verdächtige geliebte, buchkritik

Es ist ein Tag wie jeder andere auch. Frau Hanaoka geht ihrer Arbeit nach und Tochter Misato ist derweil in der Schule. Doch ein Unruhestifter macht diesen normalen Tag zu einem Auslöser, der eine sehr lange Kettenreaktion hervorruft und viele zum Nachdenken anregt. Letztlich wird es ein Tag sein, der sich dauerhaft in das Gedächtnis von Frau Hanaoka einbrennt und dessen Ausmaße ihr erst recht spät bewusst sein werden. Vor geraumer Zeit hat sich Yasuko Hanaoka von ihrem Mann getrennt.

Doch dieser scheint nicht wirklich darüber hinweg zukommen und sucht sie an eben jenem Tag in ihrer Wohnung auf. Sie ahnt direkt, dass der gute Ex-Mann nur Geld will und wappnet sich innerlich schon auf die bekannte Frage. Plötzlich eskaliert die Situation. Es kommt zu einem Handgemenge und letztendlich liegt er tot am Boden. Genau in dem Moment klingelt ihr Nachbar an der Tür. Was also machen, wenn man eine Leiche in den eigenen vier Wänden hat und sie keiner sehen soll? Richtig, sie muss versteckt werden! Herr Ishigami – ihr Nachbar – allerdings fällt die Unstimmigkeit in der Wohnung direkt auf. Das leicht aufgewühlte Verhalten von Frau Hanaoka spricht ebenfalls Bände und so kommen sie nach kurzem Hin und Her zu einer Übereinkunft. Herr Ishigami verschafft ihr ein Alibi und im Gegenzug befolgt sie genau seinen Anweisungen, um nicht im Gefängnis zu landen.

Das klingt ziemlich banal und langweilig?

Welche Polizei ist schon so dumm und durchschaut so etwas nicht direkt? Wozu gibt es forensische Beweismittel? Nun sofern die Idee vom Mathe-Genie Ishigami kommt, dann müssen sich die Beamten wohl oder übel damit abfinden, dass sie den herkömmlichen Weg der Ermittlungen nicht beschreiten können. Nach ihren Ergebnissen, ist Yasuku nämlich unschuldig. Kein Indiz spricht gegen sie. Ishigami hat ganze Arbeit geleistet. Jedoch hat er die Rechnung ohne Kommisar Kusanagi und dessen Freund Professor Yukawa gemacht. Ahnt Herr Kusanagi nur, dass hier etwas nicht stimmt, weiß Herr Yukawa dies direkt. Immerhin kennt er seinen Gegner aus Studienzeiten und so entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel auf sehr hohem Level, welches einer komplizierten mathematischen Formel gleicht. Am Ende kann aber nur einer von beiden gewinnen.

Was einem nach den ersten Kapitel direkt auffällt ist, dass hier kein Augenmerk auf blutiges Gemetzel oder makabere Details gelegt wird, wie man es von vielen amerikanischen Krimis und Thrillern kennt. Hier wird sich im Rätseln geübt, im Mitdenken, im Nachforschen. Geht man doch den untypischen Weg, dass man als Leser direkt die Wahrheit kennt. Normalerweise ist es genau umgekehrt. Genau das macht das Buch aber aus. Wir wissen es und sind nun tierisch gespannt, wie so ein intelligenter Gegner die Beamten auf eine falsche Fährte lockt und diese auch noch fröhlich dort hineintapsen.

Erst als ein würdiger Gegner auftaucht, spürt man die Spannung förmlich überschwappen. Besonders wenn man merkt, dass die beiden es nie direkt aussprechen und doch ahnen was das Gegenüber denkt.
Die Dialoge sind dabei ein i-Tüpfelchen für sich und untermalen alles perfekt.

Wieso, fragt man sich jedoch irgendwann. Wieso macht Herr Ishigami dies alles?

Warum bürdet er sich diese Last auf? Warum macht er das für eine Frau, die er kaum kennt? Die nur seine Nachbarin ist? Dieser Frage wird natürlich auch nachgegangen und man weiß schnell wie er zu Frau Hanaoka steht. Doch die Frage nach dem Warum bleibt weiterhin offen und wird erst Stück für Stück geklärt.
Am Ende erwartet dann den Leser doch noch eine kleine Überraschung. Die mich persönlich schockiert hat. Ich hätte niemals damit gerechnet, vor allem weil man glaubt die Figuren zu kennen. Am Ende passieren dann noch 1-2 Dinge mit denen ich persönlich nicht ganz zufrieden war, die aber dem Buch keinen Abbruch geben.

Der Aufbau in “Verdächtige Geliebte” beginnt also quasi von hinten und dennoch ist das Buch die ganze Zeit spannend. Viel Freude machen auch die Unterhaltungen der beiden Genies untereinander. Ab und an fühlt man sich dabei wie der Kommissar, der auch nicht immer direkt aus den Worten der beiden schlau wird.
Alles ist in einer ruhiges Atmosphäre verpackt. Der normale Alltag läuft weiter und wird gut beschrieben. Man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzen und somit auch mitfühlen.
Trotz der Intelligenz die hier vorherrscht, wird nicht mit unnötigen Fachbegriffen um sich geworfen. Kommt etwas vor, was vielleicht nicht jeder weiß, wird es kurz erklärt und man muss sich keineswegs klein fühlen beim Lesen.

Alles in allem habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Da dies der Serienauftakt um das Duo Kasanagi und Yukawa war, werde ich auch die nächsten Bände im Auge behalten. Es ist also eine 100prozentige Empfehlung!  Außerdem habe ich einfach wieder einmal festgestellt, dass ich den ruhigen  und zugleich überraschenden Schreibstil der japanischen Autoren sehr mag. Wer also weitere Empfehlungen für mich hat – aus meinen bevorzugten Genres – darf sich gerne melden und Vorschläge in die Kommentare schreiben.

verdächtige geliebte keigo higashino


Anzeige

Genre: Krimi / VÖ: Juli 2014 / Verlag: Piper / Serie: Detective Galileo #3 (hier in Dt. als #1) / Region: Japan


Loading Likes...