen “osechi ryori”.

Neben dem erwähnten ersten Schreinbesuch, feiert man förmlich jedes erste Ereignis des Jahres: den ersten Sonnenaufgang, den ersten Sonnenuntergang, den ersten Einkauf, den ersten Traum (erscheint einem eine Aubergine, soll dies besonderes Glück bringen).

Bis zum 7. Januar ist dann alles wieder vorbei. An diesem Tag wird die Dekoration wieder entfernt. Die Bambusdekoration wird in einer feierlichen Zeremonie verbrannt und man kehrt in den Alltag zurück.

Wie hat euch dieser Ausflug ins ferne Japan gefallen?

Soll ich noch weitere – thematisch passende – Beiträge vorbereiten?