Der folgende Thriller ist mir wieder einmal nicht wegen des Covers (was ich nicht für sonderlich gelungen halte), sondern wegen des Inhalts aufgefallen. Zwar ist es der 6. Band einer Serie um die darin vorkommenden Ermittler, dennoch lässt sich das Buch ohne Vorwissen problemlos lesen.

Im Mittelpunkt steht die FBI-Ermittlerin Kimberly Quincy. Trotz voranschreitender Schwangerschaft lässt sie es sich nicht nehmen einen neuen Fall tatkräftig zu unterstützen. Das führt nicht nur zu skeptischen Blicken von den Kollegen, sondern auch zu Beziehungsstress, der ihr recht nahe geht. Doch den aktuellen Killer interessiert das natürlich nicht im Geringsten.

In letzter Zeit verschwinden immer mehr Prostituierte in Boston. Ein außergewöhnliches Motiv ist nicht erkennbar – vermutlich die übliche “Hass-Macht-Version” – ebenso wenig werden die Leichen der Frauen gefunden. Sie scheinen wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Warum also Ermittlungen einleiten? Die Frauen vermisst doch eh niemand. Doch plötzlich behauptet eine Delilah die Agentin Kimberly zu kennen und bittet um ihre Kontaktaufnahme.
Ein gefährliches Spiel mit der Zeit beginnt.

Der Name des Killers ist schnell herausgefunden.

Sein Ziel stellt die Ermittler jedoch vor ein Rätsel. Denn nur um das Morden allein scheint es ihm nicht zu gehen. Dem Leser wird hier schon mehr Einblick gewährt. Durch die wechselnden Perspektiven kommt der Täter ebenfalls zu Wort. Schnell ist klar, da litt jemand unter dem Einfluss einer starken Persönlichkeit und ist nun zu dem geworden, was er der Welt präsentiert: Der mächtige Spinnenmann oder auch Dinchara genannt. Umgeben von Spinnen lebt er sein Leben und übt seine Form der Rache an den Lebenden aus. Doch warum er mordet bleibt lange ein Rätsel, bis man ihn dank seiner Gedanken näher kennenlernt.

Klingt nach Schema F? Ist es auch irgendwie.

Die Autorin präsentiert den Lesern ein Lesevergnügen, wie man es irgendwo irgendwann schon einmal gelesen hat und trotzdem ist das Buch anders. Ob es an dem Schreibstil liegt oder der Art, wie Lisa Gardner geschickt die kleinen Spinnentiere einbaut, das muss jeder selbst herausfinden. Fakt ist dennoch, dass die kleinen Informationsfetzen über Spinnen zu Beginn eines jeden Kapitels den Ekelfaktor steigen lassen und dem Buch einen besonderen Touch geben.

Neben den genannten Handlungsträngen kommen noch weitere Personen zu Wort und es ist zunächst recht schwierig diese richtig einzuordnen. Man kann sich nicht immer sicher sein, wer da spricht und ob das Geschehene gerade passiert oder bereits in der Vergangenheit liegt. Das mag einerseits verwirren, andererseits unterstreicht es den Spannungsfaktor extrem. Trotz der vielen Informationen ist der Leser somit nicht unweigerlich den Ermittlern einen Schritt voraus. Viel mehr kann ich jetzt auch nicht mehr ins Detail gehen, da sonst schon zu viele Ansätze verraten werden würden.

Zum Schluss kann man sagen, dass der Titel “Du darfst nicht lieben” durchaus einen sehr wichtigen Hintergrund hat und nicht außer Acht gelassen werden sollte. Der Stil des Buches ist typisch amerikanisch: FBI-Agentin jagt Killer, Killer ist durch seine Vergangenheit so geworden, die Vergangenheit verfolgt ihn und nun verfolgt das FBI ihn. Die Aufschlüsselung am Ende überzeugt nicht zu 100%. Es wird ein Strang mit eingebaut, der überflüssig und überzogen ist. Ebenso der “Aufklärungsepilog” – denn muss man nicht an dran hängen. Dennoch ist das Buch unterhaltsam gewesen. Man hat mitgefiebert und gebangt. Mitleid empfunden und Hass gespürt.


Randnotiz:

Es ist im Buch immer wieder die Rede vom Burgerman. Er symbolisiert hier das Böse und kommt im deutschen dem “Schwarzen Mann” am Nächsten. Eine direkte Übersetzung gibt es dafür nicht.


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Genre: Thriller / VÖ: April 2014 / Verlag: Rowohlt* / Serie: Band 6


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