Jahrelang sprach man davon und nie konnte es in die Tat umgesetzt werden. Jetzt ist es endlich so weit. Künstliche Intelligenzen sind nicht mehr nur Laborexperimente oder unerfüllte Tagträume. Sie sind im Jahr 2024 unter uns. Oder besser gesagt, wir könnten sie unter uns haben. Zahlreiche Köpfe haben sich zusammengetan und etwas erschaffen, was sie bald an ihre Grenzen bringen wird. Doch bevor das alles geschieht, begeben wir uns erst einmal in eine Studenten-WG nach L.A.

Lou, Emil, Xiu und Francois suchen einen neuen Mitbewohner oder eine neue Mitbewohnerin. Allesamt sind sie schlaue Köpfe der regionalen Universitäten, forschen an neuen Apps, bauen lernfähige Roboter oder beschäftigen sich mit K.I.s. Das ruft ein paar Gegner auf den Plan, die intelligente Menschen als Konkurrenten ansehen. Aber auch Interessenten, die stets auf der Suche nach Nachwuchs sind. Umso seltsamer ist es, dass die neue Mitbewohnerin Elna, eine Art sechsten Sinn zu haben scheint.

“Sie wollte gerade die Leselampe einschalten und sich wieder ihrem Buch zuwenden, als sie aus den Augenwinkeln einen großen Van weiter hinten auf der Straße anhalten sah.” (S.67)

Nach dieser Beobachtung kommt es zu einem Überfall. Elna flüchtet Hals über Kopf, gemeinsam mit Lou, aus dem Haus. Die restlichen Bewohner sind mehr oder weniger ihrem Schicksal überlassen. Wobei man es vor allem auf Emil abgesehen hat. Was hat er, was die anderen nicht haben? Wieso ist er für die Entführer besonders relevant? Und vor allem, was hat Elna mit der ganzen Sache gemein? Was verbirgt sie vor den Studenten?

Neben den zahlreichen Fragen, von denen manche recht schnell beantwortet werden, beginnt ab diesem Zeitpunkt ein kleiner Wettlauf um Leben und Tod. Ähnlich einem Road Movie flüchten Elna und Lou vor den Tätern. Treffen auf neue Gefahren und folgen dabei stets dem Lauf der Straße, bis sie an dem eigentlichen Ziel angekommen sind und selbst das wirft nur noch mehr Fragen auf.

“Sie waren bis in die Nacht durchgefahren und hatten sich mehrmals abgewechselt.” (S.139)

Das ist eines der Probleme, die ich mit dem Buch hatte. Man begibt sich an mehrere Punkte. Fast übergangslos rennt man von einem Verderben in das nächste. Dabei wirken die Erlebnisse teilweise zu erzwungen und unglaubwürdig. Des öfteren habe ich Absätze mehrfach durchgelesen, da ich dachte etwas überlesen zu haben. Aber dem war nicht so. Zudem verebte so nach und nach meine Lesefreude. Neben Füllwörtern, die einen stocken lassen oder der Vorhersehbarkeit, gab es noch ein Problem.

“Singularity 2024” umfasst knapp 280 Seiten. Es wird so oft der Schauplatz gewechselt, dass man diese inhaltlich gar nicht richtig ausfüllen kann.  Theoretisch hätte zum Beispiel auch alles in Berlin spielen können und nicht in Amerika. Die jungen Wissenschaftler benehmen sich zeitweise wie Teeanger und hätten auch Alex, Peter und Susanne heißen können. Es fühlte sich für mich so an, als ob der Autor viele Ideen und Unmengen Wissen in das Buch packen wollte, die einzelnen Szenen aber nicht reifen lies. Die Charaktere blieben alle unnahbar für mich. Ich fühlte nichts und hoffte einfach nur, dass das Ende alles rausholen würde. Dem war für meine Begriffe nicht so.

“Eine Erkenntnis, sie zu behüten, sie alle zu befreien,
Ins Licht zu führen und ewig zu gedeihen.” (S.107)

Mit Vorfreude bin ich an den Namensvetter von William Hertling* herangegangen. K.I.s. sind einfach ein Thema, was ich gerne in Büchern lese und deren Entwickling in der Realität ich interessiert verfolge. Hier wird der Fortschritt erst in der zweiten Hälfte näher aufgegriffen und bedient sich dann auch noch diversen Komponenten, wie man schon von den SciFi-Kollegen kennt. Somit kommt es leider zu keinen Überraschungen oder Aspekten, die einem in Erinnerung geblieben wären.

Anzeige

Genre: SciFi / VÖ: Dezember ’19 / Verlag: amazon Selfpublisher / Serie: Einzelband (ggf. Serienstart)

erhältlich bei: amazon.de*

Das Buch habe ich im Rahmen einer Leserunde auf lovelybooks gelesen.

3 thoughts on “|SciFi| “Singularity 2024”

  1. Das Cover spricht mich an! Ja, hab da einen kleinen Cover-Fetisch *lach

    Das war es dann aber auch schon, denn deine Kritikpunkte würden mich extrem stören beim Lesen – zumal ich solche Geschichten lieber gucke als lese (Szenenwechsel, Road Movie, etc) und ich denke da gibt es dann wirklich besseres mit KI (“Hologrammatica” zB fand ich gut und freu mich nun auf das neue Buch des Autors).

    Wenn übergangslos von einer Szene zur nächsten gehoppst wird und keine Überraschungen auf mich warten, habe ich auch wenig Leselust …

    Mukkelige Grüße!

    1. Das Cover erinnert an Metro (Farben, Muster + Zahl). Was hier etwas ungeschickt ist, da es so gar nix damit gemein hat XD

      Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich gefreut hab, bei der LR dabei zu sein! Die Thematik, das verlockende Cover und dann so eine Ernüchterung :( fand ich sehr schade.
      In dem Fall hier würde es sich auch als Film schlecht machen, da er nix neues bringt XD

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.